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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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die Geschichte &er preu�ischen Ann�e beginnt jetzt ein neuer Abschnitt: die gemeinsame Geschichte des Deutschen Heeres.
Mit berechtigtem Stolze faun die preu�ische Armee � und mit ihr das preu�ische Volk, aus dem sie hervor-
gegangen � zur�ckblicken auf ihre Vergangenheit, deren Geschichte in gewissem Sinne nun einen Abschlu� gefunden
hat. Denn Gro�es ist in den letzten Jahrhunderten geschaffen worden. Immer von Neuem haben Volk und Armee
gewctteifert in den Veweisen eines seltenen Muthes, opferwilliger Hingabe und Treue. Berechtigt ist da wohl der
lvunsch, bas Andenken an diese Thaten bei den kommenden Geschlechtern wach zu halten und ihnen diese nicht blos
in den Geschichtsb�chern zu �berliefern, sondern auch zur lebendigen Anschauung zu bringen durch Sammlung aller
Gegenst�nde, welche auf die Entwickelung des Vrandenburgisch- preu�ischen Anegswesens Bezug haben, und der
Troph�en preu�ischen Aricgsruhms."
Auf froher Iagdfahrt begleiten wir den Aaiser mit unserem 90. Vilde, von V.kutterbauer, nach tiegnitz,
wo er am 5. November fein A�niZs- Grenadier -Regiment besuchte. Die Fahrt galt der Einweihung der neu
gepachteten Hofjagd bei Ghlau in Schlesien, doch ergriff der Aaiser gern die Gelegenheit, hierbei auch �Sein eigenes"
Regiment zu besuchen, dem er, wie wir von unserem 27. Vilde her wissen � Hohenzollern-Iahrbuch S. 6? �,
rmt ganz besonderer Treue zugetan war; am 3. Januar 5 hatte er ihm de� k�niglichen Namenszug auf den
Achselklappen und den Namen �A�nigs-Grenadier-Regiment st. Ivestpreu�isches) Nr. ?" verliehen.
Am 5. November mittags wurde die Fahrt angetreten; der Kronprinz, die Prinzen Aarl und Friedrich-
Aarl von Preu�en, August von W�rttemberg, Wilhelm zu Mecklenburg-Schwerin begleiteten den Kaiser. Um 5^ Ahr
in kiegnitz eingetroffen, fuhr der Aaiser, in der Regimentsuniform, mit dem Aronvrinzen, der dem Regimente von
der IVei�enburger Vluttaufe am Gaisberge her eng verbunden war
�
vgl. Hohenzollern 5.
beim ?H. Vilde
�
, und dem Regimentskommandeur Gberst von Verken durch die reich geschm�ckte und illuminierte,
von frohem INensch engewoge erf�llte alte piasten- Residenz zur Aaserne, wo sich auch der Aommandierende General des
V. Armeekorps, Graf Airchbach, der Held von W�rth, und der Divisions- und Vrigadegeneral eingefunden hatten.
Der Platz vor der Aaserne war durch Fackeln und bengalische Flammen erhellt, die Aaserne selbst reich geschm�ckt
mit Girlanden und Fahnen. Auf umkr�nzten Tafeln waren die Namen der Schlachten zu lesen, in denen das Regiment
mitgefochten, und die Namen der Aommandeure, die es gef�hrt hatten; die ganze Front der Aaserne war durch diese
kleinen Tafeln gedeckt, vor der Aaserne stand eine kombinierte Aompagnie als Ehrenwache mit der Fahne des
Bataillons, au der die von der Aaiserin Augusta verliehenen Fahnenb�ndcr gl�nzten. Das Gffizicrkorps des
Regiments stand auf dem rechten Fl�gel der Ehrenwache. Nach Abschreiten der Front und dem Vorbeim�rsche der
Ehrenkompagnie begr��te der Aaiser die im Aasernenhofe aufgestellten Grenadiere, die ihm mit brausenden: Hurra
antworteten, und betrat das festlich geschm�ckte Gffizierkasino. Hier erinnerte er die Offiziere daran, �wie grade heut'
vor 2H Jahren das Regiment gleichfalls bei FackelbeleuchtunZ vor ihm in Parade gestanden habe" � es ist der auf
unserem 27. Bilde dargestellte Vorgang vom 5. November 4350; die �bereinstimmung der Tagesdaten ist ein merk-
w�rdiger Zufall: welch unerme�licher Unterschied aber sonst zwischen jener Vegr��ung vor Glm�tz und der jetzigen
nach A�niggr�tz und Sedan; wie m�gen diese Aontraste die Seele unseres Aaisers bewegt haben! Beim Festmahle, bei
dem wegen der F�lle der geladenen �hohen vorgesetzten" die Regimentsoffiziere stehend die Honneurs machten, sprach
der Aaiser seine Freude aus, unter Seinem Regimente zu sein, das �inden letzten Feldz�gen eines der sch�nsten Vl�tter
in den korbeerkranz der Geschichte des Vaterlandes gewunden" habe. Gegen 3 Uhr setzte der Aaiser die Reise nach
Ghlau fort, unverge�bare Eindr�cke Seinen� Regimente hinterlassend.
Nach den bei sch�nstem Iagdwetter unter den sonnendurchleuchteten, hochst�mmigen Eichen an, Gderstrome,
dem herrlichen, einem englischen parke vergleichbaren �F�rstenwalde" bei VHIau, aufs angenehmste verlaufenen
Iagdtagen am 6. und ?. November, wobei �Cre'aturen" zur Strecke gebracht wurden, sah der Aaiser auf der
R�ckreise am Abend des 7. November �Sein" Gffizierkorvs nochmals auf dem tiegnitzer Bahnhofe; uni 2^/z Uhr
nachts war die Iagdfahrt beendet.
        
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