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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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kuise von Baden, die das erste Attentat hatte miterleben m�ssen, schritt die Gesundung doch ohne ernsten Zwischenfall
stetig vorw�rts. Nachdem am H. Juli s�mtliche Wunden sich geschlossen � einzelne Schrotk�rner mu�ten freilich wieder-
holt auch noch sp�ter entfernt werden, das letzte erst am 27. M�rz 56?9 aus dem Aopfe! �, legte der Aaiser bereits
am 5. Juli zum ersten Male wieder den Uniforin�berrock an; am 20. Juli konnte er die erste Ausfahrt in den
Tiergarten unternehmen und am 22. Juli nach schlo� Babelsberg �bersiedeln, wo die frischere tust auf Befinden
und Stimmung von so heilsamem Einfl�sse war, da� am 2Z. Juli bereits die Reise nach Ceplitz in B�hmen gewagt
werden konnte, hier aufs herzlichste aufgenommen � die Ceplitzer B�rger stellten dem Aaiser eine Ehrenwache �, nahm
er ;? der heilkr�ftigen B�der, empfing den Besuch des Aaisers Franz Josef und des Kronprinzen Rudolf von Gesterreich,
und konnte am 2H. August bereits in Gasiein eintreffen, mit Aornblumen und Edelwei� �bersch�ttet und von der herz-
lichsten Sympathie der Bergbewohner und der Badeg�ste � auch F�rst und F�rstin Bismarck weilten hier
�
aufs
w�rmste begr��t. Am September traf der Aaiser, von der Gasteiner Aur wunderbar gest�rkt, in Wilhelmsh�he
bei Aaffel ein, am machte er den ersten Reitversuch im Schlo�parke auf seinem sicheren teibro� �Ganges" imSchritt und
Galopp � denn als Invaliden wollte sich der oberste Ariegsherr seinen Cruppen nicht zeigen, die feiner zum Aaiser-
Man�ver harrten. Und auch seinen sonstigen Herrscherpflichten � die Regierungsgesch�fte f�hrte nach seiner Verwundung
der Aronprinz als sein Stellvertreter � entzog er sich nicht: am Tage nach seiner Ankunft auf Wilhelmsh�he schrieb
der Aaiser Eigenh�ndig ftme Antwort auf die Huldigungsadresse des Reichstages vom September nieder, mit der
ernsten, an seine fr�heren Aeu�erungen ankn�pfenden Mahnung: �Wir m�ssen, ein Jeder in seinen Verh�ltnissen,
dahin trachten, da� die Gefahren, die der sittlichen Grdnung und der staatlichen Sicherheit drohen, abgewendet werden.
Das im Reichstage vorliegende Gesetz (das neue Sozialistengesetz) bezweckt, die Wege hierzu zu finden." � Inwilhelms-
h�he befand sich auch die Aaiferin Augusta, dann traf der Kronprinz hier ein und die Prinzen Aarl und Albrecht
von Preu�en, die Gro�herz�ge von Mecklenburg Schwerin und von Hessen -Darmstadt, so da� die Aaiservarade
�ber die drei Divisionen des XI.Armeekorps aus Frankfurt am Main, Aaffel und Darmstadt, unter General Julius
von Vose, am 20. September beim Dorfs wabern, s�ds�dwestlich von Aaffel bei Fritzlar, in vollem Gl�nze stattfand,
wirklich ritt der Aaiser zu Pferde die langen Fronten beider Treffen ab, ein ergreifender, r�hrender Anblick mit
dem rechten Arm in der Binde, und nahm dann dm Parademarsch vom Wagen aus ab. So sah der Aaifer nach
jenen Freveltaten zum ersten Male seine Soldaten wieder, in ungebrochener pflichttreue sein Ariegsherrnamt erf�llend.
Dem Aorpsman�ver des folgenden Tages wohnte der Aaiser im Wagen bei, von der wabernschen Spitze und von
der h�he bei Fritzlar aus. An seinen wagen lie� er an, Schl�sse des Gefechtes die Aommandeure rufen, forderte
die einzelnen zu Erl�uterungen ihrer Ma�nahmen auf und kn�pfte kritisierende Bemerkungen daran � ganz so wie
sonst und doch wie anders, wie das unser 00. Bild, von Hermann k�ders, zeigt: �Aritik nach dem Man�ver,
wabern, 2^. September
Das war wohl die erste Antik, die der Aaiser nicht zu Pferde abhieltI Aber nur um so ehrw�rdiger erscheint
uns sein Anblick, wie er gerade aufgerichtet im wagen steht, in voller Generalsuniform, den Helm auf dem verwundeten
Haupte, den am schwersten verletzten rechten Arm in der schwarzen Binde. Dem Aaiser gegen�ber halten der Aronprinz
in Generalsuniform auf einem Fuchs und der Gro�herzog von Mecklenburg-Schwerin in� blauen Attila auf einem
Braunen. Rechts hinter dem Wagen ragt die Gestalt des Ll�geladjutanten Graf Tehnoorff hervor, neben ihm der
Feldmarschall Graf Moltke. Die Haltung der den dunkelroten, mit silberner Arone verzierten wagen, dessen Pferde
ausgespannt zu sein scheinen, umgebenden Generale und Vffiziere � eine ganz blaurot wirkende Schar � entspricht
in Ruhe und Ernst dem milit�rischen Vorg�nge, bringt aber auch die wehm�tige Stimmung bei solchem wiedersehen
mit ihrem Ariegsherrn geschickt nuanciert zum Ausdrucke.
Um 2 Uhr nachmittags traf der Aaiser wieder inIvilhelmsh�he ein, um 5 Uhr fand dort das �bliche Diner
f�r die Zivilbeh�rden der Provinz Hessen-Nassau statt. Nach einem Ruhetage war der Aaiser auch am 23. September
beim Man�ver zugegen, bei sch�nstem Aaiserwetter; die R�ckfahrt wurde durch die freudige Teilnahme der Bewohner
aller ber�hrten Ortschaften zu einem wahren Freudenfeste. Am 2H. September mu�te der Aaiser wegen des Regenwetters
Hah�nl�llttn>3�h?b�ch 1912. 7
        
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