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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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dem K�nig von Thieriot am 5. Mai desselben Wahres mit dem Hinweis empfohlen: �Le plus ardents lecteurs
parlent avec estime d'une vie de Marie Stuart . ,. par M. l'abb� de Marsy, connue d�j? par un fort beau
po?me latin sur la peinture et par sa sortie des J�suites." Gemeint ist bas \?36 in paris erschienene Gedicht
Pictura. Auch bas von Chieriot am 28. Juni I?HH empfohlene N)erk eines der Reisegenossen und Mitarbeiter
Maupertm's' auf der Reise nach ?applanb, (Dutljior, betitelt: �Journal d'un voyage au Nord fait en 1736 et 1737,
das im Jahre \7$*k in paris erschien, hat der K�nig scheinbar nicht angeschafft. Diese Einzelheiten sind etwas aus-
f�hrlicher behandelt worden, weil die Auftr�ge und auch die stillschweigenden Ablehnungen Friedrichs neben seinen
Mitteilungen in feinem Briefwechsel die Hauptquelle f�r unsere Kenntnis dessen sind, womit er sich in bestimmten
Zeitl�uften besch�ftigt hat. spricht man von der tekt�re jemandes, so f�llt ebenso in die Ivagschale, was er gelesen
hat, wie bas, mas er au�er acht gelassen hat und woran er vor�bergegangen ist.
Da� sich Cl)ieriots T�tigkeit f�r den Kronprinzen und K�nig nicht nur auf die Besorgung und Empfehlung
von B�chern beschr�nkte, l��t auch der nur fragmentarisch erhaltene Vriefwechsel beider zur Gen�ge erkennen. Chteriots
Briefe enthalten eine gr��ere Reihe von Epigrammen, scherz- und Gelegenheitsgedichten, f�r die er bei feinem Auftrag-
geber Interesse voraussetzt. Und mit Recht. Denn am 30� Apnl \7^\ schreibt Jordan ihm aus Breslau: �LeRoi
m'a charg� de vous dire que vous pouviez continuer ? lui �crire et surtout lui envoyer comme vous l'avez fait
avant la guerre les vers et les bagatelles litt�raires qui amusent." Dabei wurde Chieriot von seinem ausgezeichneten
Ged�chtnis unterst�tzt, von dem Grimm in feinet Correspondance litt�raire 1 erz�hlt: �(il)avait fait de sa m�moire un
r�pertoire tr?s-instructif et tr?s-int�ressant. Ilsavait une foule innombrable d'anecdotes de tous les gens c�l?bres
de son temps. Ilsavait par cceur un grand nombre de pi?ces fugitives de nos plus grands po?tes qui n'avaient
jamais �t� imprim�es. Il les r�citait volontiers ? ceux qui le lui demandaient, mais iln'en donnait pas copie.
Ilfut m?me, je crois, trop paresseux pour les mettre par �crit et je suis persuad� que tout ce r�pertoire est
perdu avec lui... Ilposs�dait dans sa m�moire une infinit� de petites bagatelles charmantes, qui sans doute
sont aussi perdues." Ferner gab er Neuigkeiten aus der Gelehrtenwelt, in erster Cinie �ber Voltaire, �ber dessen
Gesundheitszustand, seine Ehrung durch den franz�sischen Hof im Jahre \"*k& aus Anla� des von ihm zur Feier der
Verm�hlung des Dauphins verfa�ten tustspiels La Princesse de Navarre, �ber seine Ernennung zum Historiographen
von Frankreich und die Verdoppelung seiner Dotation und anderes mehr. Er berichtete �ber den ersten literarischen
Erfolg des neunzehnj�hrigen Helvetius, der sp�ter sein G�nner wurde, wie �ber den Tod des englischen Divers pope
im Jahre \7^t oder �ber die Einziehung der Geschichte Ludwigs XI. von Duclos. Auch �ber Erstauff�hrungen
schaltet er bisweilen Mitteilungen ein, so �ber die �cole des M?res von ?a Chausfte, die tin Jahre UW gro�en
Erfolg in parts hatte. Gelegentlich erz�hlt er einige Geschichtchen aus der pariser Gesellschaft oder berichtet auch
von politischen Ereignissen. Manchmal aber scheint seine Mitteilsanikeit dem Kronprinzen zu viel geworden zu sein.
Daher schreibt Friedrich der Marquise du Cr;atelet am 23. Januar 5 759, er erhalte bisweilen Briefe von Thieriot, in
denen er �parut brouill� avec le bon sens"; �ber jeden schnupfen, an dem er leide, berichte er vier Seiten. Erhalten
haben sich Briefe mit derartigen pers�nlichen Mitteilungen nicht. Au�er den V�chcrbesorgungen hatte Friedrich noch
manches Anliegen an seinen Agenten. Dieser vermittelte den Brief- und paketverkehr nach und von (Cirey, dem
Wohnsitz Voltaires und der Marquise bu Chatelet. Beiden Korrespondenten erschien dieser Weg durchaus sicher. Und
als Friedrich im M�rz 5 738 einmal den verdacht �u�erte, Thtenot k�nnte zwei Briefe von Voltaire aus Neugierde
ge�ffnet haben, und es sei daher angebracht, einen anderen mit der Vermittlung der wichtigeren Aorrespondenz zu
betrauen, nahm er diese verdachts�u�erung sehr bald wieder zur�ck, nachdem sich die 5ache aufgekl�rt hatte. �Ich
habe zu Unrecht die Sturmglocken gel�utet," schrieb er Voltaire am 59. April \758, �Sie k�nnen ruhig weiter Ihre
Briefe durch Thieriot schicken." 511$ dieser im Herbst (738 Voltaire in Civey besuchte, wurde er gebeten, �ber seinen
Aufenthalt ausf�hrlichste Berichte zu geben. Auch andere Schriftsteller mu�te er gelegentlich aufsuchen und ihnen
1 X, 123 f.
        
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