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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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nach laugen� Abwarten auf die Teilnahme am Man�ver verzichten, nicht aber lie� er sich es nehmen, wenigstens
noch die auf deni Bahnhof von Guntcrshausen, Meilen s�dlich von Kassel, um den Kronprinzen versammelten
Generale und fremden (Offiziere zum Abschied zu begr��en.
Nun ging es �ber Koblenz nach K�ln zur Enth�llung des Denkmals K�nig Friedrich-Wilhelms III.auf
den, Heumarkte, am 26. September, und endlich wieder zu Erholungskuren in Baden-Baden, Koblenz und Wiesbaden,
von wo der Kaiser am 30, November nach Karlsruhe reiste zur Einsegnung seiner Enkeltochter, der Prinzessin Viktoria
von Vaden, der jetzigen K�nigin von Schweden, am Dezember 55578. Nach 6ent Abendmahle im verein mit der
Kaiserin und der badischen Familie am 2. Dezember erfolgte am 4. Dezember abends von Karlsruhe aus die Heim-
reise des Kaiserpaares nach der Reichshauptstadt Berlin, die, diesen Tag mit Sehnsucht erwartend, ihrem Kaiser den
festlichsten (Empfang bereitet hatte, dem unsere folgenden drei Aquarelle gewidmet sind.
In Gro�-Kreuz, zwischen Brandenburg a. Havel und Potsdam, stieg uni l/^O Uhr a�n Vormittage des
5. Dezember � es war der Tag von keuchen! � das Kronprinzenpaar mit seinen Kindern, der Erbprinzessin
Charlotte mit dein Erbprinzen Bernhard von Nteiningen, den� Prinzen waldemar und den Prinzessinnen Sophie und
Margarete in den Extrazug der kaiserlichen Eltern, uni sie auf m�rkischem Boden zuerst zu begr��en. F�r Potsdam
war ein kurzer Aufenthalt vorgesehen zur Begr��ung durch die Spitzen der Beh�rden und der Garnison, und gleich
hinter dieser �wiege der preu�ischen Ann�e" ward dem Kaiser eine wirksame milit�rische Huldigung als Ueberraschung
zuteil, wie sie unser Bild, von Hermann k�ders, darstellt: �Garde-Hufaren begleiten eine Strecke den kaiser-
lichen Extrazug. Nowawes, 5. Dezember 1373." Das Garde-Husaren-Regiment steht hier zu Pferde in tinie l�ngs
des Eisenbahndammes auf der Nowaweser Seite in den dunkelblauen, gelbverschn�rten �pelzen"; der f�r den auf den
Bahnhof zu Potsdam befohlenen Kommandeur, Oberst voll krosigk, das Regiment f�hrende etatm��ige Stabsoffizier
INajor Graf Hans Wartensleben, eine echte Husarenfigur, sprengt auf braunein Rosse im langen Galopp dein dahin-
gleitenden Zuge nach, gefolgt von den: Regimentsadjutantcn Leutnant Prinz Egon von Ratibor und Corvey. An
den: Fenster des dunkelroten, blauverzierten Salonwagens Zeigt sich die ehrw�rdige Gestalt des Kaisers, in voller
Uniform, den Arm in der Binde, zwischen der Kaiserin und dem Kronprinzen, sichtlich erfreut �ber diesen h�bsch
ausgcdachtcn und durchgef�hrten Husarenstreich, an dem auch die Umgebung in den Nachbarcoupe's lebhaften Anteil
zeigt. � In kichterfelde waren dann ain Bahnhofe die Kadetten in Parade aufmarschiert, um den Kaiser in dem
auf seinen Befehl hier langsam fahrenden Zuge mit jubelndem Hurra zu begr��en.
Wie freuderauschend aber gestaltete sich der Empfang in Berlin, trotz der wehm�tigen Erinnerung an die
Freveltaten dieses schwarzen Jahres, als der Kaiser gerade zur Mittagsstunde um Uhr hier eintraf. Unm�glich ist
es, die Feierlichkeiten in diesem Rahmen zu schildern. Dem einfachen, selbstlosen Sinne des Kaisers h�tte es zun�chst
besser entsprochen, wenn er �ohne alle Zeremonie" empfangen worden w�re; wie er erfahren mu�te, da� dies nur
ein Gpfer, einen Verzicht den Berlinern auferlegen w�rde, so war er in seiner umsichtigen, voraussehenden weise auch
aus der Ferne bem�ht. Unzutr�glichen: vorzubeugen: ausdr�cklich machte er darauf aufmerksam, da�, da seine R�ck-
kehr sich in die schlechte Jahreszeit verziehen werde, die einen �dekorierten Empfang" verbiete, von der geplanten Auf-
stellung von H0000 Schulkindern keine Rede sein k�nne. Die offiziellen Empf�nge wurden schlie�lich durch seine
direkten Befehle geordnet. Die wundervoll ausgedachte und ins Werk gesetzte Ausschm�ckung der Einzugsstra�en, vor
allem des Potsdamer Platzes und der kmden, entsprang aber nat�rlich allein der Initiative der Beh�rden und der
Stadt Berlin; das hierf�r eingesetzte Konntee l�ste feine Aufgabe gl�nzend und in k�nstlerischer Vollendung. Bei dem
ungeheuren Jubel der dichtgedr�ngten Massen trat augenf�llig die gesittete Ordnung hervor, es war, aw ob jeder
einzelne den Ernst der Veranlassung zu diesen, Empfange empfand, als ob jeder einzelne hierbei bem�ht war, da� bei
diesem Anlasse sein pers�nliches Verh�ltnis zu seinen, Kaiser neu gekr�ftigt werde, und da� er so das vertrauen zu
sich selbst, wo es gest�rt war, wiedergewinne. 2Nit Zuversicht und festen Sinnes waren alle Veranstaltungen f�r
diesen einzigartigen Einzug getroffen worden, und harnionisch war der Verlauf: auch nicht die geringste Unordnung
fiel vor, und auch bei der abendlichen Illumination kam es zu keiner einzigen �Sistierung" � einzig in der
        
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