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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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seiner Cage schmarotzernd bei Sektgelagen in den H�usern reicher Generalp�chter 511 vergessen. Der Awnprmz hatte
ihm in der Tat den Auftrag gegeben, alle derartigen Streitschriften zu schicken, wir wissen es nicht nur aus dem
Briefe der Marquise du Chalelet an Friedrich vom 52. Januar \?5(), in bem sie Cr/teriots Zeugnis daf�r anf�hrt,
dem sie dann entgegengehalten habe, der Aronprinz w�rde gewi� nicht solch ein Ansinnen an ihn stellen, wenn er
w��te, wie sehr Thieriot Voltaire zu Dank verpflichtet fei, dem er seine ganze literarische und gesellschaftliche Stellung
verdanke und der ihn materiell so nachdr�cklich unterst�tzt habe. A)ir wissen es aber auch vom Kronprinzen selbst,
der unter dem 20, Januar 1,759 an Chieriot ausdr�cklich schreibt: ,Je n'ai point re�u le libelle diffamatoire de
Rousseau, envoyez-le toujours. Il faut avoir lu ces pi?ces pour ?tre au fait de ce qui s'ensuit," Auch der
Marquise du Thatelet schreibt er, da� er trotz allen Widerwillens, den er bei der ?eft�re derartiger Schriften empfinde,
sich doch die Pflicht auferlege, sie zu lesen, um �ber die Vorg�nge, die gew�hnlich weitere Folgen nach sich z�gen, unter-
richtet zu sein. Trotzdem hatte Thieriot, wahrscheinlich weil er in dieser Sache so stark kompromittiert war und sich vor
dem f)rinzen sch�mte, ihm die voltairomanie bi& dahin noch nicht geschickt. Friedrich mu�te von anderer Seite davon
geh�rt haben, glaubte jedoch, der Verfasser fei Rousseau. Dieser Irrtum war dadurch entstanden, da� in der Voltairo-
mante ein gegen Voltaire gerichteter Brief Rousseaus an Desfontaines abgedruckt war. Schon am (0. Januar hatte
er CI?ieric�t um die Schrift gebeten; am 20. und 26. wiederholte er seine Ritte; erst am April aber best�tigte er
den Eingang des Vuches, das also wohl nicht lange vorher ihm zugeschickt sein wird. Durch den Vrief der Marquise
du Thatelet vom 52. Januar hatte er den richtigen Verfasser erfahren. VU Marquise beklagte sich darin bitter �ber
Thieriots Undankbarkeit und bat den Prinzen, aus Cl?ieriot dahin einzuwirken, da� er eine �ffentliche Erkl�rung f�r
Voltaire abgebe. Sechs Cage sp�ter schrieb auch Voltaire in der gleichen Sache und tat ganz harmlos so, als sei er
ohne all sein Zutun und ohne irgendwelche Veranlassung gegeben zu haben, in dem �libelle affreux" von Desfon-
taines angegriffen. ,
.Tandis que je passe dans la retraite les jours et les nuits dans un travail assidu, on me
pers�cute ? Paris, on me calomnie, on m'outrage de la mani?re la plus cruelle." Nat�rlich leugnete er auch dem
Prinzen gegen�ber die Autorschaft des pre'feroatif ab, die er dem Herausgeber XTEour/y zuschob. Hur einen impr�fet
vatif von ihm abgedruckten Brief an Nlaffei erkannte er an, in dem er �TTaffei �ber die schon \725 von Vesfontaines
beabsichtigte Publikation gegen ihn berichtet. Die Vorw�rfe gegen Thieriot klingen in Voltaires Brief an Friedrich
viel milder als in dem voraufgehenden der Marquise. Friedrich stellt sich zun�chst, ehe er Kenntnis Don dem Inhalt
der voltairomanie hat, auf den Standpunkt des Niedrigerh�ngens. Voltaire solle sich seiner Epistel �ber die M��igung
erinnern und bedenken, da� schamlose Veleidigungen immer auf denen sitzen blieben, von denen sie ausgingen. ,,Ces
pi?ces ne sauraient attaquer votre r�putation, ce sont des traits impuissants."  Juni (739 die
voltairomanie desavouierte. Anders verhielt sich Friedrich in diesem Streite Ct)ieri?t gegen�ber. (Er war �ber die
Cage der Dinge [nidjt ganz unterrichtet; Voltaire verschwieg ihm, was ihn belastete, und C(?iertot tat dasselbe. So
hatte dieser zum gro�en Aerger Voltaires und gewi� ohne Berechtigung dem Kronprinzen zwar seinen an die Marquise
gerichteten Brief vom 55. Dezember (738 geschickt, ihn� aber nichts von dem Briefe gesagt, den er vor 2 Jahren
�ber Desfontaines' Absichten gegen Voltaire an diesen gerichtet hatte. Friedrich sprach tT^teriot offen seine Mi�billigung
�ber sein Verhalten aus und ermahnte ihn zum Einlenken. (Er sei erstaunt, ihn in der leidigen Streitsache Ausfl�chte
        
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