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Das Feldtagebuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen aus dem Jahre 1813

Full text: Das Feldtagebuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen aus dem Jahre 1813

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schmerze, nur in M�rschen und dem Teben im fremden kande; von unter dem k�rme der Waffen, sind uns
nur diese Fragmente �berliefert worden.
Das �Tagebuch" ist niedergeschrieben auf Auartbl�tlern, die zu kleinen Heften zusammengef�gt sind; nach
dein ersten Fragmente, das ohne Schlu�punkt abbricht, sind noch 30 leiten solchen Heftchens unbeschrieben geblieben,
das zweite Fragment besteht aus nur 5 zusammengelegten, nicht gehefteten Ouartbl�ttern, von denen nur 2 Seiten
beschrieben worden sind. Ver Aronprinz meint selbst, in einem Vriefe an Prinzessin Charlotte vom ?. Oktober
�HohenzoUernbriefc" Nr. 62, es sei �als ein Pallast ohne Zimmer zu betrachten, denn hinter dem pompeusen Titel
ist die schlecht stylisirte Relation der wenigen Tage von Gr�ditz bis Nimburg enthalten". Auch hier finden sich, in
den Text eingef�gt, einige wenige Federzeichnungen des Kronprinzen, wie sie seine Vriefe in so reicher Zahl aufweisen.
Die gr��ere Zeichnung des den Satan durchbohrenden St. Michael � ein auch in den �Hohenzollernbriefen" wieder-
kehrendes Motiv (als Ciielvignette oben abgebildet) � hat der Awnprmz unter ein von seinem Milit�r-Gouverneur,
General Fnedrich-U?ilhelm-teopold von Gaudi, geschriebenes Itinerar, vom 2^. M�rz bis zum Juli 19^3, gesetzt,
das ihm f�r sein �Tagebuch" voraussichtlich als Anhalt dienen sollte.
�Fritz. ms.
Mein erster Feldzug; im Fr�hling 58 fI.
Ober-Gr�ditz! bey Schweidnitz den 5. July
Ver Herr hatte im Vsten Gericht gehalten. Der �berm�thige Kaiser der Franzosen, mit einer halben Million
zur Zertr�mmerung der Ru�ischen Macht (als letzten Schritt zur Alleinherrschaft) eilend, war auf dem h�chsten Gipfel
irdischer Macht und Gr��e gescheitert, und als ein Feiger entflohen, nach der g�nzlichen Vernichtung seines ungeheuren
Heeres, an der Veresina (im Sp�therbst l8^2). Die V�lker und die Herrscher alle sahen mit banger Erwartung den
Ereignissen des kommenden Jahrs entgegen; es erschien und fand alle V�lker in der gr��ten Th�tigkeit; Preu�en,
um seine Freiheit und seinen alten Ruhm wieder zu erringen und Deutschland zu befreyen; Ru�land, um durch's
Schwerdt das durch Gott begonnene Werk zu verfolgen; das hochherzige Tnumphirende Vnttannien, um durch die
Freiheit der k�nder die Freiheit der R�sten zu erlangen ; das gebeugte Frankreich, und das napoleonische Deutschland,
Italien und Nicderland (durch ihren Tyrannen gegei�elt), um ihr Joch durch fremde Unterjochung zu befestigen;
Schweden, um das versprochene Norwegen zu erpressen von dem eifrig sich weigernden D�nninark, und Vestreich,
um das heraufziehende Wetter entweder zu beschw�ren oder abzuhalten.
Ober-Gr�ditz, den 6"" July
Das herzerhebendste Schauspiel dot Preu�en dar. Dies Volk stellte eines der seltendsten und erhebendsten,
ein in einem monarchischen Staate einziges Veyfpiel auf. Ich behaupte, es habe sich als das erste der V�lker gezeigt;
von einen� ungl�ckseligen Ariege verw�stet, durch dessen Folgen verarmt, durch des Franzosen-Aaisers Niedertr�chtigkeiten,
des Handels und der meisten Vohlstands-Ouellen beraubt, von Jahr zu Jahr elender gemacht, und fast aufs �u�erste
gebracht, ward es noch von einem Heer von theils tollen, theils verbrecherischen Schwindelk�pfen zum Aufruhr versucht.
Reihersdorff 2 den July.
Arieg gegen den Unterdr�cker der Menschheit und Deutschlands Vefreyung gab vorwand und Besch�nigung
der Rebellion; das Volk blieb treu dem A�nig, und wer w�nschte wohl eifriger und inniger beydes als der K�nig?
Doch der A�nig wollte nicht sich und sein ganzes Volk k�pflings in's Verderben st�rzen, und das h�tten diese ohne
'Gber-Gr�ditz, ;Meile s�d�stlich von Schweidnitz. � Rayersdorf, Kr.Habelschwerdt, Gut des Rommerzienrates Siegfried ludwig.
        
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