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Friedrich der Große : Festrede

Full text: Friedrich der Große : Festrede

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Grundgedanken schon in Friedrichs Herrscherbrevier vorgezeichnet gefunden. And sein Wort, da� Erfahrung und
Sachkunde die sichersten F�hrer auch in volkswirtschaftlichen Dingen seien, ist wieder zu Ehren gekommen, als unsere
Wirtschaftspolitik vor einem Menschenalter fief? aus dem dogmatischen Vanne einer als klassisch gefeierten kehre su
l�sen begann und den Schutz der nationalen Arbeit auf sich nahm, nicht einer Theorie zuliebe, sondern weil ihr, wie
einst dem Gro�en K�nige, diese F�rsorge von Staats wegen dem praktischen Bed�rfnis am besten zu entsprechen
schien. Pen Vestrebungen unserer inneren Aolonisation h�lt der Gr�nder so vieler Hunderte von D�rfern ein gl�nzendes
2Nuster vor, und von dein R�stzeug feines erfolgreichen Kampfes im Vedlande gegen Sumpf und Sand erweist sich
selbst einer weit vorgeschrittenen Technik heute noch vieles als beachtenswert und nutzbar.
Vie Politik hat der A�nig in seinem politischen Testament umschrieben als die �Wissenschaft, stets die AAttel
anzuwenden, die den eigenen Interessen entsprechen": �um seinen Interessen gem�� zu handeln, mu� man sie kennen,
und um zu dieser Aenntnis zu gelangen, bedarf es des Studiums, der inneren Sammlung, der Applikation".^ Das
klingt selbstverst�ndlich, und doch hat die Politik der Nachfolger nach I,?8l� sich von dem gr��ten Sachverst�ndigen die
Aritik gefallen lassen m�ssen, da� klare Ziele ihr entweder gefehlt h�tten oder da� sie ungeschickt gew�hlt worden
seiend Und schon am Vorabend des Krieges von 1,806 hat ein franz�sischer Viplomat nur zu richtig festgestellt, da�
Friedrichs Epigonen Geist und Grunds�tze seiner Regierung nicht ergriffen h�tten. Vergessen waren vor allem seine
beiden gro�en Leits�tze, da�, wer nicht vorw�rtskommt in Europa, zur�ckkommt und da� die Reputation eine Sache
von unbezahlbaren, wert sei und mehr gelte als selbst die vergessen auch seine Anschauungen �ber den wert
und Unwert von B�ndnissen mit dem ewig g�lligen Endurteil: �Die besten Alliierten, so wir haben, sind unsere
eignen Truppen."
was f�r unser Heer der �A�nig-Conn�table" bedeutet hat und bedeutet, das ist zur Vorfeier seines Geburts-
tages den Angeh�rigen des Heeres aus berufenein INunde dargelegt worden, weit aber �ber den Arcis des Heeres
hinaus reicht heute, wie vor anderthalb Jahrhunderten, Friedrichs Alahnruf an die Aleinm�tigcn, die da zagen, noch
ehe im Rrieg oder im Frieden eine Schlacht verloren, und sein Sammelruf an das letzte Aufgebot nach einer ver-
lorenen Schlacht.
Unsere Feier ist eine Erinncrungsfeier an ernste Zeit � in ernster Zeit. A�nig Friedrich hatte die Hoffnung
ausgesprochen, da� dereinst sein Staat auf st�rkerer TNachtgrundlage und mit besseren Grenzen der straffen Anspannung
eher werde entbehren k�nnen; bis dahin werde die Tosung lauten: �l'ou^our^ en vedette!" Vie kosung gilt weiter.
Noch heute m�ssen wir wie damals, um Friedrichs Worte zu wiederholen, scharf �auf unsere Nachbarn achten, und
bereit sein, uns von heute auf morgen gegen die verderblichen Anschl�ge eines Feindes zu verteidigen".
In der Ueberlicferung seines Hauses fand A�nig Friedrich die Devise vor: �Meine ststicht ist mein Ver-
gn�gen � mon �evoir e^r man pwisir," Diesem Wahlspruch der Gro�muttsr, der philosophischen K�nigin Sophie-
Charlotte, stand zur Seite die 2,Nahnung des Vaters: �Zur Arbeit sind die F�rsten geboren." Der Sohn hat das
Wort weitergegeben. Indem er sich als den ersten Diener des Staates bezeichnete, sagte er sich auch, da� der Vienst
an: Staat nicht ausge�bt werden kann ohne die gewissenhafteste Stetigkeit und ohne die sorgf�ltigste Vorbereitung.
Deshalb warnte er seinen Thronfolger: �Entweder soll man an die Regierung der Staaten sich nicht heranwagen oder
man soll den hochherzigen Entschlu� fassen, sich der Aufgabe w�rdig zu machen und alle Aenntnisse zu erwerben, die
zur Ausbildung eines F�rsten geh�ren, und soll sich in edlem Ehrgeiz dazu anfeuern, keiner der M�hen und keiner
der Sorgen sich zu entziehen, die das Regieren erfordert." wer hat mehr sich auf heitere (ebenskunst, auf einen ver-
feinerten Lebensgenu� verstanden, als der Philosoph von Sanssouci, der sich selbst wohl als eine epikureisch gerichtete
Natur bezeichnet hat! �Zu Sparta hielt ich hoch Athens gepflegte Sitte!" Aber die Schule von Athen lehrte neben
der Freude am teben und an der Sch�nheit auch den herbsten politischen Idealismus, und den gr��ten aller Athener
1 Acta J�orussica (Serie �^eli�rbenorganifatioit und allgemeine Shiatstieitualtuiig"), IX 559.
� * ViZmarck, Gedanken und
Erinnerungen I,2?o, � 3 politische Korrespondenz IV, 58?.
        
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