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Friedrich der Große : Festrede

Full text: Friedrich der Große : Festrede

4Schickfalsschl�gen getroffen und gebeugt. Getaugt, aber nicht gebrochen. Als der Held des Jahrhunderts, doch
fr�hzeitig zum greife geworden, geht er aus dem ungleichen Kampfe hervor, in Schlachten �berwunden, tm
Ariege unbesiegt.
In neuer Friedensarbeit werden die F�den alle wiederangekn�pft, die der Krieg zerrissen hatte. Nicht blo�
das Zerschlagene aufrichten und das Alte wiederherstellen, auch Neues schaffen wird die Tosung. Der alte K�nig
entfaltet die umfassendste 1>rwaItung5t�tiglVit. Nicht immer gleich erfolgreich und nicht �berall gleich gl�cklich in der
Wahl feiner Mittel und feiner Werkzeuge, aber immer selbstbewu�t, zielbewu�t, stetig, lenkt er �as Schiff in gerad-
liniger Fahrt, ohne Schwankungen, ohne Kurswechsel, �mit festem Ma�".
Verweil behauptet er in Europa die Gro�machtstellung, die er seinem Staate errungen hat, Hndem er die
wage des Gleichgewichts Zwischen zwei aufeinander eifers�chtigen Nachbarn, seinen Gegnern aus dem gro�en Anege,
in starker Hand h�lt, setzt er es durch, da� streichen nicht leer ausgeht, als in �Osteuropa eine gro�e Verschiebung der
Vcsitzverh�ltnifse sich vollzieht. Er gewinnt dank dem Ansehen, das sein Schwert ihm verschafft hat, durch eine diplo-
matische Verhandlung nochmals eine gro�e Provinz, die tandverbindung zwischen den auseinanderlicgendcn Teilen
seiner Monarchie. l.lnd als am Ausgang seiner Regierung iene beiden Nachbarn sich ein zweites Mal gegen ihn
verb�nden, da versteht er es, mit einem neuen Vundcsverh�ltni5, das ihm zun�chst nur als ein k�rglicher Notbehelf
erscheinen konnte, durch den deutschen F�rftenbund, am Abend seines Gebens eine gro�e moralische und nationale
Wirkung zu erzielen. Freudig, wie nach dein Tage von Ro�bach, richten sich die Augen der Deutschen auf den
preu�ischen A�nig. Noch sein sinkendes Gestirn erscheint dem nachwachsenden Geschlechte, wieder nach Goethes Aus-
druck, als �der Polarstern, um den sich Deutschland, Europa, ja die Welt zu drehen schien".
Die Tat Anfang, Mitt' und Ende seiner Regierung, seines Tages, seines Lebens. Zugleich aber f�hrte
dieser starke Gewaltige im Reiche der Tat ein Doppelleben im Reiche der Betrachtung, im unendlichen R�ume
des Gedankens.
Er wei� es, und wiederholt es sich immer wieder: der Mensch ist nicht geschaffen zu philosophieren, sondern
zu handeln, und er bew�hrt diesen Grundsatz. Aber tiefinnerlichc Neigung lenkt ihn immer wieder zur Gedanken-
arbeit und zum Schrifttum zur�ck. Nicht genug, da� er Tag f�r Tag, vom ersten bis zum letzten Jahre seiner
Regierung, die Weisungen au seine Gehilfen entwirft, in die Feder diktiert oder eigenh�ndig niederschreibt. Auch nach
Erledigung dieses Dienstes sucht er den Schreibtisch auf, nicht mehr aus Pflicht, sondern aus eigenen, Trieb, um des
Schreibens willen, daheim, auf Reisen, im Feldlager und im buchst�blichen Sinne zwischen den Schlachten. Als nach
seinem Tode eine Auswahl seiner literarischen Schriften in 25 Vandcn erschien, wurde mit Recht gesagt, da� hier von
einem Manne der Tat die Fruchtbarkeit der schreibseligsten Schriftsteller erreicht oder �bertreffen worden sei. Er selber
hat von seinem Schreibkitzel, seiner 6sm^n^3,3on cV�crire, gesprochen. Er scherzt: w�re er nicht durch seine Geburt
zum K�nig bestimmt gewesen, so w�rde er ein Schriftsteller, ein Gelehrter geworden sein. Er vergleicht sich in seiner
Se�haftigkeit am Schreibtisch den gelehrten Vencdiktinern, nur da� cr �ber V�chern und Papier nie ein Asket oder
gar ein Pedant geworden w�re. Seine Frohnatur hat ihn auch im h�chsten Alter nicht ganz verlassen. Er blieb in
der Mitte seiner Tischgenossen der Gespr�chige, Mitteilsame, Muntere, ihr �alter Zauberer" (le vwux �orcier), so da�
die Tafelrunde von Sanssouci uns noch heute das klassische Beispiel einer veredelten Geselligkeit ist, wo Geist und Witz
den Vorsitz f�hren. �Seine Heiterkeit kam von seiner Ueberlegcnheit", hat die Zarin Aatharina von Friedrich gesagt.
Man wei�, wie diese Nebeilegeuheit auch in �tzendem Spalt Ausdruck gefunden hat, in einem Spott, der,
einmal entfesselt, sich nicht gern Halt gebieten lie� und der doch die im tiefsten Innern dieses reichen Gem�tg
verborgene Fr�mmigkeit wohl bisweilen �bert�nt, nie aber �berwuchert oder gar erstickt hat. Denn wieder und
wieder ist der Philosoph von Sanssouci aus Herzensbed�rfnis zur�ckgekehrt zu dem gr�belnden Nachdenken �ber
die gro�en letzten Fragen und R�tsel, �ber die �Grdnung, die der Welt von droben ward zu eigen", um
am letzten Ende, in einer Fr�mmigkeit jenseits von Ueberlieseruna, und Dogma, die engen Grenzen unserer Ein-
sicht einzugestehen:
        
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