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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Ziehen gr��en lassen, w�hrend ihm nur �Stillstehen" zukam; oder hat den Freiwilligen die Erregung des Augen-
blicks die milit�rische Form hier verwechseln lassen?
Welche Empfindungen Kaiser Wilhelm bewegten, dem gab er gleich b?i der feierlichen Begr�nung auf dem
Potsdamer Bahnhofe mit schlichten, von Herzen kommenden und zu Herzen dringenden Worten den ergreifendsten
Ausdruck: �So schwer die k�rperlichen teiden waren, die Ich zu tragen hatte, sie waren doch nicht so qu�lend als
die Wunde, welche tu Meinem herzen dadurch geschlagen wurde, da� es gerade in Meiner Residenz, da� es ein
Preu�e war, durch den Mir diese Heimsuchung auferlegt wurde!" Und im gleichen Sinne schrieb er am Silvester-
abende dieses verh�ngnisschweren Jahres, am 3;(- Dezember (878, in seinen Jahresschlu�-Betrachtungen, den letzten,
die von ihm in dieser weise vorliegen: �Die k�rperlichen leiden traten zur�ck gegen den Schmerz, da� preu�ische
kandeskmder eine That vollbrachten, die am Schl�sse meiner kebenstage doppelt schwer zu �berwinden war. Doch
mu� ich mich ergeben m den Villen Gottes, der dies alles zulie�, da er mir nicht nur das (eben erhielt, sondern
mich in einer Weise gesunden lie�, die mich zu meinen Berufsgesch�ften wieder f�hig machte. So preise ich Gott
f�r diese seine F�hrung!"
In seiner ihm gleichsam neu geschenkten Hauptstadt bewegte sich der Aaiser im n�chsten Fr�hjahre in alter
Unbefangenheit und mit gewohnter Leutseligkeit unter den B�rgern von Verlin bei seinem Vesuche in der Berliner
Gewerbcausstellung am 25. Mai 587H, den unser Bild, von Hermann k�ders, darstellt.
Morgens um 9 Uhr fuhr der Aaiser an der Eingangspforte des heutigen Ausstellungsparkes in der
Invalidenstra�e vor, begleitet von den Fl�geladjutanten Graf tehndorff, F�rst Radziwill und von tindequist; im
Gefolge befanden sich auch der Generaladjutant Graf von der Goltz und der Chef des Milit�rkabinetts, General
von Albedyll; auch der Polizeipr�sident von Berlin, von Madai, war zur Stelle. Gef�hrt wurde der Amser von
dem Handelsminister Albert Maybach, empfangen von dem Ausstellungs-Romitee unter dem Fabrikbesitzer Fritz A�hnc-
mann. Vor dem eigentlichen Ausstellungsgeb�ude war ein �Aaiserpavillon" errichtet, den der Kaiser zun�chst betrat;
jede etwaige Befangenheit der Aomitee-Mitglicder schwand unter des Aaisers liebensw�rdig scherzenden Bemerkungen,
wie er das Vergi�meinnichtbeet vor dem Pavillon als besondere Aufmerksamkeil f�r sich ansprach, oder wie er bei
seinem eigenen imInneren aufgestellten Portr�t des Malers S�low bemerkte: �Binich auch ein Ausstellungsobjekt?"
Auch die hier befindliche Porzellannachbildung der R�nigin-tuisen-V�ste von Gottfried Schadow betrachtete er nul
dankender R�hrung. Ueber zwei Stunden lang durchschritt er dann die Ausstellungshallen, f�r alles ihm Gezeigte
voll freundlichen Interesses: Zimmereinrichtungen und optische Instrumente, Maschinen und Lehrmittel, Goldschmiede-
arbeiten und Bekleidungsst�cke, Auch nahm er gern in der �Weinstube"
�
von Anoop und Mitfcher und Caspary
�
ein Glas Rheinwein an. St�rmische Hochrufe der inzwischen in dichten Scharen herbeigestr�mten Ausstellungsbesucher
begleiteten den Aaiser, wie er nun wieder zum Aaiserpavillon zur�ckging, um hier ein von Poppenberg dargebotenes
Fr�hst�ck einzunehmen. Zwischen dem Minister Ma^bach und dem Aomitee-Vorstande A�hnemann nahm er an der
Tafel Platz � wo nat�rlich sein kieblingsgericht �Hummer" nicht fehlte � und trank �auf das Gedeihen des
Unternehmens und das Fortbl�hen unserer Industrie". Mit Worten voller Anerkennung f�r das Gesehene verlieh
er nach 2^ st�ndigem Vesuche die Ausstellung, durch sein ganzes Wesen und Sichgeben die dankbarste Erinnerung
zur�cklassend. � Unser Vild zeigt den Aaiser in der �Weinstube", im gewohnten Ueberrock mit Helm, hinler ihm die
Komitee-Mitglieder, vorn links den Polizeipr�sidenten, dann Graf tehndorff und Graf von der Goltz. Der Raum ist
hell und licht, mit bunten Malereien, mit Girlanden schlicht dekoriert. In dem das Tablett, wohl mit Austern, dar-
bietenden Aellner hat der A�nftler eine �beraus charakteristische, echt Berliner Figur geschaffen; das ist auch ein so wohl-
tuender Cypus, wie er jetzt leider unter der anglisierenden und amerikanisierenden Aellnermode immer mehr verschwindet.
von diesem b�rgerlich schlichten, aber keineswegs bedeutungslosen Vesuche schreiten wir zu einer Familien-
Hoffestlichkeit gr��ten Stiles, der Feier der Goldenen Hochzeit des Aaiserpaares am N� Juni 48?9, die unser
        
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