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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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in dem er diesen um Besorgung einiger V�cher in paris bittet, gibt dar�ber einigen Aufschlu�. Friedrich schreibt:
,,Je d�sire que cette commission soit bien soign�e. Quand je demande un livre, j'entends qu'on doit me l'en-
voyer en choisissant la plus belle, la plus correcte et la plus pr�cieuse �dition. Cela est clair; cela est simple;
il n'y a que les Thieriots qui ne le comprennent pas."
Da� Thieriots kleine Seele nach seiner Entlassung von ha� und schm�lender verklein erungssucht gegen den
K�nig erf�llt war, l��t sich denken. Den Niederschlag seiner Gesinnung und Denkweise bieten uns einige Briefe, die
er wahrend des Siebenj�hrigen Krieges an Voltaire richtete. Ivir finden sie in einer von Fernand Cauffy in den
Jahrg�ngen }5 und {6 (5906 und \<)O9) der Revue d'histoire litt�raire de France ver�ffentlichten Sammlung:
�Lettres in�dites de Thieriot ? Voltaire." Sie umfassen den Zeitraum von J757 �^?72. Das Goethesche IVort:
Und feines Bettens lauter Schall
Veweist nur, da� mir retten
kommt uns in den Sinn, wenn wir lesen, wie dieser Kl�ffer nach Friedrichs Sieg bei Zorndorf �ber die Russen am
25. August {758, den er zu einer Niederlage des K�nigs stempelt, sagt, er s�he, wie Friedrich mit weniger Seelengr��e
und Seelenst�rke als Karl XII.sein Volk ins Verderben f�hre, seine Familie zugrunde richte und feinen Staat und
feine Krone trotz feines gr��eren Geistes und Geschickes verlieren werde. �En un mot, c'est un homme plus singulier
que grand homme," Thieriot war nicht der einzige, der ohne jedes Verst�ndnis f�r das kategorische siflichtgebot,
das in allen Unternehmungen des K�nigs bestimmend f�r ihn war, ihm vorhalten zu k�nnen meinte, wie wenig seine
kriegerischen Taten seinen von Humanit�t entspr�chen. �Que votre disciple roi se serait attir� d'�loges s'il
avait mis en pratique ce qu'il a si bien dit que l'humanit� vertu si n�cessaire aux princes �tait peut-?tre leur
unique vertu." (Brief Thieriots an Voltaire vom \6. September J758.) IVie wenig Einflu� habe Voltaires kehre
und Umgang doch auf den k�niglichen Sch�ler gehabt! Es schmerzt zu sehen, mit wie vielen menschlich minderwertigen
Kreaturen Friedrich zu tun hatte, und seine 2Aenschenverachtung, seine Beschr�nkung auf den kleinsten Kreis und
schlie�lich sein Alleinfein auf einsamer H�he wird uns verst�ndlich.
Drei Jahre nach der Beendigung des Siebenj�hrigen Krieges und nach achtzehnj�hriger Unterbrechung nahm
Friedlich die Dienste Thieriots von neuem in Anspruch. Ueber die Wiederaufnahme seiner T�tigkeit sind wir durch
einen Brief Thienots an Voltaire vom 2^ VXai \766 unterrichtet, den wir in der schon genannten Vriefpublikation
von Caussy finden. Thieriot schreibt, wie ihm w�hrend der Genesung von langer und schwerer Rrankheit � er
litt an einem wasserbruch und hatte asthmatische Beschwerden � vor einigen Wochen die �berraschende, durch de Catt
vermittelte Aufforderung zugegangen sei, wieder in die Dienste des K�nigs zu treten. 1 Nach seinen Gehaltsanspr�chen
gefragt, habe er diese wieder auf livres j�hrlich festgesetzt, die der K�nig auch d'Alembert als Pension aus-
gesetzt habe.2 3n seiner bedr�ngten materiellen tage m�sse er aber auf p�nkliche Zahlung rechnen, und diese sei ihm
viertelj�hrlich zugesagt worden, vor sechs Wochen habe er fein erstes �feuille litt�raire" eingeschickt. Die Ehrung
freue ihn sowohl wegen des Eindrucks auf die Au�enwelt, dann aber auch, weil fie ihm zeige, da� er der ersten
Berufung nicht unw�rdig gewesen sei. ?r f�gt bann ein ihm von Darget mitgeteiltes ?ob des K�nigs ein, der
gesagt habe, Thieriot habe ihm immer etwas Neues mitzuteilen gehabt. Diese Anerkennung glaubt Thieriot der Mit-
teilung von guten, kleinen Gelegenheitsgedichten zu verdanken, die, satirischen und pers�nlichen Inhalts, dem K�nig
Freude gemacht h�tten, wir sahen schon, da� C^iettot ein geschickter Kolporteur derartiger literarischer Anekdoten
war. �Ilsavait par c?ur tous les bons et tous les mauvais vers qu'on faisait dans Paris," schreibt Voltaire nach
Thieriots Code an den K�nig. �Levia carmins et faciles versus" nennt er sie in feinem Gl�ckwunschschreiden an
Chieriot zu diesem �neuen Vertrag mit den M�chten des Nordens", f�r den er recht lange Dauer erhofft. Die fast
eingeschlummerte Korrefponbenj der beiden Freunde wird durch bas neue Ereignis wieder lebhafter. Chieriot dankt
1 Chieriot irrt, wenn er unter dem 6. Februar J769 an Voltaire schreibt: �IIy aura le 15 mars prochain quatre ans que le roi
de Prusse & eu la bont� de me faire reprendre l'honneur insigne de ma correspondance avec lui." (?s waren damals erst &rei Jahre.
�
8 Im Jahre 4755.
22hohen,����. Jahrbuch H9l2,
        
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