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Vivatbänder oder Siegesbänder im Hohenzollern-Museum

Full text: Vivatbänder oder Siegesbänder im Hohenzollern-Museum

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m, Hohenzollern-Museum erhalten. Auch Blumenkr�nze mit auf B�ndern gedruckten Sinngedichten, oder als Scharpen
getragene breite rote V�nder, oder auf Atlasband gedruckte franz�sische Devisen, die auf einem wei�en Atlaskissen
�berreicht wurden, kamen an anderen Orten vor.
Vei dem Einzug in Verlm trugen die Aaufleute an den H�ten wei�e Vandschleifen und an den Degen wei�e
mit goldenen Fransen besetzte. InPotsdam trugen die Schl�chter rote Hutschleifen und Ordensb�nder und die Sch�tzen
dergleichen blaue. Sehr h�ufig wurden auf Atlas gedruckte Gedichte �berreicht.
Vei der Abreise von Verlm lie�en einige Schl�chter sich sehen mit einem besonders angefertigten �auf blau-
seidenem Vande mit goldener Schrift gedruckten Ordensbands" mit der Inschrift:
�Heut reist der Gro�f�rst aus Serltn,
Util) bald aus Friederichs Provinzen.
Vie Allmacht selbst begleitet Ihn �
Den gro�en liebenZw�ro'gen Prinzen!
Sie wollen ihrer w�nsche Zoll
Aus frohen Herzen ihm bereiten,
Und, ganz von kiel� und Treue voll,
Aus unfern Choren Ihn begleiten.
Die Schl�chter Meister wollen heut
Ihm abermals ein Merkmal geben,
Da� Eifer, Untert�nigkeit,
Und Ehrfurcht ihre Brust beleben.
So reife gl�cklich! � Uns soll hier
Dein Vildni� stets cor Augen schweben,
Uno unsre Herzen w�nschen Dir,
Du gro�er F�rst, ein langes teben."
Jedenfalls ist diese Poesie der Berliner Schl�chter erfreulicher als ein bei derselben Gelegenheit entstandenes
Gedicht, das ein sich dabei entladendes Donnerwetter folgenderma�en verewigt:
�Er eilt den schmachtenden (Erwartungen entgegen:
p?nl Petrowitz verl��t Berlin;
Un& Vrennenseelen, Seine Siegesbogcn
begleiten treu, und z�rtlich )hn!
Dem G�tterkvsse der gesalbten Latharine
Dem Mutterkusse fleugt er zu:
Salb strahlet wie der Himmel Ihre Mine
Umarmt Ihn, und zerstie�t in Ruh!
Seh ich den tzimmel mit den tr�nen sich vermischen!
Ja es sind Hoho Cherubim:
Die regnend petrotei^ens Pfad erfrischen;
Und Gott und Friedrich bonnern Ihm!"
Man sieht, die nach den langen Ariegsjahren eintretende Verfeinerung der bitten hat zur Verfeinerung des
Geschmackes oft nicht beigetragen, sondern Ausbr�che geschmackloser Sentimentalit�t gezeitigt, die nur durch ihre �beraus
gro�e unfreiwillige Aomik ertr�glich sind.
Mit den: Ende des Jahrhunderts scheint die Mode des Tragens von vivatbandern bei �ffentlichen Gelegen-
heiten immer mehr zu verschwinden und sich auf das Ueberreichen von auf Seide oder Papier gedruckten Gedichten
bei Einz�gen und �hnlichen Gelegenheiten zu beschr�nken, die mehr unseren heutigen Adressen entsprechen. Vei privaten
Familienfestlichkeiten, Hochzeiten, Taufen usw. scheint sich die Sitte der Vivatb�nder noch l�nger erhalten zu haben.
Aus der Zeit der A�mgin kuise sind im Hohenzollern- Museum zwei V�nder erhalten, von denen das eine
ein l�ngeres, vom 6. Juli ?H3 datiertes, anscheinend zum 5ingen bestimmtes, auf Papier gedrucktes Gedicht, das mit
dem Schattenri�bildnis der A�nigin luise geschm�ckt ist. (Abbildung 3. Das andere, nach der Melodie der
Nationalhymne zu singende Gedicht bezieht sich auf die R�ckkehr des A�nigspaares nach Verlm am 23. Dezember
Die Zeit von bis in der die fest datierten Vivatb�nder des Hohenzollern-Museunis entstanden sind,
spiegelt sich mit dem ganzen F�hlen und Sehnen des preu�ischen Volkes auch in diesen z.T. vergilbten V�ndern wider,
und die Wiedergabe eines Teiles dieser Poesien ist auch ein Veitrag zur politischen Geschichte Preu�ens, indem aus
ihnen die Hingabe des Volkes f�r seinen A�nig und dessen Haus klar hervorgeht, die dem Gro�en A�nig und sp�ter
R�ntg Friedrich-Wilhelm III.in den Vefreiungsknegen ihre Ziege m�glich machten.
        
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