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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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literarisch-kritische Zeitschriften geben. Die Beriefe unterschieden sich von den gedruckten wesentlich dadurch, da� fie
von der Zensur unabh�ngig waren und tiefgr�ndiger als viele der �correspondances fabriqu�es ? Paris pour circuler
dans les cours d'Allemagne", von denen ?a fjarpe in der Einleitung der von ihm herausgegebenen Correspondance
litt�raire 1 spricht. Diese Art, die er auf Chieriot zur�ckf�hrt, charakterisiert er a?s �des chroniques de scandales
et de mensonges, de vrais sottisiers, des nouvelles d'antichambre ou de caf�s". Auch �ber einzelne Werke
Friedrichs des Gro�en hat (Srimm in feiner Korrespondenz berichtet und sie voll gew�rdigt. Am \. April \?60
k�ndcl er das Erscheinen der neuen Ausgabe der ?uvres du Philosophe de Sanssouci an und kommt aus diesem
Anla� auf die M�moires de Brandebourg 2, �un mod?le dans leur genre". Als Historiker stellt er den K�nig
Voltaire an die Seite, und bei seinen Dichtungen m�sse man sich immer vorhalten, da� er in einem fremden 36iom
spreche. Seine Verse entbehrten der Harmonie und der Gef�lligkeit und Leichtigkeit, so da� seine Sprache die Franzosen
fremd anmute. (Ein Aufenthalt von zwei Jahren in paris h�tte diesem Fehler abgeholfen. Bewundern aber m�sse
man den Gedankeninhalt in seinen Werken, die ebenso den gro�en und vielbesch�ftigten Monarchen wie den Mann
von h�chster literarischer Bildung erkennen lie�en. Auch f�r die \767 gedruckt� Eloge auf den jungen Prinzen Heinrich,
den Vruder Fnedrich-NIHclms II., findet er freundlich anerkennende Worte. Die Berichte Grimms wurden in
Abschriften alle vierzehn Cage verschickt. Allm�hlich hatte sich der kreis feiner nur f�rstlichen teser betr�chtlich
erweitert, besonders nach einer im 3 re 1^53 nach Deutschland unternommenen Reise. Es geh�rten dazu au�er der
Herzogin von 5achsen-Gotha die ?an6graftn Karoline von Reffen, Prinz Heinrich �on Preu�en seit \75^ 3 und seine
Schwester, die K�nigin Ulrike von Schweden, seit {756, der Hof von Weimar, wo Goethe die Bl�tter mit gro�er
Aufmerksamkeit las und auszog/ seit ;?63 die Kaiserin Katharina von Ru�land, ferner der Lxk�nig von Polen.
Stantslaus keszczynski, der Gro�herzog von Coseana und verschiedene kleinere deutsche F�rsten, so da� Grimms erster
BiograpI) und fr�herer Mitarbeiter Meister mit Recht sagen konnte, sie sei in T 5 bis \6 Exemplaren vom Arno bis
zur Neva verbreitet. Und an der Spree sollte sie keinen (Eingang finden? wir d�rfen bei der Bedeutung, die Friedrichs
Pers�nlichkeit auch f�r die, literarische Welt hatte, kaum sagen, da� es Eitelkeit war, wenn Grimm sich alle M�he gab,
auch ihn unter seine Korrespondenten zu z�hlen. Er fehlte ihm in dem Areise, und so war es nicht Phrase, wenn er
sagte, er w�rde es als ein Gl�ck seines Lebens betrachten, wenn es ihm gel�nge, den K�nig durch die F�rsprache der
Herzogin von Sachsen -Gotha oder der K�nigin von Schweden zur Subskription auf seine Bertolte zu �berreden.
Allerdings ist er sich auch dessen bewu�t, in ihm einen strengen Richter zu finden, und so schreckt er bisweilen vor
feinem Unterfangen zur�ck, dem Heros des Jahrhunderts mit seinen Berichten unter die Augen treten zu wollen.
W�re der Rhein nicht zwischen dem K�nig und ihm, er w�rde es nicht wagen, schreibt er �bertrieben und schw�lstig
an die Herzogin von Gotha." Diese gibt seinen Bitten nach und �bersendet dem K�nig mit einem Briefe vom
Mai (763 ein Blatt der Korrespondenz. Sie schildert darin kurz Grimms Art und Beziehungen. Er sei ein
Mensch nicht ohne Verdienst und brenne vor Begierde, sich dem K�nig bekanntzumachen. Daher g�be sie semein
wiederholten Dr�ngen nach und empfehle ihn wie seine Bl�tter, die auch von Friedrichs Schwester, der K�mgin von
Schweden, gesch�tzt w�rden. Die Empfehlung ist im Ton eine durchaus zur�ckhaltende und klingt so, als fei die
F�rsprecherm auf eine laue Aufnahme ihrer Bitte gefa�t. Die Rummer der Korrespondenz, die sie dem K�nig
zuschickte, war ad hunc abgefa�t und so voller Schmeicheleien, da� sie Friedrich unm�glich f�r die Pers�nlichkeit des
Schreibers einnehmen konnte. Grimm kn�pft an die Besprechung eines Buches �ber die �ffentliche Erziehung an, bas
vielleicht von Cre�ter, dem Fortsetzer der r�mischen Geschichte von Rollin, herr�hrt. Der Verfasser wendet sich dann
gegen die kl�sterliche Erziehung der jungen ?eute, die f�r den �ffentlichen Dienst, nicht f�r die Kirche bestimmt feien.
1paris, an IX((Son)/ I, S. XI.
�
a Viefe waren schon imDezember ;?50 ausf�hrlich besprochen, aber diese Besprechung r�hrt
nicht von Grimm her.
�
3 Prinz Heinrich hat, wie aus einem 33tiefe Grimms an die tandgr�fin Karoline von Hessen vom !5. Zuli l?S6
hervorgeht, die Vl�tter nur anfangs gehalten. Vgl. Vriefwechsel der �Gro�en kandgr�fin" Raroline von Hessen, hrsg. von Walther.
Wien \8?? f 11,5.^28. �
*Goethe, Werke, Weimar. Ausg. I, 41. 1, 5. l45. Goethe fand, �da� in Erz�hlung, Anekdote, Charakter,
schilderuna, Darstellung, Urteil durchaus mehr Tadel als lob 311 bemerken sei, mehr scheltende als ehrende Terminologie vorzukommen
pflege".
� * Vrief Grimms an die Herzogin vom z\.ITt�ti ;?S2 im Gothaer Archiv. Abgedruckt bei S^erer, a. a. V. 5. 192.
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