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Das Feldtagebuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen aus dem Jahre 1813

Full text: Das Feldtagebuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen aus dem Jahre 1813

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Zweifel gethan, der gr��te Theil gewi� aus edler Absicht und weil ihr Aopf durch eignen Enthusiasmus, der durch
Andere gen�hrt und schief gerichtet, entz�ndet und verblendet war, ein kleiner Theil aber h�chst wahrscheinlich, um
aus dem zu entstehenden A)ust ihr Gl�ck zu bauen und ihre Ehrsucht zu befriedigen. Doch wie die Vorsehung so
vieles B�se zum Guten leitet, so entstanden aus dem Eifer, mit welchem viele dieser Herrn an den Mitteln zur
Ausf�hrung ihrer Zwecke gearbeitet hatten, in der jetzigen Lage viel reelle Vortheile f�r den �aat; denn vom Staate
nicht unterst�tzt, und nach einigen mi�lungenen versuchen durch eigene Unf�higkeit, Unentschlossen heit und schw�che
abgehalten, sie zum Ungl�ck des Staats zu benutzen, konnte derselbe sie herrlich zu seiner Rettung anwenden,
nun galt es, das Volk zu erproben, jetzt rief es der A�nig an, sich und Deutschland zu befreyen, u.nd alles str�hmte
zu seinen Fahnen.
Doch davon nachher ein weiteres; jetzt Zur�ck auf die letzten Tage zu Verlin und Potsdamm.
Ls war in den letzten Tagen Januars Man sprach viel von meiner Ginsegnung und von des A�niges
und unserer aller Abreise nach Breslau, da verbreitet sich pl�tzlich in Verlin das Ger�cht, die Franzosen wollten den
A�nig und sein ganzes Haus aufheben (am 5?. Januar).
Reihersdorff den I?-" Iuly.
Lin blinder k�rm h�chstwahrscheinlich nur, durch jene Herrn herbeigef�hrt, um den K�nig zu einem schnellen
Schritte zu verleiten, der dem, was noch von Franzosen zur�ckkam und ankam, ein pl�tzlich Ende machen sollte, der
uns aber, da dem A�nige nur die Garden zu Potzdamm zu Geboth standen, bey der gro�en Ueberlegenheit des anr�ckenden
Grenier'schen Corps, h�tte �bel bekommen k�nnen. Zu gr��rer Sicherheit verf�gte ich mich nach f)otsdamm, wo
noch am selben Abende, obgleich der A�nig nichts davon glaubte, Sicherheits-Ma�regeln getroffen wurden.
Am 20. legte ich mein Glaubensbekenntni� ab, und ging Tag's darauf mit dem A�nige und meinem Vetter
Friedrich kouis lzum Tisch des Herrn, in einer Stimmung, die ich die sch�nste meines Gebens nenne. Am 22"",
die Seele voll banger Erwartung und frommer Gef�hle, folgte ich den, K�nig nach Vreslau (m H Tagen, durch
die kausitz �ber 5agan). Zu Vreslau vereinigten wir uns bald alle, und f�hrten langer als einen Monat ein ziemlich
ruhiges und gl�ckliches Teben, wie sonst zu Verlin; doch desto unruhiger begann es nun zu werden. Der Vruch mit
Frankreich war auf dem Aunkt der Erklerung. Der A�nig erkl�rt �ffentlich die Gefahr des Vaterlandes und ruft
sein Volk zum Aampf. Jetzt sah man jene Scenen, die jedem edlen freyen Gem�the eine Wollust waren. Mehr
denn 50 (XX)Freywillige eilten zu den Fahnen. Jeden Arieger beseelte ein zauberisches Feuer, das Heer wuchs t�glich,
ich m�chte sagen jauchzend und frohlockend, an. Die vom Staate ausgehobenen sowol, wie die Freywilligen eilten
wie zu einem ungeheuren, durchs ganze kand angesagten Volksfeste; Vertr�ge aller Art fl�ssen reichlich zu; gewi�
keiner, der des Tandes kage kannte, h�tte die Opfer f�r m�glich gehalten, die den, Vaterlande gespendet wurden;
keiner h�tte dies Volk dieses g�ttlichen Enthusiasmus f�r f�hig geachtet.
Mein sehnlichster Wunsch war immer gewesen, einst solch einen Areutzzug mitzumachen. Cousin Friedrich
hegte denselben IVunsch, und zu unsrer gr��ten Freude stimmten unsre W�nsche mit denen des A�niges �berein.
Unser erster Feldzug ward demnach beschlossen. Endlich erschien die ersehnte Ariegs-Erkl�rung. Der Ru�ische Aayser
zog triumphirend in Breslau ein, und jetzt begannen die Ausm�rsche.
Der General Vl�cher erhielt das Commando eines Armee-Corps in H Vrigaden eingetheilt: die
Niederschlesische VriZade unter General Zielen; 2. die Vberschlesische Vrg. unter Gbrist Al�x; 3. die Vrandenburgsche
und Gardc-Vr. unter General R�der, und die Reserve Kavallerie unter Vbrist r�. Dolffs.
Reihersdorff den 20"" July.
Aoch ward das Mann starke ru�ische Eorps des Generals v. Wintzingerode unter seine Vefehle
gegeben. Die Oreu�en mit den Freywilligen waren �ber 25 000 M. stark, das ganze Vl�chersche Armee-Corps also
1Prinz Friedrich von Preu�en, 3ohn des Prinzen Ludwig, des am 28. Dezember ;?Y6 verstorbenen Vruders des K�nigs
Friedrich.wilhelm III.,und der Prinzessin Friederike, Schwester der K�nigin tuise. geb. 3o. Oktober ;?9<5, gest. 2?. Juli ?o63.
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