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Aus den Poesien Friedrichs des Großen : Deutsche Übersetzungen

Full text: Aus den Poesien Friedrichs des Großen : Deutsche Übersetzungen

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liegen; dem k�niglichen Autor war die ?uft an seiner Fertigstellung verleidet. Hur f�r den engsten Freundeskreis war
die Sammlung bestimmt. Als sie aber durch Indiskretion an die Veffentlichkeit gelangte, hat der K�nig sie aus
politischen R�cksichten zum Teil umgearbeitet und, um einige St�cke vermehrt, unter dem schlichten Titel �Po�sies
diverses" 5760 von neuem erscheinen lassen. Vervollst�ndigte Ausgaben seiner Dichtungen brachten dann unmittelbar
nach seinem Tode die �?uvres posthumes" und um die ?��itte des verflossenen Jahrhunderts die bereits erw�hnten
�?uvres de Fr�d�ric le Grand" 1, Eine umfassende wissenschaftliche Edition steht noch aus.
F�r die kritische Beurteilung der dichterischen T�tigkeit Friedrichs, zu der wir uns nunmehr wenden, f�llt der
Unistand entscheidend ins Gewicht, da� er niemals den Namen eines Ooeten f�r sich in Anspruch genommen hat.
Vielmehr vfiegte er sich als �Dilettanten" zu bezeichnen. 5o kann ihm auch kein Vorwurf daraus erwachsen, wenn
er sich an fremde Vorbilder, wie Horaz und Voileau, anlehnte.
Seine Dichtungen besitzen mit seinen musikalischen Sch�pfungen die gr��te Verwandtschaft: sie sind Erzeug-
nisse seiner Mu�estunden und sollten ihm nach den Sorgen und M�hen seiner A�mgsaibeil zur Erholung dienen.
Unleugbar tragen sie auch die deutliche Spur des Geistes ihrer Zeit an sich. Das �berwuchernde allegorische Vciwerk,
die H�ufung der Vilder und Vergleiche, die �berdies des �fteren wiederkehren, mythologische Beziehungen, die uns
heute fremd sind, verk�mmern den Genu�. Gft auch ergeht sich Friedrich in einer Breite und Ausf�hrlichkeit und in
Diaressioncn, die erm�dend wirken.
Diesen unbestreitbaren M�ngeln stehen jedoch gro�e Vorz�ge gegen�ber. Zun�chst die F�lle sch�ner und tiefer
Gedanken, die oft gl�cklich gepr�gt sind, und die nicht geringe Zahl origineller Einfalle und Wendungen, die seinen
Dichtungen eigenartigen Reiz verleihen. Das hohe Pathos steht dem k�niglichen Autor in gleicher weise zu Gebote
wie der leichte, scherzende Ton, der sich bis zu heiterer Ausgelassenheit steigern kann.
Endlich gewinnen die Poesien f�r uns noch dadurch an innerem werte, da� viele von ihnen, gleich den
musikalischen Aompositionen, die Seelenstimmungcn widerspiegeln, die Friedrich bewegten und zur Aussprache dr�ngten.
Vor allem sind es die Gedichte aus der Zeit des Siebenj�hrigen Arieges, in denen sich sein Inneres uns enth�llt.
So werden auch seine Dichtungen durch die zahlreichen pers�nlichen Bekenntnisse, die sie enthalten, zu Dokumenten f�r
seine tebeNsgeschichte.
wenn nun aber Kompositionen wie Dichtungen in weiten Arciscn unbekannt geblieben sind, so liegt es bei
den ersteren an dem umst�ndlichen Apparat, den ihre Auff�hrung erfordert, bei den Poesien an ihrer Niederschrift in
fremder Sprache, die das Verst�ndnis zweifellos erschwert. Damit sei der Versuch der freien Nebertragung einer Aus-
wahl von Dichtungen Friedrichs, die seine Art und Pers�nlichkeit charakterisieren, gerechtfertigt.
Die beiden ersten proben, die wir vorlegen, geh�ren der fr�hest?� Epoche, den Jahren \728 oder an.
Pas erste kleine Gedicht ist dadurch port Interesse, da� es der Abneigung Friedrichs gegen das Tubakskollegium seines
Vaters, Friedrich-Wilhelms L, beredten Ausdruck verleiht. 
    
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