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Kronprinz Friedrich Wilhelms III. Kampagne in Frankreich 1792

Full text: Kronprinz Friedrich Wilhelms III. Kampagne in Frankreich 1792

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Hamburg 5794) ab. Gb ihm noch andere handschriftliche Aufzeichnungen, etwa des Prinzen touis-Lerdmand, vor-
gelegen haben, wirb sich nicht mehr mit Sicherheit entscheiden lassen; ich glaube es jedoch nicht, da sonst wohl ein
Hinweis auf die milit�rischen Ehrungen des Prinzen nicht gefehlt haben w�rde. Schwerlich aber aus Zufall ist ein
Brief aus dieser Zeit des Majors von Vo� noch heute bei dem Tagebuch des K�nigs aufbewahrt geblieben. Inhaltlich
bietet er mit seinen schalen verschen gegen die Emigranten wenig.
wenn auch der K�nig (Z. schreibt: �Dies alles � die strategischen Ma�nahmen, die zur ungl�ckseligen
Kanonade von Valnry f�hrten � zu untersuchen und zu beurteilen, geh�rt nicht in meinen Plan. � Hier�ber ist genug
gestritten und geschrieben. � Dieser Aufsatz ist f�r mich ganz allein und kann sonst Niemanden interessieren, weil er
blos dazu dienen soll, mich des mir individuell Begegneten zu erinnern", so haben wir trotz dieses Vorbehalts, der
nicht �bersehen werden darf, diese �Reminiscenzen" als ein literarisches Dokument anzusprechen. Dem so verdienstlichen
Biographen des K�nigs, dem Generalleutnant v. gegen�ber m�chten wir hervorheben, da� sie nach Charakter
und Urteil nicht den: jugendlichen Kronprinzen, sondern dem gereifteren Manne angeh�ren.
H�chst unbillig aber w�rde es sein, wenn man des K�nigs schnelle Aufzeichnung als Kunstwerk Goethes
�Kampagne in Frankreich gegen�berstellen wollte. Dort die schlichte Niederschrift zu pers�nlicher Erinnerung,
hier eine Kunstleistung, f�r die literarische Welt bestimmt, mit vollendetem K�nnen geschaffen!
war es doch Goethes gottgegebene Kraft, sich durch das literarische Erlebnis von den Beschwerden des Tages
zu befreien. Als er sich wieder den Revolutionskriegen zuwandte, da wollte er sich durch literarisches Durchleben
verwandter Epochen von dein Weltunwesen seiner Tage, welche die Karlsbader Beschl�sse zeitigten, freimachen, vielleicht
mochte er auch hoffen, da� die Mitwelt eine Warnung aus seinen, Kriegsgem�lde entn�hme. Dazu kam der Wunsch,
diesen Teil seines tebens darzustellen, wie er denn urspr�nglich der �Kampagne" noch den weiteren Titel beigab:
�Aus meinem Teben. Zweiter Abteilung f�nfter Teil." Und die Schilderung dieses Krieges � und das ist vielleicht
das Wichtigste � wuchs sich ihm gem�� den Gedanken seines Alters trotz ihres autobiographischen Charakters zur
Schilderung des Krieges �berhaupt aus; auch hier erblicken wir Goethe auf den: Wege, ausgehend von dem Einzel-
erlebnis, aufzusteigen zum Symbol, zum Urph�nomen
�
zur Idee des Krieges, w�rde Schiller gesagt haben. Aus
dieser Tendenz ist mit h�chster Kunst der Komposition dem Kriege im Felde das �station�re- Uebel", die Belagerung
(von Mainz) gegen�bergestellt; den unruhvollen Rhythmen des Kriegerlebens schlie�t sich in sanftem Adagio die Idylle
des D�sseldorfer Kreises an. In dieser Gegen�berstellung ein Kunstwerk, selbst von Goethe schwerlich �dertroffen, etwa
in �Hermann und Dorothea" mit andern Mitteln erreicht.- �
Doch wohl steht es an, sachlich die beiden Aufzeichnungen zu vergleichen. Beruht die Darstellung des K�nigs
zu einem guten Teil auf Erinnerung, so ist es, namentlich nach Doves klarer Untersuchung bekannt, da� die Goethische
Darstellung nur bedingt urkundlichen wert hat: standen ihm doch bei der Ausarbeitung ein Menschenalter nach den
Ereignissen ;920/22 von eigenem nur �die kurzen Tagesbemerkungen" zur Verf�gung, die er im Feldzug sich auf den
R�cken der I�gerschen tandkarte schrieb, wenn trotzdem feine Darstellung in den Hauptz�gen richtig ist, so dankt sie
es nat�rlich nicht so sehr dem Ged�chtnis als der fiei�igen Benutzung anderer Quellen, des Tagebuchs des weimarischen
K�meriers Wagner und der einschl�gigen Werke von Massenbach, kaukhard und Dumouriez.
Bei dieser Sachlage ist es nicht uninteressant, da� Goethe, der die Darstellung des K�nigs nat�rlich nicht kannte,
mit ihm �bereinstimmend eine Reihe von kleinen Z�gen berichtet, wie in Verdun das Aussp�ren des besten kik�rs
durch den Herzog von Weimar, den traurigen Anblick der durchn��ten franz�sischen Prinzen, den unvorsichtigen, auf
eigene Faust unternommenen Rekognoszierungsritt des Prinzen kouis-Ferdinand, ja endlich das erquickende linsengericht
der weimarischen K�che.
von Belang ist aber, da� in verschiedener Hinsicht die Anschauungen � und wir haben Grund zur Annahme,
da� ihre alten Anschauungen festgehalten worden sind � auseinander gehen. Da� der K�nig den Verb�ndeten gegen-
�ber den preu�ischen Standpunkt einnimmt, ist nur nat�rlich; h�tte er nicht nur f�r sich geschrieben, so w�re das in
etwas anderer weise zum Ausdruck gekommen; so �u�ert es sich mehr gelegentlich. Unter dem 5. Vktober (S. ;6H)
        
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