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Das Kurfürstliche Lusthaus Bornim

Full text: Das Kurfürstliche Lusthaus Bornim

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So war der Gro�e Kurf�rst ums Jahr {66^ (Eigent�mer des ganzen Gutes Bornim und auch der �brigen
adeligen G�ter der Insel Potsdam, so da� er daran denken konnte, daraus ein organisches Ganzes zu bilden. Fast
wie ein Gl�ckwunsch Hingen die Worte, die Moritz von Nassau aus diesem Anla� am 20. August J<56^ an den
Aurf�rsten richtete: �Das ganze Eyland mu� ein Paradies werden, weil die Edelleut, wie vernehme daraus feinb." 1
In bas Jahr I.66H ist der Beginn der �artenanlagen zu setzen, auch sprang in diesem Jahre bereits die
erste Font�ne. Mit der Anlage des Gartens ist der Name des planteurs Dietrich de 5angelaer aufs engste ver-
kn�pft. U?ann der Aurf�rst ihn nach Brandenburg berief, ist nicht bekannt. Der sp�teste Zeitpunkt ist jedoch das
schon mehrfach erw�hnte Jahr 566h, denn in, folgenden Jahre erscheint er im Bornimer Airchenbuche als pate
bei dem Ainde des M�llers Vischoff. Der Pastor nennt ihn hierbei �Dtrtf de Tangelahn, Churfstl. Gertner".
(679 schreibt er ihn Dieterich de kanglar. Er selbst schrieb sich kangelaer. Auch �ber feine Rinder gibt das Airchen-
buch Auskunft. ?s werden erw�hnt: Igf. Aath.-Dorothee Langelarm, 56Y6: Ms. Vfrtebr.-Stea.m. kanglaer,
1697; kmse-Charl. d'tanglaer, \7\\\ Diebrief} ?angeler, Sohn, und J703; Philipp-Ivilh. kangelaer, welcher am
\5. Dezember in der Bornimer Airche auf k�niglichen Vefehl an der Mauer unter der Veiber St�hle beigesetzt und
zu dessen Ged�chtnis \0 Tage lang die Glocke gel�utet wurde. Vbwohl der Gro�e Aurf�rst diesem seinem planteur
kangelaer in Anerkennung seiner Verdienste am 2. April (68 \ in Potsdam auf der �Freiheit" bei des verstorbenen
Aastellans George Nuglisch Garten einen Platz von 60 Fu� Breite und 237 Fu� C�nge zum Hausbau schenkte und
ihm zusicherte, da� bas darauf erbaute Haus ein Freihaus fein sollte,? ist Tangelaer doch in Bornim, dem Mittel-
punkte seiner Wirksamkeit, wohnen geblieben. Ja, er ist auch daselbst am 29. M�rz verstorben und wurde
hinter der Ranze! auf dem Airchhofe begraben. Drei Cage vor seinem Tode begehrte er mit dem Pfarrer zu beten,
und kurz bevor ihn der Tod von den Qualen der Wassersucht erl�ste, bat er ihn noch, ihm ein gutes Andenken zu
bewahren, w�hrend Scllo 3 kangelaers holl�ndische Abstammung nur vermutet, spricht Pastor Johann-Georg Schl�ter 4
sich bestimmt dahin aus: �?r war ein Holl�nder und reformiert." kangelaer war auch sonst auf der Insel Potsdam
t�tig, indem er \668 mehrere Alleen anlegte. 5
Aus der ersten Zeit des Gartens wissen wir recht wenig. Erst in den siebziger Jahren setzen die Nachrichten
reichlicher ein. Aus den kurf�rstlichen Aemtern werden junge wilde Obstb�ume und St�mme, auch junge kinden und
Hagebuchen unter Aufsicht des kakai Augustin Sehrandt, sp�ter des Christian Herran�t von Soldaten ausgegraben
und nach Potsdam und Bornim gebracht. Hierf�r erhielt 3ehrandt vom Vber-tizenteinnehmer Wilh.-Heinr. Happe
zu A�lln an der Spree w�chentlich 2 Taler, jeder Soldat Caler Aostgeld.^
Der Garten, welcher anfangs wohl aus den zusammengelegten Garten der drei Rittersttze bestand, wurde
mehrfach vergr��ert. wurde ein �neues Gartenst�ck angeh�ngt", und noch wird der Garten des Acker-
manns Andreas Holtzendorff eingezogen und zum Lustgarten geschlagen, wof�r der Eigent�mer aus dem Amte
Potsdam Taler als Entsch�digung erhielt. Der Garten war kust- und Vaumgarten zugleich. Von Vbstsorten
gediehen fast nur Aprikosen und Pfirsiche. Am Juli �bersendet der Hofj�germeister von k�deritz dem
Gro�en Aurf�rsten Aprikosen aus dem Vormmschen Garten, wobei er bemerkt: �Vbst wird nichtes, sonderlich �vfel,
welche alle madig und abfallen." Unter A�nig Friedrich I.erzielte man bessere Erfolge. Als der Engl�nder Toland ?
Potsdam besuchte, erz�hlte ihm der A�nig Allerh�chstselbst, da� er aus keinem seiner G�rten so gute Fr�chte
gew�nne, wie aus dem Garten zu Vornim. Gern h�tte freilich Toland sich selbst davon �berzeugt, aber der Vornimer
G�rtner hielt, als er ihm den Garten zeigte, es nicht f�r n�tig, ihm auch nur einen Pfirsich anzubieten. Toland f�hlte
sich zwar durch dieses Verhalten des G�rtners sehr verletzt, beruhigte sich aber, als er erfuhr, da� alle Welt sich �ber
das Benehmen des G�rtners beklage.
1 Zitiert bei Aopisch ohne n�here Angabe, vgl. 2lrtm. 8 auf S. � 2 Geh. Staatsar et; R. 2;, no. (23.
�
3 Sello, pots-
dam und Sanssouci, Breslau (888, S. � * Kirchenbuch, umfassend die Zahre i?02� I72;<
� � (RSnig) versuch einer historischen
Schilderung der Residenzstadt Berlin, Verlin (793/ II.Teil, S. ;2Y. � 8 Vgl. oben 3Inm. 2. � 7 Relation des Cours de Prusse et de
Hanovre. Traduite de l'Anglois de J, T(oland), A la Haye 1706, pa�. So/51.
        
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