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Aus den Erinnerungen eines Leibpagen des Großen Königs

Full text: Aus den Erinnerungen eines Leibpagen des Großen Königs

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des linfen Fl�gels war nun aufmarschirt. Hun trat ein Umstand ein, der ein gro�es Ungl�ck uns bereitete. Ver
K�nig n�mlich hatte die Officier auf Ehre und Reputation aufgegeben, feinen Schu� thun zu lassen, und von Cassation
gesprochen, wenn einer sich dieses sollte zu schulden kommen lassen; sondern alles sollte mit geschultertem Gewehr bis
auf J5O Ichritte heranr�cken, alsdenn 's Gewehr gef�llt, um so mit dem Bajonette in den Feind einzudringen und
zu werfen, wenn dieses geschehen, denn hinterher gefeuert, alsdenn die a\Ux\e nachgehauen; nun chatte) F�rst Moritz
sie in R�cken Zu kommen,^ der General Seydlitz sollte alles, was nach pr�g wollte, niederhauen oder zu gefangen
machen. Hatte dieses alles k�nnen so erf�llt werden, die Sache w�re vor die Vestreicher schrecklich geworden und
wenig �brig geblieben sein. ?s ging aber nicht nach des K�nigs Wunsch und Willen, die Zache nahm eine andere
Wendung. Unsere Infanterie marschirte wie auf dem Gxercirvlatz mit geschultertem Gewehr. Vie Feinde hatten
eine sch�ne Stellung f�r sich und aber wir nicht, wir in der plaine, sie auf Berge. Sie sch�ssen mit grobem Gesch�tze
und Aart�tschen halbe pelotons to�t und blessirt von uns, und sie keinen Verlust. Ihre Kavallerie konnte nun ein-
Hauen wann sie wollte; was konnte die Folge anders sein, unsere 3nfanterte mu�te weichen, und zwar bestand diese
aus den schleichen Regimentern, woran des Feldmarschalls Regiment anstie� und mitgerissen wurde. Von dem
Fouquetfchen Regiment ging ein gro�er Theil zum Feinde �ber. 2 Nun ergriff der Feld Marschall eine Fahne und
brachte sein Regiment wieder zum Vorr�cken zusammen, und er fiel todt dahin.
Vie 2Nitte unsres Treffens konnte nicht �ber den Morast kommen, sie h�tte denn einzeln �ber ein klein
Vohlen-Steg gehen m�ssen, worzu mehr denn ein Tag erforderlich gewesen. Dieses durfte nicht geschehn, der Gbriste
v. V�low von, Regiment Markgraf Carl stellte sich mit dem Vegen in der Hand auf diesen Steg und lie� keinen
her�ber; die Unteroffiziere mu�ten ihre Kurzgewehre �ber Areuz auf den Morast schmei�en, damit die teute doch
zuweilen einen festen Vrt tr�fen, einen Fu� nach dem andern aus dein Morast zu ziehen, welches auch nach vieler
Veschwerni� fortgesetzt ward, bis alles hindurch; aber keine Canone war im Stande �berzukommen. Nun hoffte der
A�nig alle Augenblicke, die Ankunft des F�rst Moritz sollte eine gro�e Wirkung auf den Feind machen, allein nichts
zu h�ren oder zu sehn. Nun trat der schrecklichste Zeitpunkt ein. Ehe unsere Infanterie der Mitte �ber gedachten
Morast konnte, r�ckte die feindliche Infanterie vorw�rts und ihre Cavallcrie sing an einzuhauen in unfern geworfenen
linken Fl�gel, welches nun ein gl�cklicher Umstand mit einem Mal wieder gut inachte. Es war dieser. Ver U�nig
hatte dem General v. Zielen aufgetragen, mit den Husaren und etliche Regimenter Dragoner unfern R�cken gegen den
Feldmarschall Daun zu decken, denn dieser sollte doch, wie bekannt, uns in R�cken fallend . . . Sowie unsere Cavallerie
wieder geworfen und die Infanterie weichen mu�te, so sandte der K�nig verschiedene ab, den General v. Zielen zu
rufen. Sie kamen zur�ckc, keiner hatte ihn finden k�nnen, und G! was that dieser so w�rdige brave Feldherr und
Ariegerl Er hatte sich fiei�ig nach dem Feldmarschall Vauu umgefehn, da aber von diesem nichts zu sehn oder zu
h�ren war, so hatte er auch die Gefahr des A�nigs wahrgenommen. Er setzte sich mit seinem Eorps in Trab und
wie die Feinde im vollen Siegen waren, so sa� er auch schon in sie und haute alles nieder was ihm vorkam,
Infanterie und Kavallerie. Ver A�nig wu�te nicht, wie ihm geschehn, und siehe da, es war sein braver Zielen, den
keiner finden konnte. . .. Mittlerweile hatte nun der A�nig seine Infanterie �bern Morast gebracht, der Prinz Heinrich
den rechten Fl�gel auch herangebracht, und die Vataille nahm nun ihren rechten Anfang, und der Feind ward v�llig
1 �F�rst Moritz hatte Dom K�nige Vefehl erhalten, sobald die Bataille angegangen sei, eine Vrncke rechts Frag �ber die Moldau
311 schlagen, mit fei�em Corps, wobei der damalige Vbrist seydlitz stand, hin�berzugehen, um dem Feind in den R�cken zu fallen und von
pr�g abzuschneiden. Dieses kannte aber leider nicht bewerkstelligt werden, denn die pontons waren in einen engen hohlen N?eg gefahren
1111& tonnten weder vor noch zur�ck. Oberst 5eydlitz marschierte aber dennoch m�t dem Rochomschen Regiment, welches er commandirte,
nach der Moldau, versuchte alles m�gliche, feinen Endzweck 3� erreichen, aber vergebens. Er wollte mit seinem Regimente durch den Flu�
fetzen und bot dieserhalb jedem Mann einen kouisd'or; allein er fand bald die Unm�glichkeit dieses Unternehmens, da er selbst und mehrere
mit ihm den versuch wachte�. Das Waffer war zu rei�end, alles w�re darin umgekommen. Zu feiner gr��ten Vetr�bm� konnte er nur
den Feind nach Pru� fliegen sehen. ... H�tte F�rst Moritz l
    
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