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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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habe zu bewundern, wohltaten erweisen zu k�nnen. Der erhoffte Gnadenbeweis blieb aus; wir wissen nicht einmal,
ob der K�nig die Schrift zu Gesicht bekommen hat. 3" seinen Bibliotheken ist sie nicht vorhanden. Dagegen eine
andere, das gleiche Thema behandelnde, die Grimms literarische Stellung begr�ndete. Es ist seine in den Streit
zwischen den Anh�ngern der franz�sischen Musik des die �per beherrschenden Franzosen ?uliy und denen der neu ein-
dringenden italienischen 2Nusik zugunsten der letzteren eingreifende Satire �Le petit proph?te de B�hmisch -Broda
ou Proph�tie de Gabriel Joannes Nepomuk Franciscus de Paula Waldstorch, dit Waldst�rchel, natif de B�hmisch-
broda". 1 Sie erschien 1,753, und Friedrich mu� sie gleich nach ihrem Erscheinen gelesen haben. Denn er zitiert sie
in einen, Brief aus demselben an Algarotti, und aus seinem kurzen, sich mit dem Originaltext nicht deckenden
Zitat daraus: �Tu fais des notes sans faire de la musique", und den Einleitungs warten des Briefes geht hervor, da� er
sich auf die von Grimm angegriffene Seite stellte. Das Vuch steht in der Vibliothek des Stadtschlosses in Potsdam.
(Es machte solchen Eindruck in paris, da� Voltaire beim kesen ausrief: �De quoi s'avise donc ce Boh�mien d'avoir
plus d'esprit que nous." Noch im Jahre J77O nannte er Grimm in einem Briefe an Friedrich �un Boh�mien,
qui a beaucoup d'esprit et de philosophie".
(Eine eruug wie die Voltaires war eine gl�nzende Folie f�r die Begr�ndung des literarischen Rufes eines
homo novus. Noch imErscheinungsjahr des Petit proph?te wandte sich Raynal, der, wie wir schon sahen, seit
an die Herzogin von Sachsen-Gotha eine literarische Aorrespondenz schickte, an �Stimm und forderte ihn zun�chst zur
Mitarbeiterschaft auf. Eine kurze Zeitlang arbeiteten sie nebeneinander, dann aber �berlie� Raynal ihm das ganze
Arbeitsfeld. Vis zum Jahre 5790 hat Grimm die Korrespondenz fortgef�hrt und so eine wichtige Duelle f�r die
Literaturgeschichte und Beurteilung der Denkweise und des Geschmackes im \S. Jahrhundert geschaffen. 2 Es ist hier
nicht der Platz, �ber die Entstehung und Entwicklung dieser f�r das achtzehnte Jahrhundert so charakteristischen
literarischen Korrespondenzen ausf�hrlich zu sprechen, selbst die Berichte Grimms k�nnen nicht eingehend charakterisiert
werden. Von ma�gebenden Beurteilern, wie dein franz�sischen tKritifcr Sainte-Beuve 3 (^80^� \86^), von Hettner in
feiner Geschichte der franz�sischen Literatur im \8. Jahrhundert 4 und von Grimms trefflichem Biographen Edmond
Scherer wird anerkannt, da� er als Kritiker offen und ehrlich war uno nur die Sache, nicht oie Person im Auge hatte.
H�ren wir das Urteil Sainte-Veuves: ,,Au temps de Grimm c'�tait encore l'habitude d'appeler �Extraits� les
articles qu'on �crivait sur les livres, et ces �Extraits�, autoris�s et consacr�s par l'exemple du Journal des
Savants, se bornaient le plus souvent en effet ? une exacte et s?che analyse de l'ouvrage; sous pr�texte d'en
donner la substance on n'en offrait que le squelette. Grimm n'est point pour cette critique pesante, routini?re
et qui tient du proc?s-verbal. Les bons ouvrages selon lui ne doivent point ?tre connus par extraits, mais
doivent ?tre lus; les mauvais ouvrages n'ont d'autre besoin que d'?tre oublies .... Examiner et ratifier, c'est
son object dans ses feuilles." Lettner urteilt folgenderma�en �ber die Grimmschen Berichte: �Inder Beurteilung
der Dichtung ist seine Antik nicht bahnbrechend, auf den rechten Z�eg weisend, im Sinne ?efftn
    
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