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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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N)ir wissen bereits, da�, bald nachdem der K�nig tm 3 re l<06 (Stimm die weitere Zusendung feiner
Korrespondenz aufgesagt hatte, Chieriot von neuem dazu berufen wurde, ihn mit literarischen Neuigkeiten Zu versorgen,
und Zwar in der vom K�nig gew�nschten Art leichterer und k�rzerer Venchterstattung. Als aber Thieriot am
23. November gestorben war, dachte Voltaire an die M�glichkeit, der K�nig k�nnte sich jetzt wieder an Grimm
wenden. F�r den Fall aber, da� dies nicht geschehen w�rde, hielt er sich sofort f�r berufen, selbst einzugreifen.
Daher schrieb er am 8. Dezember \772 an d'Alembcrt, er halte Ta harpe f?t den gegebenen Mann. Dieser
war 75H in paris geboren, halte im Jahre (7�3 Voltaire seine Crag�die warwick gewidmet und war Mitarbeiter
am Mercure de France. Der K�nig kannte ihn, ohne ihn besonders hoch einzusch�tzen. Er hatte �ber ihn
schon im Jahre J an Voltaire geschrieben: �Je
ne suis pas le seul qui remarque que le g�nie et
les talents sont plus rares en France et en Europe
dans notre si?cle qu'? la fin du si?cle pr�c�dent,
IIvous reste trois po?tes, mais qui ne sont du second
ordre: La Harpe, Marmontel et Saint - Lambert."
Das war immerhin eine Anerkennung, nnd darauf
fu�end mochte Voltaire wohl meinen, mit feinen Be-
m�hungen f�r Ta f)arpe auf Erfolg rechnen zu k�nnen,
scheinbar hatte er schon vor Thieriots Code, den er
kommen sah, ?a harpe f�r dessen Stelle ins Auge ge-
fa�t. Er hatte bereits am 25. Februar an diesen
geschrieben: �Je ne vois pas pourquoi vous ne vous
chargeriez pas du roi de Prusse, en laissant aux mili-
taires le soin de parler de ses campagnes et en vous
bornant ? la partie litt�raire?" h�chstwahrscheinlich
hat Voltaire dein K�nig auch das mit dem Handschrift^
lichen vermerk �Au Roy" versehene Exemplar von
Ta harve's Drama Zltelanie, Alusterdam zu-
geschickt. ?s steht in der VMiothek des Neuen
palais. wie immer aber wollte er auch hier die direkte
Empfehlung vermeiden und bat daher d'Alembcrt,
er m�chte sich beim K�nig f�r Ta harpe verwenden;
er selbst habe seiner schon Erw�hnung getan, was er
Jean .�ftill�ois &C ta f?nrpc.
Kupferstich uon Weber in Galeries historiques de Versailles X
allerdings nicht getan hatte. D'Aleinbert aber hatte selbst einen Kandidaten, Suard, der schon literarischer Korrespondent
des ZNarkgrafen von Ansbach, eines Neffen Friedrichs des Gro�en, war. in Vesanson geboren, war auch er nach
f?aris gegangen und dort 2Nitbegr�nder des eU'an^r geworden. Durch seine I^lo^e auf 2Nontesquieu hatte
er sich einen Namen gemacht, und es gelang d'Alcmbert, ihm ein festes Gehalt von 2500 Tivres zu verschaffen. Um
ihn weiter zu f�rdern und weil er ihn als Menschen und Literaten f�r geeignet hielt, schlug er ihn dein K�nig f�r
den Fall, da� er f�r T^hieriot noch keinen Nachfolger bestimmt habe, als solchen vor. Suard sei ein 2.Nann von
Geschmack und verstand und durchaus redlich; er habe lange Zeit am )nurn^1 �tranger und an der <^?ette litt�raire
gearbeitet und die Geschichte Karls V. von Robertson aus dem Englischen ins Franz�sische �bersetzt. Da der K�nig
diese besa� - - sie war l,77( in sechs B�nden in Amsterdam erschienen �, war ihm 5uard nicht unbekannt, und er
ging zun�chst auf d'AIemberts Vorschlag mit der Vitte ein, ihm zur Probe ein Korrespoudenzblatt Suards zu schicken,
1 Dg?. Kofer-tlro^fen, �ricfBw^fel Fr. d. Gr. mit VoltaireIII, 5. (35, ben Brief Friedrichs an Voltaire com 5. November (766.
Rotffn3oliern �3t)I;rbu(ti l'JI2. 25
        
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