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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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Voltaire f�r Me herzliche Teilnahme an feinem (Ergeben und an semer Freude �ber den �petit rayon de gloire et
de fortune que le sort vient de faire luire sur ma m�diocrit�". (23rief vom \6. 3un 1766.) 3n diesem wie in
dem vorher zitierten Briefe �u�ert sich Thieriot bann ausf�hrlich �ber die Art, wie er die neue Korrespondenz ein-
zurichten gedenke. Die fr�here hatte mehr einen brieflichen und pers�nlichen Charakter, jetzt aber wolle er nach der
Art der Italiener (?) vom K�nige nur in der dritten Person sprechen. Grimm und andere hatten f�r die Art der
literarischen Verichterstattung einen neuen Typ geschaffen, den sich nun wohl auch Thieriot zum Muster nahm, Von
seinen Berichten aus dieser zweiten Periode seiner T�tigkeit ist nichts erhalten. Pa ihn Voltaire mit R�cksicht auf
seine Gesundheit gewarnt hatte, als �historiographe des caf�s", wie er ihn sp�ter einmal nennt, allzuviel umher-
zulaufen, um seine Neuigkeiten zusammenzubringen, schreibt er ihm: �Ich werde nicht die Areise ablaufen, wo man
Neuigkeiten 511 h�ren bekommt, und ich erwarte nicht, da� die Reimschmiede von Paris etwas zustande bringen, was
den K�nig bei seiner gro�en Vorliebe f�r Verse befriedigen k�nnte. Ich will so knapp und klar wie m�glich ein
halbes Dutzend Notizen aus allen geschichtlichen, philosophischen und schunwissenschaftlichen IVerken, die �ber das
gew�hnliche 7Na� hinausgehen, zusammenbringen und mit einigen auserw�hlten Versen, die meinem Geschmack nach
besonders geeignet sind, schlie�en. Diese will ich allen den franz�sischen Autoren entlehnen, von denen ich in jedem
einzelnen Fall annehmen zu k�nnen meine, da� der K�nig sie nicht kennt. Denn er hat nicht die Mu�e, sie sich selbst
herauszusuchen und fie in feinem Kopf aufzuspeichern. Diese Art der Verichterstattung hat ihn auch veranla�t zu sagen,
ich verst�nde es im Gegensatz zu allen anderen, ihm etwas Neues zu bieten. Und wenn ich keine neuen und pikanten
Verse habe, wei� ich immer solche zu finden, die ihm neu erscheinen. Au�erdem habe ich einige Freunde, Me mir
helfen und mich durch Zusendung einer kurzen Ueberficht �ber das, was sie in der U?oche gelesen und zusammen-
gerafft haben, zu Dank verpflichten." Wir bekommen durch diese Mitteilungen einen Einblick in die kleine Werkstatt
tTr)imots und seine Beurteilung des literarischen Geschmacks des K�nigs, Voltaire, den er von nun an h�ufiger um
Material f�r feine Berichte bittet, �quelques uns de vos petits morceaux qui feront beaucoup valoir mes feuilles
litt�raires,'* spricht sich �ber diesen plan durchaus anerkennend aus und meint Thieriow Idee, dem K�nige, wenn
neue Dichtungen im Geschmack seines Auftraggebers nicht aufzutreiben seien, �ltere als solche unterzuschieben, k�nne
f�r ihn keine nachteiligen Folgen haben, da in der Umgebung Friedrichs niemand literarisch gebildet genug fei, um
diese pia fraus 311 erkennen. Er kn�pft daran den Wunsch, es m�chte doch auch das gro�e Publikum, anstatt den
modernen S�funb zu lesen, wieder zu den guten Autoren der Vergangenheit greifen. Voltaire erf�llte Cr/ieriots Bitte
um Zusendung. So schreibt er ihm unter dem 26. Juli \766t �Voici de quoi animer votre correspondance avec
Fr�d�ric; il vaut mieux que cette relation lui vienne par vous que par moi." Es handelt sich um die noch m
der Bibliothek im Neuen Palais vorhandene Relation de la mort du chevalier de la Barre von Voltaire, in der
dieser die schm�hliche religi�se Unduldsamkeit gei�elte, der der junge de la Barre 1 zum Opfer fiel. Bald darauf schickte
er Diderots Grabschrift auf den bekannten franz�sischen Arch�ologen Grafen 
    
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