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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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Zu machen. �Les gens de lettres de ce pays-ci aiment mieux n'?tre rien que d'?tre attach�s ? quelqu'un; j'ai
suivi leur exemple et je me suis fait un petit revenu d'une occupation litt�raire," schreibt Melchior Grimm am
23. Juni {753 an Gottsched, was er hier von sich sagt, gilt ebenso f�r Thieriot. Auch zu einer Assoziation mit
feinem Vruder, der Kaufmann in parts war, rebete ihm Voltaire vergeblich zu, indem er ihn darauf hinwies, �qu'il
vaut mieux ?tre ma�tre d'une boutique que d�pendant dans une grande maison" ({728), Chieriot aber sch�tzte
letzteres mehr. Genie�en und Nichtstun war sein ?ebensprogramm. Vald war er jahrelang Gast im Hause der
?tteraten Freundin Madame de fontaine -Martel, die ihm auch ein bescheidenes Jahreseinkommen aussetzte, bald
lebte er auf dem kande bei Rouen bei Madame de Verni�res, der ?Dint>e eines Gerichtspr�sidenten. Aber trotz
dieses otiums, allerdings sine dignitate, war er nicht dazu zu bringen, irgend eine ernste Arbeit vorzunehmen.
Voltaire hatte ihm vorgeschlagen, die Achtungen ?t?aulteus herauszugeben, Thieriot aber ging trotz aller Mah-
nungen ebensowenig darauf ein wie auf den Rat, Gullivers Reisen zu �bersetzen oder ein Werk des englischen
Arztes pemberton �ber Newtons Philosophie. Auch Thieriols eigener Gedanke, eine Geschichte Mohammeds zu
schreiben, wurde nicht zur Tat. Ebensowenig wu�te er aus einem mehrj�hrigen Aufenthalt in England von
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�^735 greifbaren Nutzen zu ziehen, wenn es dann Voltaire gar zu arg wurde und !T??ieriot monatelang
sich nicht einmal zu einem Briefe entschlie�en konnte, dann las Voltaire ihm heftig die keviten. So schreibt er ihm
unter dem \2t Juni \735', �Oui, je vous injurierai jusqu'? ce que je vous aie gu�ri de votre paresse. Je ne
vous reproche point de souper tous les soirs avec M. de la Popelini?re; je vous reproche de borner l? toutes
vos pens�es et toutes vos esp�rances. Vous vivez comme si l'homme avait �t� cr�� uniquement pour souper
et vous n'avez d'existence que depuis dix heures du soir jusqu'? deux heures apr?s minuit. Iln'y a soupeur
qui se couche ni b�gueule qui se l?ve plu� tard que vous. Vous restez donc dans votre trou jusqu'? l'heure
des spectacles ? dissiper les fum�es du souper de la veille; ainsi vous n'avez pas un moment pour penser ?
vous et ? vos amis. Cela fait qu'une lettre ? �crire devient un fardeau pour vous." Solche klagen Voltaires
kehren immer wieder und h�ren nie auf. Fast 30 Jahre sp�ter, am 9. Januar 1,763, schreibt er an Damilaville:
Thieriot scheine ihm mehr am E�tisch als am Schreibtisch zu sitzen. Zun�chst aber half die Philippika, und dankend
best�tigte Voltaire im September einen zehn Seiten langen Vrief. Schon im Anfang dieses Jahres hatte er
dem noch in kondon weilenden Freunde den Vorschlag gemacht, nach seiner R�ckkehr nach Frankreich w�hrend der
IDintermonate sein literarischer Korrespondent in paris zu werden und im Sommer bei ihm zu wohnen. �Citera-
ture"
� Nach London schreibt er ihm h�ufig englisch � �is nothing without a friend and a trient illiterate is
but dry Company; but a friend like you is a treasure." wie er sich O^ieriots Aufgabe als Korrespondent dachte,
setzte er ihm in dem schon herangezogenen Briefe vom \2, Juni auseinander: �IIn'est point question d'�crire
des lettres pens�es et r�fl�chies avec soin qui peuvent un peu co?ter ? la paresse, il n'est question que les
deux ou trois mots d'amiti� et quelques nouvelles, soit de litt�rature soit des sottises humaines, le tout courant
sur Je papier . . ., vos lettres seront pour moi �historia nostri temporis�," So war eigentlich Chtsriot schon in
seinem Verh�ltnis zu Voltaire, nicht erst in dem zum Kronprinzen von Preu�en der erste literarische Korrefponbent
und damit der erste Vertreter einer neugeschaffenen Art von 3 ftattung auf geistigem Gebiet, wir wollen nun
sehen, wie er seine Aufgabe Friedrich II.gegen�ber erf�llte.
Thieriot ist am \.November in den Dienst Friedrichs getreten, wie er es ihm selbst am 4. November
schreibt. Am 27. November begr��te ihn Voltaire bereits in einem Briefe als �l'agent du prince de Prusse" und
freut sich der jetzt gemeinsamen Veziehungen zum Aronvrinzen. Am 2% Dezember begl�ckw�nschte er seinen Sch�tzling
von neuem zu der ihni gewordenen Auszeichnung: ,,Votre correspondance avec ce prince est en v�rit� ce qui
pouvait vous arriver de plus flatteur dans votre vie. J'ai pris la libert� de lui �crire qu'il ne pouvait faire un
meilleur choix ... Je suis persuad� qu'un jour votre emploi aupr?s de lui ne sera pas born� aux seules belles-
lettres," Vas sind weite Perspektiven, die Voltaire ihm er�ffnen zu k�nnen glaubt, oder vielleicht auch nicht glaubt.
wir haben hier zum ersten Male Gelegenheit, seine Unaufrichtigkeit auch Thieriot gegen�ber kennen zu lernen. Erstens
        
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