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Kunst und Kunstgewerbe in den königlichen Schlössern : X Bildnisse von Mitgliedern des Theaters Friedrichs des Großen

Full text: Kunst und Kunstgewerbe in den königlichen Schlössern : X Bildnisse von Mitgliedern des Theaters Friedrichs des Großen

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Dagegen spricht nur, da� das Bild bereits in den Beschreibungen des Verliner Schlosses vom Ende des Jahr-
hunderts als das Vild einer S�ngerin bezeichnet wird (vgl. die Farbentafel).
Mit dem zunehmenden Alter Pesnes (gest. scheint bei dem A�nig auch die Neigung aufgeh�rt zu haben,
die Sterne seiner B�hne malen zu lassen, wenigstens sind mir keine weiteren Beispiele daf�r bekannt geworden. An
des Pinsels der Maler w�rdigen sch�nen Erscheinungen wird es wohl kaum gefehlt haben, aber gute Maler in der
Art Antoine pesnes waren in Berlin nicht mehr zu finden, und vor allen Dingen war der K�nig mit der Zeit
sparsam geworden. Seine Sammlerneigungen halten sich der franz�sischen Aunst des Jahrhunderts abgewandt, und sein
Interesse galt jetzt mehr der �lteren italienischen und fl�mischen Aunst, mit der er das Neue Palais und die Bilder-
galerie bei Sanssouci ausstattete. Nur ein Bild einer S�ngerin Friedrichs aus sp�teren Jahren hat sich in den k�nig-
lichen Schl�ssern erhalten, doch ist es fraglich, ob dieses Vild aus seinem Besitze stammt und nicht vielleicht sp�ter auf
anderem Wege in die Schl�ffer gelangt ist. �3s handelt sich um das vorz�gliche Brustbild der S�ngerin Elisabeth Mara,
geborene Schmeling, von Anton Graff. Die an die Berliner Gper gekommene S�ngerin war die erste, die das
Vorurteil des A�nigs gegen deutsche S�ngerinnen zu besiegen wu�te, und insofern leitet ihr Auftreten in Berlin eine
neue Aera der Gpcr ein. Sie war in Aassel geboren und bei ihrem Engagement inBerlin erst 2^ Jahre alt.
Das sch�ne Vild Graffs stammt aber augenscheinlich aus einer sp�teren Zeit und deutet auch in der Malerei auf ein
neues Zeitalter, in dem es nicht nur als Aufgabe des A�nftlers erschien, Grazie und Sch�nheit seiner Modelle mit
Geschmack in das rechte Acht zu setzen, fondern den geistigen Inhalt ihrer Personen und ihres Wesens zum Ausdruck
zu bringen. So ist auch das Vild der Mara trotz der im einzelnen ha�lichen Z�ge �u�erst anziehend durch die feine
Charakteristik ihrer anscheinend empfindsamen und nerv�sen Erscheinung. Als A�nsllerm hat die Mara hervorragendes
geleistet, als Mensch aber dem A�nig viel zu schaffen gemacht, da sie treu an ihrem liederlichen und unzuverl�ssigen
Gatten, dem Violoncellisten Ignatius Mara, hing und sich unter keinen Unist�nden von ihm trennen wollte. Auch
sonst kam es wiederholt zu Differenzen zwischen dem A�nig und seiner S�ngerin, die aber schlie�lich immer wieder
beigelegt wurden. Humoristisch wirkt die Zur�ckweisung, die Friedrich ihr zuteil werden lie�, als sie sich erlaubte, eine
ihr zugedachte Rolle mit einem von ihrem Manne geschriebenen Briefe zur�ckzusenden, da� sie solche Musik nicht singen
k�nne. Mit den Worten: �sie wird bezahlt um zu singen und nicht um zu schreiben," wurde sie auf ihre Pflicht
aufmerksam gemacht, der Mann aber wurde verhaftet und nach Spandau geschickt. Auch den Cheaterdirektor
von Arnim lie� der A�nig bei dieser Gelegenheit seine Ungnade f�hlen, als er, um die Mara nicht ganz aus Rand
und Band zu bringen, zugunsten ihres Mannes sich beim K�nig verwendete. Die vom 5. Juli ;??6 datierte Antwort
ist fo charakteristisch f�r den A�nig in feinen sp�teren Lebensjahren und f�r den ihm aus dem Theaterbetrieb erwachsenden
Aerger, da� ich sie hier im Wortlaut folgen lasset �vester, besonders lieber Getreuer! Ich werde aus Eurer Vor-
stellung vom H dieses gewahr, da� Ihr sehr sanftm�thig, und ein gro�er Freund seyd von der Mara und ihrem Mann,
weil Ihr Euch derselben so sehr annehmet und vor sie das wort f�hret. Ich mu� Euch aber nur sagen, da� Eure
Sanftmuth hier schlecht angebracht ist, und da� Ihr weit kl�ger handeln werdet, wenn Ihr dasienige thut, was Ich
Euch befehle, und Euch nicht angew�hnet zu raisonniren; denn das leide ich durchaus nicht, und m�sset Ihr Euch
dergleichen nicht in den Sinn kommen lassen. Die Mara soll die Arien singen, wie Ich es verlange, und nicht wider-
spenstig seyn, wo sie nicht will,da� es ihr ebenso, wie ihrem Mann, ergehen soll, und er soll sitzen, bis auf weitere
Vrdre: danach kann sie sich nur richten: Ihr hingegen m�sset Euch nicht einbilden, da� Ihr Mein Geheimer Rath
seyd, dazu habe Euch nicht angenommen, sondern Ihr Hab� Euch lassen zu beflei�igen. Meinen Ordres paririon zu
leisten, wenn Ihr wollet, da� Ich ferner sey Euer gn�diger A�nig."
1 vgl. schneid� a, a. CD., Beilagen, S. �3ff.
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