Path:
Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

188
Solange es eine besondere Erziehung f�r diese nicht g�be, m��ten die Beispiele hervorragender Geisleshelden, Feld-
herren und Staatsm�nner erziehlich wirken und dementsprechend auf sie hingewiesen werden. So kommt er nun auf
Friedrich den Gro�en, der soeben den siebenj�hrigen Krieg beendet habe. Vie Art und Weise, wie er nun vom
K�nig spricht, mu�te auf diesen absto�end wirken, plutard?, meint der Verfasser, w�rde vergeblich gesucht haben, eine
parallele f�r diesen Helden zu finden, der alle Arten von Calent und Ruhm in sich vereinige, der erf�lle, was sein
Jahrhundert ersehnt, und in Wien nicht weniger Freunde habe als in Berlin, Seine Taten m�sse Friedrich selbst
beschreiben, und nicht nur das, er m�sse auch sein Gedankenleben der Menschheit enth�llen. ?in solches Vuch w�rde
das Handbuch aller Helden aller Jahrhunderte werden. Wohl um der Herzogin ihre Bitte nicht abzuschlagen, �berwand
sich der K�nig und nahni die Korrespondenz an, Unter dem 26. Mai schrieb er ihr: �La feuille p�riodique que
vous daignez m'envoyer est bien �crite, j'en connais l'auteur par r�putation; il est natif de Gera 1, ila fait le
�Petit proph?te�." Gleichzeitig aber verbat er sich die faden Schmeicheleien de5 Berichterstatters, der, ohne Erfahrung,
�ber den Erfolg oder erfolg kriegerischer Unternehmungen zu urteilen nicht imstande sei. Grimm hatte sich inzwischen,
ermutigt durch die Annahme des ersten Blattes, in einem pers�nlichen Briefe an den K�nig gewandt, den er ihm mit
einem zweiten Aorrespondenzblatt am \.Juli durch Vermittlung feiner G�nnenn hatte zugehen lassen. Da der Brief
nunmehr von Paul wohlfeil ver�ffentlicht ist, 2 mag es gen�gen, seinen Inhalt kurz wiederzugeben. Auch dieses
Schreiben stwtzt van Schmeicheleien und Phrasen. So sehr sich der Schreiber gew�nscht hat, feine Arbeit dem K�nig
vorlegen zu d�rfen, so erfa�t ihn nunmehr, da er sich vorstellt, die Augen der Majest�t seien darauf gerichtet, eisiger
Schauer �ber die Vermessenhsit seines Unterfangens. Sein leidenschaftliches Verlangen, seine Berichte dem K�nig unter-
breiten zu d�rfen, habe ihn verwegen und zugleich furchtsam gemacht. Seine Verehrung und Bewunderung f�r den
K�nig gehe nicht erst auf die Zeit zur�ck, ba ganz Europa von dem Ruhme seiner Taten widerhallte, schon l�ngst
verfolge er Friedrichs Geschick, gleich als w�re bas seine in des Herrschers Hand gegeben. Der sch�nste Augenblick
seines Gebens fei gekommen, da es ihm verg�nnt sei, mit seiner literarischen Gabe dem K�nig einen bescheidenen Tribut
der Bewunderung und Dankbarkeit zu zollen, die jeder denkende Mensch ihm schulde. Die freundliche Aufnahme, die
seine Bl�tter bei der Herzogin von Sachfen-Golha und bei Friedrichs Schwester, der K�nigin von Schweden, gefunden
h�tten, lie�en ihn auf ein g�tiges Urteil Friedrichs hoffen. Mangelnde Aorrektheit m�ge der K�nig mit der Regel-
m��igkeit und Schnelligkeit des Erscheinens der Korrefponben5 entschuldigen; f�r die Freim�tigkeit feiner Antik und
die Diskretion, die sie erfordere, d�rfe er ja auf des K�nigs verst�ndnisvolle Nachsicht rechnen. Zum Schlu� bittet
Grimm, die Nummern seiner Korrespondenz vom 5. Januar des laufenden Jahres ab nachliefern und sie dann weiterhin
st�ndig einsenden zu d�rfen.
Auch der Eon dieses Briefes mochte dem K�nig nicht besagt haben. Er beantwortet ihn weder, noch geht
er in feinem Briefe an die Herzogin vom 22. Juli barauf ein, sondern sagt nur kurz, er sei dem Herrn Grimm zu
Dank verpflichtet, weil er ihm ein Zeichen des Gedenkens der Herzogin verdanke, wiederum aber zollt er in einem
zweiten Schreiben an fie vom 27. Juli, in dem er zwar nicht vom Briefe Grimms, wohl aber eingehend von feiner
eingesandten Korrespondenz spricht, den sachlichen, literarischen Berichten Grimms unverhohlene Anerkennung. Es w�re
nichts Sch�nf�rberisches darin, die Ausf�hrungen seien klar und der Ausdruck treffend. Auch die Freim�tigkeit der
Darstellung findet ihr tob. Vor einer Drucklegung seiner Antiken folie Grimm sich aber h�ten. Seine Acu�erungen
w�rden in der Sorbonne und in der Airche einen Sturm heraufbeschw�ren, der Airchenbann sei unvermeidlich und
Scheiterhaufen w�rden angez�ndet werden. �Tant la raison et la v�rit� sont redoutables ? ce corps d'hommes
m�prisables qui ne vivent que de la superstition des peuples." Bald darauf mu� Friedrich ,von der Herzogin eine
neue Rummer der Aorrespondenz erhalten haben. In seinem Dankschreiben daf�r behandelt er nicht nur den Autor,
1 (Ein Irrtum des K�nigs; Grimm war in Regensburg geboren. � 2 paul wohlfeil hat in seinem Aufsah �F�nf Vriefe
Grimms an Friedrich den Gro�en" im Archiv f. d. Studium der neueren Sprayen un�t kiteratur, LXVI.Jahrg., S. 229ff. die noch nicht
erschienenen Briefe Grimms k�rzlich ver�ffentlicht, w�hrend meine Arbeit, die auf den handschriftlichen Vriefrn fu�te, bereit, im Druck war.
Ich habe daher von einer urspr�nglich beabsichtigten vollst�ndigen Wiedergabe abgesehen. Dieser Vrief steht bel wohlfeil 5. 352,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.