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Rede, gehalten zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.

Full text: Rede, gehalten zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.

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bell Augen gefallen. Seit dem wiener Aongre� wu�te man es in Deutschland nicht anders, als da� England die
seebehcrrschende Macht und Preu�en trotz seiner Seef?iften ein Nmncnstaat fei, W�hrend England auf den Meeren
und in den Kolonien und auf den �berseeischen M�rkten �berhaupt in einer Epoche beispielloser Gesch�ftsbl�te die
Fr�chte der fr�heren Seekriege einheimste, hatte man auf dem Kontinent und ganz besonders in Deutschland fast das
ganze \<). Jahrhundert hindurch mit inneren K�mpfen um die fragen der Verfassung und der nationalen Einigung
pollauf zu tun. Erst seitdem diese K�mpfe zu erfolgreichem Austrag gebracht waren, sind wir politisch auf eine H�he
gelangt, von der aus unser Auge wieder aufs hohe Meer gezogen wurde; aber noch h�rte man vielfach sagen, zu einer
gro�en Seemacht fehle uns die starke A�stenentwicklung � als ob bas Verh�ltnis der Fl�che des Staatsgebiets zu feiner
A�stcnlime einen Ma�stab daf�r abgeben k�nnte, welche �berseeischen Interessen ein Staat 511 sch�tzen hat und welches
Ma� von Seegeltung feiner politischen Weltstellung entspricht. Es bedurfte einer felsenfesten Neberzeugung, eines starken
Glaubens an die Zukunft, um bei diesen: gro�en Werke der Flottengr�ndung, dessen un�bersehbare Schwierigkeilen
sich erst im (aufe der Arbeit selbst Hera umstellten, nicht zu erlahmen. Da� es gelang, ist neben dem pers�nlichen Eintreten
des Kaifers vor allem der einsichtigen und gro�z�gigen, schwungvollen und beharrlichen Arbeit zu verdanken, durch die
der Staatssekret�r des Reichsmarineamts, Admirai von Tirvitz, den Erfolg gesichert und auch dazu beigetragen hat, da�
in weiten Areisen unseres Volkes Verst�ndnis und Begeisterung f�r die Wehrhaftmachung zur See erweckt worden ist.
Es ist nicht prahlerischer Ucbermut, was uns auf die See hinausgef�hrt hat, sondern eine bittere Notwendigkeit,
die aus unserer politischen Stellung und aus der ver�nderten Weltlage entspringt und die uns dazu treibt, mit Aufbietung
aller Ar�fte den gesteigerten Anforderungen der Weltpolitik zu gen�gen, was wir unter wcltpolitik verstehen, ist nichts
anderes, als die Fortsetzung der bisherigen Gro�machtpolitik in dem erweiterten Rahmen des neuen Weltstaaten systems,
wo jede Gro�macht zugleich auch Seemacht sein mu�. Weltm�chte sind Gro�m�chte von dem neuen Zuschnitt, wie
er dem Weltstaatensystem entspricht. Vie in England gepr�gte Bezeichnung Imperialismus, die an den indischen Raisertitel
ankn�pft, ist irref�hrend, insofern sie an den Imperialismus des r�mischen Reiches und des deutschen Mittelalters
erinnert, der die Weltherrschaft bedeutete. Es handelt sich aber, wenigstens bei uns, nicht uni das Streben nach einer
Weltherrschaft wie damals oder in der Zeit Napoleons I., sondern gerade im Gegenteil um die Sicherung unserer
Gleichberechtigung neben anderen M�chten in dem neuen Weltstaatensystem wie in der alten europ�ischen Staaten,
gesellschaft. Diese Gleichberechtigung w�rde ernsthaft bedroht sein, wenn England die Alleinherrschaft zur See behalten
h�tte, die es in dem Aampf gegen die kontinentale Weltherrschaft Napoleons I. errungen hatte. Vcnn Alleinherrschaft
zur See ist bei der Bedeutung, die Schiffahrt und Seehandel im modernen V�lkerleben besitzt, nichts anderes als
Weltherrschaft, oder doch der Anfang dazu; und es verschl�gt wenig, ob diese Herrschaft unter dem Zeichen dcs Mars
oder des Merkur ausge�bt wird. Der Grundsatz, f�r den wir eintreten, ist der, welcher im europ�ischen Staatensystem
nach unabl�ssigen A�mpfen und Schwankungen sich durchgesetzt hat: n�mlich der einer v�lligen Unabh�ngigkeit und
Gleichberechtigung der M�chte. Dieser Grundsatz kann in dem neuen Weltstaatensystem nur dann zur Geltung gebracht
werden, wenn es uns gelingt, uns auch zur See so stark zu machen, da� wir im Notfall in der tage sind, uns mit
Erfolg zu wehren, wir d�rfen hoffen, da� wir uns auf den� richtigen Wege dazu befinden, diese Stellung zu erringen
und zu behaupten. Unsere Kriegsflotte, die an f�nfter Stelle stand und im ganzen nur eine St�rke darstellte,
die durch das Ma� der Wasserverdr�ngung von t bezeichnet wird, w�hrend diese Zahl f�r England damals
756 000 betrug, ist heute die zweite Seemacht der Welt mit 950000 t Wasserverdr�ngung: das ist wenig mehr als
die vereinigten Staaten von Nordamerika haben: aber immer noch bedeutend weniger als England mit seinen 2029000 r.
Unser Marineetat, der im Jahre noch nicht HY Millionen Mark erreichte, n�hert sich heute dem zehnfachen
Betrage. Es ist eine schwere Belastung unserer Finanzen, aber unsere Volkswirtschaft hat sie gut zu ertragen vermocht.
Wir haben es durchgesetzt, da� wir auch bei der ver�nderten Weltlage, die uns nicht g�nstig war, in der ersten Reihe
der M�chte geblieben sind, und das ist auch f�r unsere Volkswirtschaft von unerme�licher Bedeutung.
Das ist die eigentlich beherrschende Tatsache unserer ausw�rtigen Politik unter Aaiser Wilhelm II. Alles
andere tritt dagegen an Bedeutung weit zur�ck. Die Gruppierung der Allianzen, die unabl�ssigen kleinen Schwankungen
        
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