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Aus den Poesien Friedrichs des Großen : Deutsche Übersetzungen

Full text: Aus den Poesien Friedrichs des Großen : Deutsche Übersetzungen

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Das n�chste St�ck bildet 6�i Anfang eines Briefes an Voltaire aus dem Beginn ber f�nfziger Jahres
Friedrich �u�ert darin starken Zweifel an feinem dichterischen Berufe und sagt ihm valet:
Ein F�nklein war es, da? entglimmt;
(Ein heilig Feuer fd^iens dem jugendlichen Toren,
(Er hielt sich selber hochgestiinint
F�r einen Dichter auserkoren.
Erbarmungslos liai die Vernunft mich aufgekl�rt;
Ihr Vllck, durchdringend, klar und hehr,
Hat pou dem D�nkel und dem Irrtum mich bekehrt.
5o la� dem strahlenden Voltaire
Apollos Reich ich und bas Zepter des borner.
Kein andrer Wunsch ist mir zu eigen,
Als ihm 311 lauschen und zu schweigen.
Ver Dichtkunst sklavisch Untertan,
verlor ich meine Ruh, Hab Reim um Reim gepaart.
Als ich erwacht ans meinem Wahn,
Erkannte ich, da� nur ein Irrlicht mich genarrt.
An Freund Jordan ist das folgende Gedicht vom 27. Juni \7^5 gerichtet. 2 ?s kn�pft an die bevorstehende
Erscheinung des Kometen Hektar an, der damals die Welt und auch, wie Friedrich behauptet, Jordan in gro�e
Aufregung versetzte, und es gipfelt in der Gegen�berstellung der Person des Dieters mit der des Freundes. Der
K�nig malt darin aus, wie dieser in seiner vielseitigen T�tigkeit � als Kurator der Universit�ten, als Aufsichts-
f�hrender �ber das Armenhaus, das Arbeitshaus und das Irrenhaus in Berlin � segensvoll gewirkt, wie er durch
feine wohltaten mehr Gutes gestiftet als der eben damals gestorbene und in den Nachrufen niatzlos verherrlichte
Premierminister Frankreichs, Kar6tnal Fleury; wie demgegen�ber auch er selbst, Friedrich, vor ihm zur�ckstehen muffe,
er, der Friedensst�rer Europas, der das alte Ztaatensystem gest�rzt und einen blutigen Krieg gef�hrt habe. Er singt also:
Vebft du noch immer, Jordan, schreckensbleich
Vor Hcktor, dem gewaltigen Ifomel?
V da� der Himmel ihn zerst�r' sogleich,
Eh diese Welt durch ihn zugrunde geht!
Drum w�nsch' ich sehr, da� dieses Ungeheuer,
Da� dieser ungeziemliche Komet
Mit seinem lauge� Schweif ans h�ll'schem Feuer
Dich zu versengen sich nicht untersteht.
Doch m��t' ich scheiden, ginge eine Seele
Nicht ohne Wildheit und nicht ohne Fehle.Um dich, ach, w�re es mir herzlich leid
�
Noch prangst bu in der Suite betiter Hahre;
Mehr wohltat dankt die atme Christenheit
Dir als dem Kardinal, ait dessen Vahre
lobrednerei sein Herz und seinen Geist
5o ma�los und sa �berschwenglich preist.
Vu wei�t ja, da� ich, �ach ein junger Fant,
Systeme umzusto�en mich erfrechte.
Die f�r sich selbst, von Eifersucht entbrannt,
Errichteten Europas alte M�chte,
Die unfre Ahnen, selber noch Varbaren,
Als g�ttlich ati3iifc^n gew�hnet waren.N?o du gewirkt, in jeglichem Revier
Hat immer sich dein gutes Herz bew�hrt:
Aufkl�rung dankt die hohe Schule dir;
Vie Armen, sie hat deine Hand gen�ht;
Als Vater alle Narren dich begr��en.
Als Gatten alle M�gdlein, die da b��en.
Du wei�t auch, da� mit frevlerischer Hand
Ich mehr als einen greulichen Oanduren
Zur H�lle und zum Teufel heimgefandt
Beim m�rderischen Kampf in Schlesiens Fluren.
wenn Hektor, dieser gr��liche Komet,
Auf mich Erb�rmlichen nun niederbncht,
Sein Feuer auf mein schuldig Hanpt entl�dt
�
Ja, meiner d�u, so unrecht tat' er nicht.
1 Vgl.Vriefwechsel Friedrichs des Gro�en mit Voltaire, herausgegeben von R. Roser nno H. Droyfen, Vd. 2, 5, 55? (Publi-
Nationen aus den K�nig!. Vreu�. Staatsarchiven Bb. 82; leipzig 1909). Vie dort fehlenden ersten vier Zeilen lauten nach der eigenh�ndigen
Niederschrift des K�nigs (heule im (Bleimr(aus zu Halberstadt):
Un faible rayon de g�nie
Au printemps de mes jours parut �h feu divin;
Ensorceli de l'harmonie,
Je me cru? auteur par instinct.'
vgl. (Euwes, Vd. U, S. 7
    
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