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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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K�nig bedankte sich beim F�rstbischof f�r Me F�rderung, die er dieser Sache hatte angedeihen lassen, und schlo� seinen
Brief mit den Porten: �Es w�rde mir zur Freude gereichen, wenn Sie stets Ihre sch�tzende Hand �ber den genannten
Abbs halten m�chten, auf da� seine Abwesenheit ihm keinen Schaden eintrage in allen Rechten und Vorrechten, welche
ihm zustehen. Jede Gelegenheit w�re mir erw�nscht, Ihnen daf�r nieinen Dank beweisen zu k�nnen" 1. 3n Paris
hatte sich schon \75^ das Ger�cht verbreitet, der Konig beabsichtige de pra6es zum Bifcf/of von Breslau zu machen;
dies sei aber am widerst�nde des Papstes gescheitert^
Alle diefe Wohltaten hat be prabes dem Honig schlecht gelohnt, �kr wurde juni Verr�ter an seinem Herrn.
Schon vor Beginn des Siebenj�hrigen Krieges deutet der 3111*1 zweiten Male mit der Vertretung Frankreichs in Berlin
betraute Marquis de Valori seiner Regierung an, da� de pra6es die Pers�nlichkeit w�re, durch die er des "K�nigs
Stimmung �ber den Verteioigungsoerlrag zwischen Frankreich und Gesterreich ergr�nden k�nnte. (Er f�gt feinen Memoiren
einen Brief de pra&es 1 vom 20. Juli U50 �in5/ in dem dieser ausf�hrt, es werde ihm a?s Franzosen jetzt schwer, seine
Rolle befriedigend durchzuf�hren; er sei imHerzen �ber alle Ma�en franz�sisch gesinnt, trotzdem �habe der K�nig zu ihm
gesagt", er solle ihn in das Feldlager begleiten. Man nehme an, der Aufbruch werde Anfang n�chsten Monats
erfolgen, obgleich der Tag des Ausmarsches noch nicht festgesetzt fei. Vie Offiziere seien jedoch vertraulich angehalten
worden, sich marschbereit zu machen und w�rden es binnen kurzem fein. 2)iefe Mitteilungen waren, wenn man auch
die Empfindungen des Vriefschreibers als Franzose verstehen kann, dem es leid tat, seinen Herrn nun bald imKampfe
mit seinen kandsleuten sehen zu m�ssen, doch ein Mi�brauch des Vertrauens, das ihm dieser geschenkt hatte. 3n der
Tat nahm der K�nig seinen Vorleser nicht gleich ins eigentliche Feldlager mit. Er lie� ihn in Sachsen zur�ck, daniit
sich nicht, wie er im Oktober an den Marquis d'Argens schreibt, seine reinen H�nde mit katholischem Blute
besudelten. Aber im folgenden Jahre ist de pra6es in des K�nigs Umgebung. Graf Henckel von Donnersmarck,
der Adjutant des Prinzen Heinrich, tr�gt im Juli und August ;?57 in sein Cagebuch ein, de grades habe damals
gew�hnlich vier bis f�nf Nachmittagsstunden beim K�nig zugebracht, und auf noch im September sehr regen pers�nlichen
Verkehr l��t die Mitteilung des Grafen vom <{.September schlie�en, Friedrich habe eine Predigt �ber das j�ngste
Gericht geschrieben, die den Titel hatte: �Sermon prononc� un jour devant M, l'abb� de Prades par son aum�nier
ordinaire, le philosophe de l'incr�dulit�." Nachrichten von seinem Gesch�ftstr�ger im Haag lie�en Friedrich bald
darauf bef�rchten, da� sein Vorleser mit den Feinden in Verbindung st�nde. Der Gesandte berichtet, da� diese
von Magdeburg aus geheime Nachrichten erhielten; er riet, den Komman6anten der Festung anzuweisen, alle Briefe
�ffnen zu lassen. Va aber der Verdacht nicht geradezu auf den Abbi hinwies, empfing ihn Friedrich nach einiger
Zeit der Zur�ckhaltung von neuem, zumal auch Prinz Heinrich f�r die Unschuld de Prades' eintrat. Bal6 aber
verdichtete sich der verdacht gegen ihn, und die Katastrophe erfolgte. Am November \757 schreibt der K�nig
an den Marquis d'Argens nach kurzem Vericht �ber die Schlacht bei Ro�bach: ,J'ai �t� oblig� de faire arr?ter l'abb�;
ila fait l'espion et j'en ai beaucoup de preuves �videntes. Cela est bien inf�me et bien ingrat." Am J9, Dezember
kommt er noch einmal darauf zur�ck: ,J'ai �t� afflig� de la trahison de l'abb�; mais la chose n'est que trop
certaine. La s�duction s'est faite cet hiver ? Dresde 4; ilm'a vendu iniquement et, comme il s'est trouv� dans
mon arm�e, ila averti l'ennemi de tout ce qui est parvenu ? sa connaissance. Depuis que je l'ai fait arr?ter
mes d�marches ont �t� cach�es, et tout ? bien r�ussi. 1' Ebenso bestimmt �u�ert sich der K�nig zu de Catt J758:
�Cet abb� m'a tromp� cruellement; je l'ai fait enfermer a la forteresse de Magdebourg d'o? ilne sortira que
lorsque la paix sera faite." voltaire wandte sich an alle m�glichen ?eute, um zu erfahren, was es mit de Arabes
f�r ein Betr>en6en habe. Schon am 29. Vezember fragt er Jakob vernes, ob es richtig sei, da� der K�nig seinen
fr�heren Vorleser nach Spandau geschickt habe. An andere schreibt er, das Ger�cht sei zu ihm gedrungen, Friedrich habe
ihn in Breslau an den pranger stellen und ausst�upen lassen, eine M�r, die wohl von ihm selbst erfunden war, um zu
1Gundlach a. a. V., 30/31, � a Aofer-Vroysen, Vriefwochsel Friedrich5 des Gro�en mit Voltaire, III,00, Anm. 4.
�
a M�moires
des n�gociations du Marquis de Valori par le Comte H. de Valori. Paris (820. II,96 und 556.
� * Der K�nig hatte mit kurzen Unter�
brechimgen den Winter ;?56/5? in Dresden zugebracht.
        
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