Path:
Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

164
Leidenschaftlichkeit oft zu falschen Ma�nahmen verf�hre. Der Herzog von Sully habe ihn daher schon den �bon sens* 1
seines Freundes genannt, �et feu M. le pr�sident de Maisons 1 disait que ses (Voltaires) acides avaient besoin d'?tre
emp�t�s de mes alcalis". VU Streitsache zwischen Voltaire und Desfontaines werbe in ordnungsm��iger Weise von
den beh�rdlichen Instanzen behandelt werben. Selbst d'Argental und �TCaupertuis, die in der Angelegenheit mit ihm
verhandelt h�tten, h�tten zugegeben, da� er, nachdem sein Brief an die Marquise in der (Deffentliefet! bekannt
geworden w�re, augenblicklich in der Sache weiter nichts tun k�nnte. Schlie�lich versicherte er den Aronprinzen von
neuem feiner Auss�hnung mit dem alten Freunde, den er mit seinen Fehlern ebenso liebe wie jener ihn, und er liebe
ihn noch mehr um feiner Pers�nlichkeit willen als aus Dankbarkeit. Den Verkehr mit ihm sch�tze er sogar h�her
ein als feine IVerke und sein Talent. Auch Voltaire lie� in feiner Aorrespondenz mit dem K�nig die Sache nun-
mehr auf sich beruhen. Ihm lag wirklich nichts daran, es mit Thieriot zum endg�ltigen Vruch kommen zu lassen
und ihn sich zu einem Feinde zu inachen, der dann im weiteren Verlauf des Streites feine R�cksicht auf Vergangenheit
und Diskretion nehmen w�rde. So schlie�t er seinerseits diese Akten mit einem grazi�sen Schn�rkel, indem er eine
poetische Epistel an Friedrich Dom 26. Februar mit den Versen beendet:
Un l�che me trahit, un ingrat m'abandonne; 3
IIrompt de l'amiti� le voile d�cevant.
Mis�rables humaines, ma douleur vous pardonne:
Fr�d�ric est vivant.
Sehr richtig sagt Charles Nisard in feinem Buch Les ennemis de Voltaire, paris S. \22 im Hinblick auf
Thieriot, Freunde wie er feien h�ufiger, als man denke, besonders in den: Teil der Gesellschaft, f�r den die einzige
kebenskunst sich darin ersch�pfe, in mehr oder minder getiefter JPeifc im eigenen Interesse zu handeln. Gerade in
diesen Areisen begegne man solchen beuten. Sie rennten alle Welt, seien jedermanns Freunde und suchten nur deshalb
mit allen Hilfsmitteln ihres Geistes m�glichst viel Vehagen uno Heiterkeit um sich zu verbreiten, um ihre Deputation
aufrecht zu erhalten und ihre pers�nlichen Interessen 511 befriedigen. Und dabei verst�nden fie es meisterhaft, jedem weis-
zumachen, da� fie ihn allen anderen vorz�gen. Sie setzten das gr��te vertrauen in die faszinierende Wirkung, die
ihr anziehendes 21eufere, ihr einziger Vorzug, aus�be; ihr ausschlie�licher Zweck sei zu blenden und sich nicht durch-
schauen zu lassen. Deshalb g�ben fie sich anderen niemals ganz hin, hielten sich immer etwas zur�ck, weil sie d�chten,
man werde sie dann um so mehr begehren, und der gute erste Eindruck, den mall von ihnen gewonnen habe, werde
andauern. Sollte er sich abschw�chen, so bliebe ihnen immer uoch die M�glichkeit, Eifersucht zu erregen, indem fie
pl�tzlich f�r den einen geflissentlich K�lte zur Schau tr�gen, f�r den anderen Feuer und Flamme seien.
Im Sp�therbst 5739 traf Voltaire Thieriol in paris. Dann h�rten fie ein halbes Jahr nichts voneinander.
Erst im August gab Voltaire aus Br�ssel ganz allgemeine Ratschl�ge f�r literarische Empfehlungen an den
K�nig, der jede Art von Literatur liebe und jedes Verdienst sch�tze. �Ilest comme le P?re c�leste; in domo eins
mansiones muJtae sunt." Alle Caiente ermutige er in gleicher weise und wisse, da� es auch uoch aub?re F�higkeiten
in der Welt gebe als Aurvcn zu messen, eine geh�ssige Anspielung auf NIaupertuis, dessen damals erfolgte Berufung
nach Berlin als Pr�sident der Akademie Voltaire nat�rlich mit neidischen Blicken ansah. Bald aber gab es uneber
noue Differenzen, dieses 2T?al zwischen Thicriot und Friedrich, und Voltaire wollte nun der Vermittler fein. ?s waren
Differenzen im eigentlichsten Sinne, da der K�nig sich nicht entschlie�en konnte, Chieriot die f�r feine T�tigkeit zu-
gesagten H200 Livres j�hrlich, nicht ganz |000 Mark nach unserem Geld?, p�nktlich zu zahlen. Bei der Geringf�gigkeit
bev Summ� verstehen wir nicht recht, was ihn dazu veranla�t hat, Thieriot so lange hinzuhalten. Da� es Friedrich
w�hrend seiner Kronprinzen zeit schwer wurde, feinen pekuni�ren Verpflichtungen nachzukommen, ist bekannt, und es ist
daher begreif da� auch Chieriot unter der Ebbe in der kronprinzlichen Schatulle leiben mu�te. Selbst mit der
Erstattung der Auslagen, die Thieriot f�r B�cherank�ufe gehabt halte, haperte es, wie wir aus den sich immer
1 *2�eiie de longueil, Marquis de Maisons, Neffe der l��?rft^alltii von Villars, war schon mit einigen Zwanzig fahren
Pr�sident am obersten (Serid^ts^of in paris. Er war ein Freund der K�nste und Wissenschaften, Ehrenmitglied der Akademie und mit
Voltaire befreundet. Am ;Z. September \7$\ starb er im Alter von 32 Jahren.
� * Vesfoniaines und ??ficriot.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.