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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Verbindungen Delmar's wohl bekannt waren, hielt es f�r politisch
opportun, bas Gesuch nicht glatt abzuweisen; er wandte sich an den
Minister Inneren, GrafFriedrich-Ferdinand-AlexanderDohna, um
sich �ber die Pers�nlichkeit Delmar's 311 informieren.
mit dem wenigen einkommenden Contributions* (Selbe seine eigenen
Papiere 311 einigen 60 pro Cent kaufen, als sie 42 pro Lent standen.
Hei�t bas fein Interesse verleugnen? Das alte Lucri bonus odor
ex re qualibet bew�hrt sich vollkommen. Schicklers sch�mten sich
so zu verfahren, und verlangten dies nicht.Graf Dolma aber, dieser Hobilitieruug eines geborenett Juden
von vornherein abhold, forberte unter dem 52. Aprils� von dem
residenten der Marken und von Pommern, Johann August
Soff, �im strengsten Vertrauen" Vericht �ber �die Verdienste, welche
w�hrend des Krieges bas mit unter seiner (Velmar's) Leitung stehende
HandlungS'Haus feines Vaters (Salomoit Moses ?cvy Erben) sich
sowohl um den Staat und bas allgemeine Wohl ab um die Stadt
Berlin erworben habe� soll". Darauf 309 Sack Erkundigungen
ein bei allen den Instanzen, auf die sich Delmar berufen hatte:
soin Hofmarschallamte; von den Kurm�rkischen st�nden; oom
Geheimen Gber-Medizinalrat Foriney wegen der Schlo�apotheke;
Dom Vber^Konsistorial�pr�sidenten �011 Achev� wegen der Firmen-
direklion; vom Schauspiel 'Direktor Iffland wegen des National-
Theaters; vom Gberb�rgermeister von Gerlach wegen der Stadt
Berlin; vom Geheimen Staatsrat ?'^bayc im allgemeinen �wegen
des Staates".
Wenn das Comit�' der Staude ,,nd der Stadt mit diesen
3 25ai>quier�H�uferu recht oft nicht zum Ziel kommen konnten, mu�te
ich jedesmal dazwischen treten :es gelang mir dann noch immer, sie
Zu billigeren Bedingungen zu bestimmen; aber auch hier zeichnete
sich stets der vorgesetzte des Schicklerschen Hauses, Herr Vr�stlein,'
ein rechtlicher Schweizer, durch Billigkeit aus, und nach ihm der
alte Salomott Moses ?epi, nicht aber Herr Delmar, noch Herr Veneke,
denen ich diesem oft deutlich genug habe f�gten lassen m�ssen.
Aber vielleicht absichtlich hat der p. Delmar in feiner (Eingabe
sImmediat- Gesuch oom 2. April J8(o] der St�nde, unter den 23e-
Horden denen er creditirt habe, nicht erw�hnt, sondern des Armen-
Directorii, dem er �ooo rthlr. Courant Zinsenfrey im Dezember
*8o? dargeliehen � im Jahr jsoe aber ein f�r die ?iesfe und
Leonhardtsche Armendesch�ftigungs-Anstalt gegen Zinsen und sicher-
heil nachgesuchtes Darlehn von einigen Hundert Chalern wider
Erwarten verweigert hat; der Stadt, welcher er mehrere Posten,
aber doch nicht so viel und so billig als Schickler, dargeliehen hat;
des Theaters, der Hofapotheke und des Hofmarfchallamtrs, bei denen
bas porige ebenfalls gilt. Da� sich Weimar bei den 5tciiir5*2tnleifien,
bei dem durch ihn mitgegangenen 5a?3entreprife*Contract sehr ver-
dient gemacht habe, fattn ich auch nicht sagen. � �hl
mit verl�ngnung ihres eigenen Interesses ihre Kr�fte gewidmet
h�tten, * Schon die blo�e Aeu�erung derselben erregt Vedenken
aller Art. Auf keine Weise ist zu behaupten, da� der p. Delmar
sein eigenes Interesse perl�ugnet habe, um dem Staate 311 dienen.
Er hat dies zwar wohl getl[an, er hat der Stadt und mehreren
K�niglichen Instituten Geld geliehen, aber nicht umsonst, sondern
gegen die Geb�hr, und bas Motiv dazu m�chte ich also dach nicht
darin finden, worin er es setzt. Vielmehr hat er, sowie das Haus
BenePe, nur gegen hohe Zinsen und hohe Sicherheit (Reib vor-
geschossen und dabei fehr viel profttirt. Gleich bas erste theure
3ltiler(H an die hiesigen St�nde entstand daher, da� bas Salomon
Moses levysche Hau� 3 pro Lent pro Monat haben wollte, in welcher
Hinsicht das Schicklersche solches f�r 2 procent �bernahm. Salamon
Moses ?eov ?tben, die Gebr�der Veneke und Schickler machten
ferner bas bekannte Contrib�tions�Zahlungs-Gesch�ft der b Millionen
Franken f�r die Kurm�rkischen St�nde, bei denen sie die Wechsel'
deckung �bernahmen, gegen hohe procente. Aber bas m�chte ihnen
als Kaufleuten hingehen, die ihre waare, das Geld, so port�)eilb,afi
absetzen d�rfen, als sie k�nnen, sich aber den�: auch nicht das An-
sehen geben m�ssen, als verleugneten sie, im Geiste des alten Fuggers,
ihr eigenes Interesse, um des �ffentlichen Wohls willen.
Mit den Hieselbst gewesenen franz�sischen Autorit�ten stand
er, besonders in der letzteren Zeit, in gutem vernehmen, er lebte
und webte mit ihnen, ober in Zirkeln, in denen die Frau F�rstin
von Hatzfeld die erste Rolle spielte. Dabei lebte er sehr vornehm,
mau wollte behaupten sybaritisch. feine Gastm�hler und souper fins
waren Gegenstand sehr vieler Gespr�che. Dazu tr�gt fein perf�n-
liches Wesen viel bei. (Er ist sehr eitel, stolz, ehrgeizig uni� im
Umgange mit Gro�en und vornehmen Leuten sieht er sich allein
gern, wie unter den jungen Juden, auch wenn sie getauft sind,
h�ufig hier bemerkt wird, so hat auch er einen Anstrich h�herer und
feinerer Ausbildung, wie ihn die Zirkel Berlins so oft geben, ohne
da� dahinter viel enthalten w�re. Doch ist namentlich ihm nat�r-
liche Anlage zum guten Raufmann und Vilduug durch die dazu
n�tigen Kenntnisse und Gewandheil nicht abzusprechen und wenn
dies alles erst etwas gereift ist, so l��t sich wohl ein t�chtiger Mann
in seinem Gesch�fte erwarten.
Mit Herrn p. von Klitzing hat sich �brigens der Delmar,
wegen eines von diesem an jenen verkauften, nachher schlecht befun-
denen Pferdes und daraus entstandenen Streits, auf Pistolen schie�en
wollen. Die beiderseitigen Secundanten haben es aber, wie es
hei�t, beigelegt. Das Schie�en auf Pistolen und das Duell �ber�
Haupt geh�rt mit in den Cyclus eines ganz formirten Mannes, wie
der velmar sein will.
Die Unm�glichkeit, den Bankiers immer gleich Zahlung zu
leisten, hatte das Comit� gen�tigt, manche harte Bebingung ein�
zugehen. So hatten die Banquiers fr�herhin einen Theil der Be*
Zahlung, von circa 25 000 Thaler, jeder in St�ndische� (Obligations
bezahlt genommen zu 60 pro Cent im Cours berechnet. Als sp�ter�
hin bas Comit�' einmal wieder nicht Zahlung leisten konnte, bedungen
sich Veneke und fepy aus, da�, weil die Papiere unterdessen noch
mehr gefallen w�ren, ihnen diese Vbligaticmen wieder nach demselben
Cours abgenommen werden muffen, und zwar nach andern Budj^
staben und Nummern (ein Veweis, da� sie die Papiere schon l�ngst
Zu einem be�eren Cours ausgegeben hatten), wie dies das Comit�
in Verlegenheit st�rzen tnufte, ist begreiflich, denn nun muste es
Ich wei� daher nicht, ob es einen guten Eindruck auf das
hiesige publicmn machen wird, wenn dem Delmar eine besondere
und h�here Auszeichnung, als etwa die Veilegung eines Citels
z. V. Geheimer Commercien-Rath ist, bewilligtw�rde. Ulan glaubte,
da� das alte und weit verdientere Haus Schickler � scho� um des-
halb mehr verdient, da es nicht Verdienste von sich r�hmt,
�
auf
eine pa�ende Art ausgezeichnet werden w�rde. Dies w�rde auch
lvgl. Ml.F. v. Vassewltz, �DieKurmnrf Viandenburg", Ceipjig t8^7�;860,
III.5, 23? i715/706.
1vgl. �Die Geschichte de� SanH}aaf(4 Gebr�der Schickler. Festschrift zum
        
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