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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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mit Interesse gelesen habe, worauf Raynal erwiderte, er habe seitdem Vesseres geschrieben uno habe mit seiner Geschichte
Indiens gr��eren (Erfolg gehabt. �Ich kenne dieses Werk nicht," sagte der K�nig kurz, obwohl er es kurz vorher
an seinen Vuchh�ndler pitra zur�ckgeschickt hatte, weil er sich �ber die zitierte Stelle ge�rgert hatte. Sie ist auch in
feiner seiner Bibliotheken vorhanden. An d'Alembert schrieb er am j8. Mai 5 792 �ber den Lindruck, den er von
Raynal Zehabt hatte, in recht sarkastischer weise.'
Statt Raynal w�hlte der K�nig den Dramatiker Pierre de Marand zu seinem Aorrespondenten, der ihn:
schon von d'Arnaud empfohlen und vielleicht schon w�hrend d'Arnauds Anwesenheit in Berlin f�r den K�nig t�tig
war. 2 Er war \7O\ geboren. Urspr�nglich Advokat am Gericht 511 Arles, seiner Geburtsstadt, war er infolge van
Differenzen mit seiner Schwiegermutter nach paris gezogen, wo er durch einen Proze� mit jener und durch leichtsinniges
?eben sein urspr�nglich betr�chtliches Verm�gen sehr herabminderte. Ueber seine im Jahre ;?3s zuerst aufgef�hrte
Trag�die Childerich f�llte Voltaire ein abf�lliges Urteil;3 Fre'ron lobte fie. Als sein bestes St�ck galt der aus seinen
eigenen traurigen Erfahrungen gesch�pfte Esprit de divorce, der ein Jahr sp�ter zur Auff�hrung kam. Er hatte
darin eine Schwiegermutter in so schwarzen Farben geschildert, da� das Publikum an der Geh�ssigkeit in der Dar-
stellung des Charakters Ansto� nahm und feinen Unmut stark zum Ausdruck brachte. Morand sprang auf und rief
ins parterre; ,�Messieurs, le caract?re que j'ai peint dans cette pi?ce est celui de ma belle-m?re; si vous la
connaissiez, vous verriez jusqu'? quel point mon respect pour vous m'en a fait adoucir le� traits." Daraufhin
konnte das St�ck ruhig weiter gespielt werden, und es fand eine gute Aufnahme. Als aber am Schlu� die zweite
Auff�hrung angek�ndigt wurde, kam es zu einer neuen erregten Szene. Morand warf, durch eine Bemerkung aus
dem Publikum verletzt, feinen Hut unter die Zuschauer und sagte, wer es mit dem Autor zu tun haben wolle, m�ge
ihm den Hut wiederbringen, worauf jemand ihm zurief, da er den Kopf verloren zu haben scheine, brauche er ja auch
keinen Hut mehr. Dieser scheinbar leicht erregbare, impulsive Mann wurde \750 des K�nigs literarischer Bericht-
erstatter. Ueber seine T�tigkeit in dieser Stellung wissen wir nichts. Er lie� im Jahre seine bis dahin erschienenen
St�cke in einer dreib�ndigen Ausgabe in Paris erscheinen und schenkte diese dem K�nig in ganz besonders pr�chtigem
Einband. Sie befindet sich in der Vibliothek in Sanssouci. Auch an Voltaire hatte er sie geschickt, der dar�ber an
Darget am 2. September \752 schreibt. Da an zwei Stellen Sticheleien gegen ihn vorkamen, argw�hnte er sofort,
Morand wolle fein Ansehen beim A�nig ersch�ttern. ?r war uni so mehr besorgt, als der Vesuch Morands in
Potsdam in Aussicht stand, der vielleicht auch Vorleser des K�nigs werden sollte. F�r diesen Fall will er dem K�nige
als Aorrespondenten in Paris seinen eigenen Sekret�r, den Chevalier de Mouh>', empfehlen, f�r den er schon seit dem
Veginn seines berliner Aufenthalls eine geeignete Sinekure im Dienste des K�nigs sucht. Diesen schmutzigen Viel-
schreiber sucht er also an diese ehrenvolle Stelle zu setzen, die er ver�chtlich als �la place de gazetier des chauffoirs,
des caf�s et des boutiques des libraires" bezeichnet. Da� Voltaire einen literarisch und gesellschaftlich so unter-
geordneten Menschen wie ITtouEjy beim K�nige anbringen wollte, zeigt, wie wenig er Friedrichs wahres Interesse im
Auge hatte, und wie es ihn: allein darauf ankam, einen von ihm abh�ngigen Menschen an dieser Stelle zu wissen.
Aber aus der Berufung Morands nach Berlin wurde nichts, und so kam auch Mouhy f�r den ihn: zugedachten Posten
nicht in Betrachts Durch irgendwelche R�nke mu� Morand bald darauf aus des K�nigs Diensten entlassen worden
sein. Immer vom Ungl�ck verfolgt, fiel er seinen Neidern zum (Dpfer, und es ist sehr leicht m�glich, da� Voltaire
dabei feine H�nde im Spiele hattet Morand starb im Jahre J1757.
W�hrend der letzten Jahre vor dem Siebenj�hrigen Anege und w�hrend des Aneges selbst hatte Friedrich der
Gro�e keinen literarischen Korrespondenten in Paris. Erst nach dem Hubertusburger Frieden trat ein solcher wieder in
T�tigkeit, und zwar in der Person des damals vierzigj�hrigen franz�sischen titeraten und Kritikers Melchior Grimm.
1 Vgl.CEuvres de Fr�d�ric le Grand, ed. Preuss, XXV. Va$l\ Thiebault, Souvenirs, paris 1,813, II, 5. 330, und Nouvelles lettres
in�dites de Fr�d�ric II? son libraire Pitra. Scrlin J823, S. 29ff. � * Vql. .frc'ioit, L'ann�e litt�raire. Ann�e 1757, VI, 5, 49. �
3 ?uvres de Voltaire �d. Moland 3t, 282, uni� Fr^ron, a. a. O. S. 46. � * Ogl. dazu Voltaire, ?uvres, hrsg. v. ITtolatib, 37, S. 205,
563 und H78. � B Biograpliie universelle et moderne XXX. parts (821, 3. S?, und Friroil, a. a. G. 3. 4?.
        
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