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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Vilt�, von Hermann k�ders, darstellt. wie eigentlich alles mi Leben Aaiser Wilhelms das menschliche Ma�
zu �berragen scheint, in Leid und Gl�ck, und doch so rein menschlich bleibt und darum sa anziehend und wohltuend wirkt,
so hat er auch in seiner Ehe dies nur einer Auswahl von Ehepaaren beschiedene 50ja'hrige Jubil�um begehen d�rfen.
welche Erinnerungen erweckte doch der R�ckblick auf dies halbe Jahrhundert, auf die �u�eren Schicksale
mit ihren mannigfachen Wechself�llen, aber auch auf die inneren Erlebnisse. Sehr fr�he schon hatte die Politik im
h�heren Sinne, das Wohl und wehe des Vaterlandes, des Staates, im Vordergrunde des Gedankenaustausches dieses
Ehepaares gestanden, das um so fruchtbringender war, je �fter ihre Anschauungen voneinander abwichen; dieser Ge-
dankenaustausch darf zu den Lebensbed�rfnissen Aaiser Wilhelms gerechnet werden, in ihm spiegelt sich die innere und
�u�ere Geschichte unseres Vaterlandes wider, und gerade weil die Beiden die Dinge so oft von verschiedenein Standpunkte
aus ansahen, um so mehr ist er auch von historischem werte.
Heute nun, im Hinblicke auf den stattlichen Sohn, die geliebte Tochter, die bl�hende, zukunftsfrohe Schar der
Enkel und Enkelinnen
�
auch eine Urenkelin war dem Jubelpaare ganz k�rzlich erstanden in den� T�chterchen der
Ervprinzessin Charlotte von Meiningen, die dein Aaiscr zuerst vor zwei Tagen, am H. Juni, in Vabelsberg
�vorgestellt" worden war �, im stolzen Bewu�tsein der staatlichen Einigung, Deutschlands, auf deren Erreichung beider
Gedanken und Bestrebungen von fr�h auf gerichtet gewesen waren, durften wohl vorwiegend Gef�hle frohen Dankes das
Herz des Kaisers bewegen. Und wieder empfand er als besonderen Segen die herzliche Anteilnahme, die diese Familien-
feier �berall im Volke erweckte und oft erhebend und r�hrend zum Ausdrucke gebracht wurde. Geschenke zur Goldenen
Hochzeit hatte sich der Kaiser ausdr�cklich verbeten, von Privatpersonen wie von Korporationen, und erkl�ren lassen,
da� nur milde Stiftungen oder Zuwendungen an solche im Hinblick auf diese Feier ihn �aufrichtig freuen" w�rden.
Diese Weisung blieb nat�rlich ma�gebend, uud so wurde die Goldene Hochzeitsfeier auch indirekt ein Segen f�r die
M�hseligen und Neladenen im Volke, so recht nach dem Herzen des Kaisers. Denn neben der besonders von ihm,
wie wir sahen, in voller Klarheit erkannten Notwendigkeil von Abwehrma�rcgeln gegen die f�r die Grundlagen des
Staats- und Kulturlebens bedrohliche sozialistische Agitation, hatte er zugleich auch die positive Seite der k�sung der
sozialen Frage ins Auge gefa�t durch t�tiges Eingreifen des Staates zum Sch�tze und zur Hilfe der unbemittelten
Klassen, was dann in der November-Votschaft von in einschneidender, grundlegender weise ins Leben trat.
Der �u�ere Verlauf der Feier war f�r den Kaiser, den wir eben noch in voller Frische, von seinen Wunden
genesen, gesehen haben, recht erschwert durch einen der kleinen Unf�lle, an denen fein kcben so merkw�rdig reich ist.
Am 2. Juni gerade am Jahrestage des zweiten Attentats, war er auf dem glatten Boden seines Schlaf-
zimmers auf Vabelsberg ausgeglitten und hatte sich eine Quetschung der rechten Kniescheibe zugezogen, die ihn an
die Chaiselongue fesselte, eine jetzt besonders l�stige Unterbrechung seiner Vewegungsf�higkeit. So leidend nahm der
Kaiser zusammen mit der Kaiserin Augusta am ?. Juni auf Babelsberg das heilige Abendmahl, wozu er doch
schon zu gehen vermochte. Ein �Kleisterverband" um das verletzte Knie erm�glichte am 9� abends die
�bersiedelung nach Berlin, wo der Empfang der zur Feier erscheinenden F�rstlichkeiten neben dr�ngenden laufenden
Regierungsgesch�ften seiner harrte. Am Juni fuhr der Kaiser gegen Mittag von seinem Malais in seiner ein-
fachen Aalesche durch die Behrenstra�e nach dem Schlosse, wo ihn die Kaiserin auf der Treppe erwartete; im Trag-
scssel mu�te er bis zum Wei�en Saale hinauf getragen werden. Dann aber lie� er die bis nach 3 Uhr w�hrenden
Feierlichkeiten, Vegl�ckw�nschungen, kirchliche Einsegnung, Vefiliercour, in K�niglicher Haltung mit gewohnter Ausdauer
�ber sich ergehen. Beim Heruntersteigen konnte er schon des Tragsessels entbehren, nur st�tzender Arme bedurfte er noch;
dann fuhr er mit der Kaiserin �ber den tustgarten nach seinem Palais, umbraust von dem enthusiastischen Jubel der
Kopf an Kopf gescharten Menge, der, immer von neuem wieder anschwellend, das Kaiserpaar wiederholt zum Hinaus-
treten auf den Balkon veranla�te. Familiendiner im Adlersaale des Oalais und Galaoper endeten diesen Feiertag,
der dem Kaiser �berraschend gut bekam; am Juni empfing er die Abordnungen seiner ruffischen Regimenter,
Grdens -Dragoner und St. Petersburger Grenadiere; am 5. Juni wohnte er der Taufe seiner Urenkelin Feodora von
Meimngsn bei, am 22. Juni reiste er nach Ems, �um von Taten zu ruhen, un, zu Taten zu schreiten".
        
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