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Rede, gehalten zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.

Full text: Rede, gehalten zur Feier der fünfundzwanzigjährigen Regierung Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm II.

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�berl��t. Das seebeherrschende Britannien selbst, bas fast bas ganze Jahrhundert hindurch keinen ernsthaften
Mitbewerber auf dein Gebiete maritimer und kolonialer Machtentfalttmg gehabt hat, ist �berall zu Hause, wo feine
Flagge weht, und hat den vierten Teil der Erdoberfl�che seiner Botm��igkeit unterworfen, Wo aber sollte Deutschland
hinaus, uni bei dein allgemeinen Wachstum feiner Nachbarn nicht an Macht und Ansehen $ur�cf$ubleibcn? Die
Kolonialgebiete, die wir noch besetzen konnten, ehe in beut gro�en Rennen um altes herrenlose kand die Welt vollends
aufgeteilt war, gaben uns noch keine �berseeische Stellung, die der der anderen gro�en M�chte gleichwertig war; und
es kam eine Zeit, wo man zweifeln konnte, ob es nicht am Ende besser sei, sich dieses Kolonialbesitzes m�glichst wieder
zu entledigen, da er die Notwendigkeit einer Secr�stung neben dein gro�en kanoheer bedingte. Ware diese kleinm�tige,
binnenl�ndische Politik durchgedrungen, h�tte Deutschland auf die Entfaltung und den Schutz seiner �berseeischen Interessen
verzichtet, so w�rde es langsam aber sicher zu einer Macht Zweiten Ranges herabgesunken sein, und mit seiner politischen
Geltung w�re auch Energie und Erfolg seiner weltwirtschaftlichen Bet�tigung in Frage gestellt worden. Die Weltgeschichte
zeigt ja Beispiele genug von solchen M�chte�, die einst eine gro�e Rolle in der Welt gespielt haben, bann aber bas-
Rennen aufgeben mu�ten, weil ihnen der Atem ausging; sie stehen heute in zweiter Reihe, wie Spanien, die Niederlande,
Danemark, Schweden. Wie diese Staaten neben den europ�ischen Gro�m�chten, so w�rde in Zukunft Deutschland
neben den gro�en Weltm�chten gestanden haben. Nicht blo� um den Kolonialbesitz handelt es sich dabei, sondern in
erster ?inie um die �berseeischen Interessen und um die Macht, ihnen Schutz zu gew�hren. Die kolonialerwcrbungen
waren ja nur eine Begleiterscheinung der weltwirtschaftlichen Expansion gewesen, die in der Hauptsache auf den
Bed�rfnissen von Handel, Schiffahrt und Exportindustrie beruhte. Von der port indu strie insonderheit hangt ja auch
die M�glichkeit ab, unsere steigende Bev�lkerung 511 ern�hren und damit das Fundament unserer milit�risch-finanziellen
Staatskraft zu erweitern. Es war nicht anders: der ?mif der Welt1 brachte es mit sich, da� Deutschland sich 511 einer
starken Seemacht entwickeln mu�te ober da� es aufh�ren mu�te, in einer Reihe mit den gro�en Weltm�chten seine
Macht- und Wohlfahrtsinteressen zu f�rdern. Das war eine Notwendigkeit, vor die uns die Ver�nderung in den gro�en
weltvcrh�ltnissen stellte. Der Ozean, den man im Zeitalter der vorherrschenden Segelschiffahrt noch mit Recht in eine
Mehrheit von eigenartig charakterisierten Teilgebieten zerlegte, war jetzt, umstrickt durch ein Netz von Dampferlinien
und Kabelleitungen, umspielt von den Wellen der Funkentelegravhie, zu dem gro�en einheitliche� Element geworden,
bas alle ?�nber und V�lker verbindet und ebenso als Hochstra�e des Handelsverkehrs wie als Operationsfeld f�r die
Macht- und Rivalit�tsk�inpfe im Weltstaatensystem eine ungeahnte Bedeutung gewonnen hat. 3� dem Stadium des
Verkehrs und bei* Staatenbildung, in bas Me Welt am Ausgang des \f), Jahrhunderts eingetreten war. konnten nur
die M�chte noch sich in der ersten Time halten, die �ber eine, starke Seemacht verf�gten, um nicht nur ihre K�sten
und ihre �berseeischen Interessen zu sch�tzen, sondern um �berhaupt dasjenige Ma� von Ansehen in der Welt zu
behaupten, das zum Mitsprechen in den gro�en Fragen, von denen das Schicksal der V�lker abh�ngt, unumg�nglich
n�tig ist. Es ist bas bleibende, historische Verdienst unseres Kaisers, da� er diese weltpolitische Aufgabe Deutschlands
zuerst, vor allen anderen, in ihrer zwingenden und unausweichlichen Notwendigkeit erkannt und die ganze Wucht seiner
Stellung und seiner Pers�nlichkeit daf�r eingesetzt hat, da� die Bundesregierungen und die Volksvertretung erfolgreich
zusammenwirkten, um eine deutsche Kriegsflotte zu begr�nden, die stark genug fein sollte, um auch der gr��ten Seemacht
einen Angriff auf uns als ein bedenkliches Wagnis erscheinen 511 lassen. 3 drei kr�ftigen Anl�ufen, \8ty8, 1900, \9O8,
jedesmal mit einem durch die allgemeine Entwicklung der Seestreitkr�fte h�her gesteckten Ziel und unter steigenden
finanziellen Gpfern, ist das gro�e Werk zu eitlem vorl�ufigen Abschlu� gebracht worden, dank dem Nachdruck und der
Konsequenz, mit der es von der Regierung gef�rdert wurde, und der opferwilligen Bereitschaft, die die Mehrheit des
Volkes dabei bewiesen hat. Das pers�nliche Verdienst des Kaisers, der von der hohen Warte seiner erhabenen Stellung
aus und beg�nstigt durch die Familienverbindung mit England, fr�h auf die See hingewiesen wurde, die ihm bin
weilen Welthorizont er�ffnen half, ist um so h�her anzuschlagen, als es nicht leicht gewesen ist, die eingewurzelten
Gewohnheiten und Vorurteile einer rein binnenl�ndischen Auffassung von Staat und Politik, mie fie bei uns herrschte,
zu �berwinden. Den meisten unter uns ist es doch \8ty?f als die gro�e Aufkl�rungsarbeit einsetzte, wie Schuppen von
        
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