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Rede, gehalten zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.

Full text: Rede, gehalten zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.

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mu� erhalten bleiben; aber er ist einer weiteren Fortbildung in freiem, volkst�mlichem Geiste sehr wohl f�hig und
wird dadurch an Rraft und Ansehen nicht verlieren, sondern gewinnen. Als 4 806 das damals allzu ausschlie�lich
nach dem herrschaftlichen Vrganisationsprinziv konstruierte Preu�en auf den Grund geraten war, da ist es 56^3 wieder
flott gemacht worden durch die m�chtigen wogen patriotischer Begeisterung und Anstrengung, die es hoben und trugen.
Dem Geiste des alten friderizianischen Absolutismus, der die Grundlagen unserer Staatsmacht geschaffen hat, trat damals
ein neuer Geist des Gemeinsinns und der patriotischen Freiwilligkeit zur Seite, der den Anspruch auf das Recht und
die w�rde der freien Pers�nlichkeit verband mit der opfermutigen Hingabe von teben und Eigentum im Dienste des
Vaterlandes. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich noch heute unser �ffentliches keben. Das machtvolle Auf-
steigen unseres Staates und Volkes unter einer unvergleichlich erfolgreichen monarchischen F�hrung hat in den letzten
Menschenaltern, namentlich in der gro�en Epoche Kaiser Wilhelms und Bismarcks, wo man wieder mehr an die
allpreu�ischen, friderizianischen Traditionen ankn�pfte, unser Staatsleben mehr den, herrschaftlichen als dem genossen-
schaftlichen pol gen�hert. Aber es gibt kein besseres Mittel Zur Ueberwindung der sozialdemokratischen Gefahr, als
die St�rkung des Gemeingeistes und die Verbreitung und Befestigung der Auffassung, da� der Staat nicht blo� die
Sache der Regierung, sondern des Volkes ist. wir hoffen und glauben, da� im taufe der Zeit durch Umbildungen
h�ben und dr�ben die Kluft �berbr�ckt werden wird, die heute noch einen gro�en, durch staatsfeindliche Agitation irre-.
gef�hrten Volksteil von dem lager trennt, �ber dem die Standarte unseres kaiserlichen Herrn weht. Mit diesem Ziel
vor Augen m�ssen wir Sozialpolitik treiben! Lin gutes soziales Gewissen, ein fester Glaube an die Zukunft unseres
Volkes, ein offener Sinn s�r die Forderungen der Zeit werden uns auch �ber die Schwierigkeiten hinwegbringen, die
uns heute noch als ungel�ste Probleme gegen�berstehen. Hier liegt eine Aufgabe sozialer und politischer Ethik f�r die
Zukunft, eine Aufgabe, f�r die namentlich auch unsere Universit�t das heranwachsende Geschlecht vorbereiten soll und
mu�. Es k�nnte vieles besser sein in unserem vaterlande, wenn in den Areifen, welchen die F�hrung in unserem
Volksleben zufallt, die UcberzeuZung zum �berw�ltigenden Durchbruch k�me, da� der Hader unferer b�rgerlichen Parteien
die Fundaments unseres Staats- und Volkslebens unterw�hlt und dem Umsturz vorarbeitet. Kommilitonen IIch
erinnere Sie in dieser feierlichen Stunde an das wort, das Seme Majest�t der Kaiser in,Mai den Stra�burger
Studenten bei der Einweihung des dortigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals zurief: �Ich erwarte, da�, wenn Sie einst ins
(eben hinaustreten werden, Sie gelernt haben werden, aus dem, was in unseren, vaterlande vorgeht, da� die Partei
nicht die Hauptsache ist, sondern einzig und allein das Gedeihen unseres Vaterlandes und unseres Volkes." kassen Sie
diese kaiferliche Mahnung zum Leitstern f�r Ihre Beteiligung an, �ffentlichen leben werden! lassen Sie sich durch das
Parteigez�nk und durch die Verdrossenheit, die es erzeugt, niemals die Freude am Vaterlande und die tust und liebe zur
Wirksamkeit in seinem Dienste verk�mmern! wir leben in einer Zeit der Erf�llung und Entfaltung alles dessen, was zu
der V�ter Zeiten noch Keim und Hoffnung war. Das Reich steht stark und stolz und in schimmernder wehr da. Unsere
Flagge weht auf allen Meeren, und der Flagge folgt der Handel. Unsere Industrie regt ihre Zyklopsnglieder in r�stiger,
meisterlicher Werkt�tigkeit; der tandmann gewinnt auch dem kargen Boden mehr Frucht ab als je zuvor; ein einheitliches
b�rgerliches Recht, eine der sch�nsten Errungenschaften der Regierung unseres Kaisers, sichert den Zusammenhalt und die
einheitliche Entwicklung unseres gesamten Volkslebens. Auch die evangelische Kirche aller deutschen lande hat einen gro�en
Schritt zur Vereinheitlichung getan, unter der besonderen Anregung und Bef�rderung des Kaisers, der, wie wiralle wissen,
fest auf seinem evangelischen Glaubensbekenntnis steht, ohne Eifern und Kopfh�ngen, aber mit mutiger Vekennerfreude.
wie haben sich Kirchen und Krankenh�user, wissenschaftliche Institute und �ffentliche Geb�ude aller Art in diesen letzten
25 Jahren vervielf�ltigt und reicher ausgestaltet I welche M�glichkeiten sind heute insonderheit dem Studium, der Vor-
bereitung f�r alle Zweige �ffentlicher und privater T�tigkeit er�ffnet! Sorgen wir nur daf�r, da� jeder an seinem Platz
das Seine tue, um erfolgreich mitzuarbeiten an dem Gedeihen unseres Volks und Vaterlandes! Nicht der Genu�, sondern
angestrengte und zielbewu�te Arbeit mu� unsere losung sein. Nur so k�nnen wirunseren Platz inder Welt behaupten.
Aber neben der Anstrengung des einzelnen bedarf es f�r das Ganze einer starken monarchischen F�hrung.
Die gro�en weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Aufgaben, die vor uns liegen, die Schwierigkeiten unserer politischen
        
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