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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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jugenbfrisches Gesicht ordentlich hervorleuchtet, im hellblauen Attila seines Th�ringischen Husaren-Regiments Nr. �
doch wir d�rfen uns auf den schwankenden Voden dieser portr�tvermutungsn nicht weiter wagen.
Die Parade fiel, trotz au�ergew�hnlicher Hitze, vortrefflich aus, als gl�nzendes Vorspiel dieser nach jeder
Richtung hin harmonisch und zu allseitiger Vefriedigung verlaufenden Drei- Kaiser -T^age. Am folgenden Sonntage,
den 3. September
�
an welchem, wie der Verliner Witz es sich nicht nehmen lie� zu bemerken, jeder Kaiser �Keinen"
Gott besuchte � wurde eine Fahrt nach dem Zoologischen Garten und nach Potsdam unternommen, wo abends im
Neuen Palais beim Kronprinzen eine �Italienische Nacht" bei feenhafter Veleuchtung stattfand. Dann folgten zwei
Feldman�vertage, westlich von Spandau bei wustermark, wobei die drei Kaiser wiederholt zusammen in demselben
Wagen fuhren. Am September, nach der Feier des Namenstages des Zaren, erfolgte die Abreift des Kaisers
von Vesterreich, und ani September morgens geleitete Kaiser Wilhelm den Zaren bis Virschau, sich hier in
gewohnter Herzlichkeit von seinen russischen G�sten verabschiedend, um selbst noch in Marienburg und in Vromberg
Grundsteinlegungen feierlich zu begehen: f�r das Denkmal Friedrichs des Gro�en und f�r die hundertj�hrige
Zugeh�rigkeit IVestprcu�ens zum preu�ischen Staate. Am September abends kehrte der Kaiser nach Verlin
zur�ck; nur einen Ruhetag g�nnte er sich, dann ging es wieder hinaus zu den Vivisionsman�vern der Garde bei
IVustermark. And dabei hatte der 75 j�hrige Herrscher die Drei-Kaiser-Tage �ber an Veinbeschwerden zu leiden gehabt,
die ihm das Zu-Pferde-Steigen sauer machten! Es waren denkw�rdige Tage gewesen, die volles Gelingen des �Friedens-
werkes" verhie�en durch die pers�nliche Ann�herung der drei Kaiser und durch das Verst�ndnis ihrer drei Kanzler,
Gortschakoff, Andrassy und Vismarck.
Im Zusammenhange hiermit brachte das Jahr die Erwiderung der Kaiserbesuche; unsere beiden n�chsten
Vilder zeigen Kaiser Wilhelm in St. Petersburg bei seinem Kaiserlichen Neffen. Dieser Vesuch war schon vor dem
Ariege geplant gewesen, zun�chst aus dem f�r unseren Kaiser so bezeichnenden Herzenswunsche, nach dem bereits am
November erfolgten Tode seiner geliebten Schwester Charlotte, der Kaiserin Alexandra-Feodorowna, die St�tten
dort wiederzusehen, die f�r ihn mit so vielen teuren Erinnerungen verkn�pft waren, und an ihrem Grabe zu beten.
Nun durfte er als Kaiser sich g�nnen, was ihm als K�nig versagt geblieben, und eine wahrhaft gl�ckliche Zeit geno�
er auf dieser russischen Reise, die am 2H. April von Verlin aus angetreten wurde. Der kaiserliche Zug des
Zaren, das �Ideal eines Reisehauses", f�hrte ihn am 2?. April nach St. Petersburg, schon unterwegs mit allen Auf-
merksamkeiten empfangen und umgeben, wie sie nur die zartf�hlende verwandtschaftliche Zuneigung seines Kaiserlichen
Neffen f�r ihn sich hatte ausdenken und Vorsorgen k�nnen: in wirballen der aus ihm besonders sympathischen Pers�n-
lichkeiten zusammengesetzte Ehrendienst und die Ehrenwache seines eigenen Petersburger Garde-Grenadier-Regiments
K�nig Friedrich-Wilhelm III., in Galschina die seines Ordens -Dragoner -Regiments, in St. Petersburg die feines
Infanterie^ Regiments Kaluga (vgl. Hohenzollern-Iahrbuch 5909, S. 88f.), �berreichung eines Ehrens�bels mit den
drei Kriegsorden St. Georg, ?aur le m�rite und Eisernes Kreuz, Festlichkeiten jeder Art im kleinsten und gr��ten
Kreise. Aber die Hauptsache f�r den Kaiser, so gern und unerm�dlich er auch den festlichen Veranstaltungen folgte
und so sehr er sich an der ganz auffallend hervortretenden sympathischen Teilnahme des Petersburger Publikums f�r
seine Person erfreute, war und blieb doch das enge, v�llig unzeremonielle Zusammenleben mit dem Zaren und die
Pflege der schmerzlich-teuren Erinnerungen, die ihn hierher gef�hrt. Veides sehen wir auf unseren Aquarellen zur
Darstellung gebracht, die beide von Hermann t�ders gemalt sind: das 85. Vild zeigt uns einen Morgenbesuch des
Zaren bei dem Kaiser, wie er in diesen Tagen wiederholt ganz ungemeldet stattgefunden hat; das 3H. Vild den Gang
des Kaisers zum Grabe seiner Schwester, der er einen Kranz wei�er Rosen weiht � der Ritter der Aurmark semer
Vlancheflour svgl. Hohenzollern-Iahrbuch l9�8, S.
wie in strahlendes lenzlicht getaucht ist die Fr�hst�cksszene, so leuchtend, wie vielleicht nur der intensive Peters-
burger Fr�hling es zul��t; und so sonnig und frohgemut ist auch die Stimmung der beiden Herrscher, wie sie der
Maler vortrefflich zum Ausdruck gebracht hat. Kaiser Wilhelm tr�gt den gr�nen russischen Ueberrock, das St. Georgs-
band im Knopfloch, der Zar blaugr�ne Uniform, den kaur le mente um den Hals. Goldenes Kaffeegeschirr, gr�ne
        
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