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Friedrich der Große : Festrede

Full text: Friedrich der Große : Festrede

5Nicht darfst bu (Sottes Weisheit schuldig nennen,
Statt deiner Einsicht schw�che zu bekennen.
Er, der Allm�cht'ge, setzte dir die schranken,
Die all bein F�rwitz nimmer bringt ins Wanken,
vielleicht willer durch solche Hindernisse
Demut1(je� die Vernunft, die fclbstge wisse,
Die schon frohlockte, wenn sie hier und bei
Im Streiflicht eine Mahrheit d�mmern sah.
Da� ganz du (Sottes Weisheit konntest preisen,
M��t' er dir erst fein ganz Geheimnis weisen.^
Es war eine Fr�mmigkeit, die auf das engste verwandt war mit den Harmonien, die der Rex tibicen in
feiner Seele trug. Denn auch die Musik diente ihm zur Herzenserhebung und ward ihm eine Friedensvermittlerin,
wenn es un> ihn und in ihm st�rmte.
Einen Huerpfeifer und poeten hatte einst den Kronprinzen Friedrich sein Vater gescholten. Der Auerpfeiser
un& poet ist auch der K�nt<5 Friedlich allezeit gewesen, auch als er der Vater des Vaterlandes, der Feldherr und
Staatsmann, der Gesetzgeber und Volkswirt, sein eigener Finanzminister und fein eigener Handelsminister geworden war.
�Friedrichs Augenblicke gelten Jahre", mit diesem Worte, das damals in ganz Europa widerhallte, hat in
unserer Akademie ihr Pr�sident Mauvertuis die gl�nzende Formel gefunden f�r eine auf atemloser Zeitausnutzung
beruhende Arbeitsleistung.
Gewi� ist Vielseitigkeit nicht immer ein kod, und immer nicht das h�chste kob. Hier aber lag neben der
nach allen Zeiten ausgreifenden geistigen Regsamkeit, der vielf�ltigsten geistigen Veranlagung die gl�cklichste Erg�nzung
nach der Seite des Charakters, des Willens. Neben der erstaunlichsten Beweglichkeit die F�higkeit zu straffester
Zusammenfassung. Die F�higkeit, von der einen T�tigkeit ganz unvermittelt und ganz gesammelt zu einer anderen,
oft v�llig entgegengesetzten �berzugehen. Friedrich hat selber bezeugt, da� er die Arbeit mit der Feder, die literarische
Produktion nicht blo� zur Abwechslung, sondern ganz eigentlich zur Erholung aufgesucht habe, zu einer Erholung,
die ihn nach dieser pause zu der strengen ihm obliegenden R�niasarbeil geeigneter gemacht habe; da� ihm, wenn er
tr�umerisch auf seiner Fl�te improvisierte, oft die gl�cklichstell Gedanken f�r seine Staatsgefchafte gekommen seien.
Viese Spannkraft eines wuchtigen Willens, diese Geschlossenheit und Straffheit seines ganzen Wesens hat sich
dann, wenn er vor gro�en, nicht den allt�glichen Aufgaben stand, ihm bew�hrt in dem nie versagenden Mut zum
Entschlu�, in dem hellen Vlick f�r die Aufsp�rung und Erfassung des g�nstigen Zeitpunktes, in dem Augenma� f�r
das Erreichbare, in dem bisweilen fehlgreifenden, aber immer entschiedenen Urteil �ber Brauchbarkeit oder Unbrauch-
barkeit der zur Auswahl stehenden Mittel, in der Unersch�pflichkeit an aushelfenden, andere und ihn selber oft �ber-
raschenden Eingebungen und Antrieben, mit einem Worte in allen den Eigenschaften, die den gro�en Mann, den
genialen Staatsmann und den genialen Feldherrn ausmachen.
voll aber offenbarte sich die Starke und Tiefe seiner Seelenkr�fte erst im Nngl�ck.
Seine Widerstandsf�higkeit gegen�ber einen: feindlichen Geschick erscheint um so bewunderungsw�rdiger, als
dieser F�rst von der Natur weich geschaffen war und weich geblieben ist trotz der starken Legierung von Harte, Strenge
und Rauheit, die das keben und der Veruf dem edlen Golde zugesetzt habend Von Sorge, Zweifel und Gefahr
umringt, klagt er, da� er innerlich unendlich leidet, aber er setzt hinzu, da� er seiner Seele Stockschl�ge gibt, auf da�
sie geduldig und still werde. Er h�lt die Probe durch, auf die seine Nerven gestellt werden, w�hrend jener schier
endlosen Schreckenszeit, von Erwartung zu Erwartung, Spannung zu Spannung, Entt�uschung zu Entt�uschung,
Niederlage zu Niederlage, �ber ein Tr�mmerfeld von Entw�rfen und Hoffnungen dahinfchreitend, dem Leiden ver-
traut, dem Tode vertraut, dem Tode im Schlachtgew�hl unerschrocken sich preisgebend, ja f�r den letzten dunkelsten
1 Vers sur l'existence de Dieu. ?uvres de Fr�d�ric le Grand XiV, 19.
� a Her K�nig schreibt am 8,Juli 5??q an den peit^en
Heinrich: ,J'aime ? ?tre �mu el sentir que j'ai un cceur; iln'y a que trop d'objets qui endurcissent l'�me, ilest bon de temps en temps
de l'amollir." Politische Korrespondenz XXXV, 
    
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