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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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Noch schreibt er an Darget (6. Mai), er sei entz�ckt �ber alles Gute, was er ihm pou seinem lieben d'Arnaud
mitteile. Bal6 darauf aber mu� Me Bombe geplatzt sein. Marmontel schildert in seinen Memoiren diese Wirkung sehr
anschaulich, ohne Angabe des Datums feines Erlebnisses. 1 Er trifft auf dem Wege 511 Voltaire Thieriot und fragt
ihn nach Neuigkeiten. Voller Freude versichert ihm dieser, er habe etwas ganz Besonderes zu vermelden ; Marmontel
solle nur zu Voltairs gehen, wo er ihn alsbald treffen werde. Dieser lag im Bett. Marmontel erz�hlt, was er von
Thieriot gehart, und als dieser nun eintritt, berichtet er in seinem n�selnden KapU5tnerton unter lautem Cadjen,
d'Arnaud sei in Potsdam angekommen; der A�nig habe ihn mit offenen Armen empfangen, uno d'Arnaud habe ihm
eine Epistel gewidmet. �Sie ist gewi� recht schw�lstig und plump/' sagte Voltaire. �Aeineswegs," erwiderte der
schadenfrohe Freund, �sie ist so sch�n, da� der K�nig ihm sofort in Versen geantwortet hat." Vas h�lt Voltaire f�r
einen scherz und ineint, Thieriot werde zum Narren gehalten. Dieser aber zieht beide Gedichte aus der wasche.
�Wie abgeschmackt, fade und untergeordnet!" ruft Voltaire beim kesen des Gedichtes von d'Arnaud aus. Als er
dann die ersten Verse des K�nigs mit den Schmeicheleien f�r feinen neuen G�nstling las, hatte er zun�chst nur ein
mitleidiges lachein. Kaum aber hatte er die Stelle �berflogen, wo von seinem eigenen verblassenden Ruhm und der
neu aufgehenden Sonne d'Arnaud die Rede ist, fuhr er auf, sprang aus den, Bett und rief in h�chster (Erregung*.
�Voltaire est ? son couchant et Baculard ? son aurore! et c'est un roi qui �crit cette sottise enorme! Ah!
qu'il se m?le de r�gner." Thieriot und Marmontel konnten sich beim Anblick des zornerf�llt umherspringenden
Voltaire kaum des Aachens enthalten. Mit fester Entschlossenheit sagte dieser: �J'irai, oui j'irai, lui apprendre ? se
conna�tre en hommes." Marmontel hatte durchaus die Empfindung, dieser Schlag sei vom K�nig beabsichtigt gewesen,
der feine Wirkung vorausgesehen habe. Da Chieriot Voltaire als Neuigkeit die Ankunft d'Arnauds in Potsdam
meldet, von der dieser schon im M�rz Kenntnis hatte, k�nnte man versucht sein anzunehmen, da� diese Szene noch in
denselben Monat f�llt. Dann w�rde Voltaire aber dem K�nig seinen bestimmten Entschlu�, zu ihm zu kommen,
schon fr�her mitgeteilt und sich �ber den Rivalen d'Arnaud an Darget im Mai nicht noch so freundlich ge�u�ert
haben. Selbst ein am 19. Mai an d'Arnaud gerichteter Brief ist noch in herzlichem Ton gehalten. Dennoch lassen
die den Brief einleitenden Verse vermuten, Voltaire habe jetzt schon irgendwelche Kenntnis von der Verherrlichung der
Muse d'Arnauds durch Friedrich. Diese Kenntnis lie� den Entschlu�, nach Berlin zu reifen, reifen, und am 8. Mai
k�ndet er den� K�nig das ersehnte Wort: �J'irai dans votre paradis/' ohne seinen Aerger durchblicken zu lassen.
Denn noch war die gesch�ftliche Seite der Angelegenheit zu erledigen. Voltaire erreichte es, da� ihm der K�nig
56 000 ?ipres f�r die Reise anweisen lie�/ nicht ohne den ironischen Hinweis, er verst�nde es recht gut, das Angenehme
mit dem N�tzlichen zu verbinden. Diesen Hieb wehrt Voltaire mit den Worten ab, er liebe seinen Jupiter mehr als
feinen (Soloregen. Die Schlu�verse seines Dankbnefes lassen vielleicht auch darauf schlie�en, da� er bereits eine allgemeine
Kenntnis von d'Arnauds Verherrlichung hat. wenn er sagt:
Que d'Arnaud vive ? vos genoux
Et que votre Voltaire v meure!
so klingt das an des A�nigs Gedanken an, den er nur umschreibt. So m�ssen wir vielleicht annehmen, da� Voltaire
schon vor der von Marmontel geschilderten Szene ger�chtweise von d'Arnauds Empfang und poetischer Begr��ung
geh�rt hatte und daraufhin im Prinzip bereits entschlossen war, nach Verlin zu gehen. Da er aber die materielle
Grundlage f�r die Ausf�hrung seines Entschlusses erst in H�nden haben wollte, schob er die endg�ltige Entscheidung,
seine Mi�stimmung unterdr�ckend, hinaus. Erst als cr den Text der Epistel des A�nigs durch Chieriot erfuhr und
das Reisegeld erhalten hatte, entschlo� er sich zur sofortigen Abreise nach Vcrlin. Am 25. Juni verlie� er Paris und
traf am 40. Juli nach einem Besuch der Schlachtfelder inFlandern und einem durch Arankheit veranla�ten Aufenthalt
1 rrtatmontel, M�mqires. Paris {eo
    
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