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Kronprinz Friedrich Wilhelms III. Kampagne in Frankreich 1792

Full text: Kronprinz Friedrich Wilhelms III. Kampagne in Frankreich 1792

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Marktplatz herunter, um sie zu sehen. � Ver Anblick war aber nicht sch�n, aber desto buntscheckiger und seltsamer,
weil er so ganz und gar nichts �bereinstimmendes mit dem hat, woran unser Auge einmal gew�hnt ist, und was
man zu erwarten pflegt, wenn man regelm��ige, dressierte Truppen sieht. Ich sah hier verschiedene Gattungen von
Truppen auch von ihren Aarabiniers. Einige hatten A�rasse �ber, andere unter dem Aleide, mehrere trugen gar
keine; so schien alles ziemlich willk�rlich der eigenen Wahl der Menschen �berlassen zu sein.
� Der ganze Marktplatz
hatte sich allm�lig mit franz�sischem Milit�r gef�llt.
�
Um uns herum stan� ein gro�er Haufen von (Offizieren,
wovon sich die meisten mit uns sehr zutraulich, offen, jedoch �beraus artig und h�flich unterhielten, und keine Gelegenheit
verabs�umten, um ihre Achtung f�r Preu�en, aber zugleich ihren bestimmten Ha� gegen Gestreich zu �u�ern, Sie
redeten viel von Allianz zwischen Preu�en und Frankreich, gegen Gestreich, und was dergleichen mehr war. Auch
kam die Reihe an ihre ehemaligen Prinzen, sie zogen parallelen zwischen den preu�ischen und jenen, wo sie denn viel
schmeichelhaftes zu unfern, Vorteil zu sagen wu�ten. An,Ende ging es so weit, da�, h�tte es noch l�nger gedauert,
ich glaube gar, sie h�tten mich zu ihrem A�nige gew�hlt; wenigstens beehrten sie mich in der That mit diesem Antrag,
der, wie wohl zu begreifen, nur eine Redensart sein konnte, mir doch immer seltsam genug in dem Munde dieser
6eute vorkommen mu�te.
�
wie der Tag anfing sich zu neigen, nahm ich sehr h�flichen und freundlichen Abschied
und ritt weg. � General Aalkreuth gab uns indessen aus F�rsorge, da es dunkel wurde, feinen Grdonanz-Gffizier,
den F�hnrich Vorstell von Bayreuth und einen Trompeter, bis an die Grenze mit. Auf unserm weg begegneten
wir noch einem D�tachement franz�sischer Infanterie, welches von tongwy aus das an der Chauff�e liegende Dorf
besetzen mu�te, bei welchem wir indessen ohne alle Umst�nde vorbei ritten. �"
Doch inmitten der kriegerischen Erlebnisse fehlt nicht die Idylle. Zart und keusch, wie sie erlebt war, h�lt sie
der k�nigliche Schreiber fest; sie bildet den anmutigsten Teil dieser Erinnerungen.
5. November sS. �Den Abend zuvor, ehe wir unsere Position ver�nderten, kamen mehrere Einwohner
verduns unser tager zu besehen. � Ich begegnete unter anderen einige anst�ndige, wohlgekleidete Damen auf der
Chaussee, worunter zwar ein paar �ltliche, die sich aber von etlichen h�bschen, gef�lligen und interessanten Gesichtern
begleiten lie�en, die Zar nichts Abschreckendes, vielmehr sehr was Anziehendes hatten. � Ich rede sie mit vieler
H�flichkeit an,' sie antworten nur in eben der Art, ich fahre fort und begleite sie eine strecke zu Fu�, mein Pferd
f�hrend.
�
Ihre artige Unterhaltung hatte viel Einnehmendes f�r mich', insbesondere fand ich viel Vehagen an der
Einen, wo ich denn erfuhr, da� die eine von den �ltlichen Vamen ihre Mutter sei. � Ehe ich mich empfahl, bat ich
bei dieser um die Erlaubnis ihr meine Aufwartung machen zu d�rfen, welches sie sehr wohl aufnahm u. mich dazu
aufforderte. Ich habe hernach, so lange wir bei Verdun standen, �fter davon Gebrauch gemacht, und fast t�glich des
Nachmittags ein paar fehr angenehme stunden in diesem Hause zugebracht. � Madame Morlan, so hie�, wo ich
nicht irre, diese Dame, wohnte, mit ihren zwei h�bschen T�chtern, so viel ich mich noch besinnen kann, in der
rue �es belles viertes in einem kleinen unansehnlichen Hause. Die �ltere Tochter Madame la platiere war in Paris
etabliert und hielt sich jetzt nur zum Vesuch bei ihrer Mutter auf; sie hatte den Tag vor unserm Abmarsch die
Artigkeit uns die Adresse ihres Hauses in Paris zu geben. Da� wir davon keinen Gebrauch machen w�rden, ahnte
mir schon damals. Ihre j�ngere Schwester, ein blondes M�dchen von (? bis Jahren hatte, ohne gerade sch�n zu
sein, etwas sehr Angenehmes, in dem Ausdrucke ihrer Physiognomie u. schien von sanftem, gef�hlvollem, weiblichem
Charakter zu sein. Ehe wir Verdun verlie�en, erhielt ich einige kupferne M�nzen der damaligen Zeit von ihr zum
Geschenk; ich hob sie ihr zu Ehren auf, weil mir ihr Andenken fortw�hrend ein lebhaftes Interesse gew�hrte, und ich
noch jetzt mit Dankbarkeit und lebhaften, Vergn�gen an jene Zeiten zur�ck denke. � wer wei� was aus ihr und
ihrer Familie seitdem geworden! �"
Unt�r den mannigfachen autobiographischen Aufzeichnungen jener Tage werden diese �Reminiscenzen" Friedrich-
Wilhelms III. ihren besonderen wert behaupten, nicht so sehr wegen des Ranges ihres Schreibers, als wegen der
ruhigen Sachlichkeit und gewinnenden Schlichtheit.
        
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