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Friedrich der Große : Festrede

Full text: Friedrich der Große : Festrede

8neuen ?an?>suu>ad?s noch st�rkere Festigkeit erreicht haben w�rbe, und also ist die Abfolge der Vorg�nge eben die gewesen,
die sein vorschauendcr Vlick a?s die gegebene bezeichnet hatte, anders als im ausgehenden Mittelalter, dessen Aaiser
zun�chst nach der Krone und bann erst nach einer Hausmacht gestrebt hatten.
Auf den, Wasser ist K�nig Friedrich der Begr�nder unserer Handelsmarine geworden; denn aus kleinen
Anf�ngen hat sich w�hrend seiner Regierung die preu�ische Vab-yfiotte, wie man in England damals sp�ttisch sagte,
zu bereits stattlichem Umfang entwickelt. Ver K�nig hat aus gewichtigen Gr�nden an den Bau einer Kriegsflotte
nicht Herangehen wollen, aber doch schon einen ersten Anfang f�r den Zeitpunkt ins Auge gefa�t, da� Danzig in
preu�ischen Vesitz gelangen w�rde. Vanzig ist dann, zu viel sp�terer Zeit, m der Tat die wiege unserer Seemacht
geworden, die Wiege, der sie jetzt l�ngst entwachsen ist. Denn wie einst in einer Zeit lang andauernden Friedens das
Heer geformt uno geschult worden ist, das Friedrichs Schlachten geschlagen hat, Friedrich-Wilhelms I. eiserne Saat, so
ist in unfern Tagen eine neue eiserne Saat aufgegangen und herangereift: Deutschlands gepanzerte Schutzwehr zur
See, die ehernen Mauern, hinter denen wir uns verteidigen k�nnen wie einst die Athener hinter jenen �h�lzernen Mauern".
Das alles waren und sind Akte der Testamentsvollstreckung, die Fortf�hrung seines Werkes in der Richtung,
die der Gro�e A�nig gewiesen hatte, allerdings weit hinaus �ber die Strecke des Weges, die sein Auge noch zu
erkennen vermochte. Und der seither zur�ckgelegte Teil der Fahrl ist so ausgedehnt gewesen, da� die unmittelbare
Empfindung f�r den Zusammenhang mit der Vergangenheit uns schon verloren ging und da� der Ausgangspunkt
erst durch die historische Verachtung uns wieder nahegebracht werden mu�.
Heller und lebendiger stehen vor unserm Blick die gro�en Vilder, f�r die Friedrichs teben den Rahinen geboten hat,
so viele im vollsten Sinne, volkst�mlich gewordene Szenen dieses gewaltigen historischen Schauspiels. Sin republikanischer
Staatsmann und Geschichtsforscher hat sich zu der enthusiastischen Auffassung bekannt, da� �ber allen materiellen Gewinn
ihres geschichtlichen kebens hinaus eine Nation unberechenbar reicher sei durch ihre gro�en Erinnerungen, da� jeder grimme
Feldzug, jede hei�umstrittene Schlacht eine nationale Bereicherung darstelle. Solchen Reichtums haben wir bei uns die F�lle.
Immerhin sind Erinnerungen Imponderabilien, rein ideale G�ter. Aber was uns in Fleisch und Blut �ber-
gegangen ist, wenn auch den meisten heute unbewu�t, das ist der Niederschlag, den Friedrichs Wesen und Wirken inunserm
Nationalcharakter hinterlassen hat. Preu�ens Geschichte ist von einem Vertreter der Rassentheone 2 als Beispiel daf�r an-
gef�hrt worden, wie im hellen kicht der Geschichte eine neue Rasse, mit neuen Eigenschaften ausgestattet, emporkommen
kann. Unsere aus so verschiedenen deutschen Stammen gemischte �neue Abart der germanifchen Rasse" hat einen ihr wesent-
lichen Zug doch erst erhalten in der Epoche, da alle Einwohner des Hohenzollernstaates sich als Preu�en zu f�hlen und ohne
Unterschied sich Preu�en zu nennen begannen. Zu der Disziplin der harten Schule Friedrich-Wilhelms I.traten Selbst-
bewu�tsein, Schwung und Stolz, damals als nach Goethes Wahrnehmung der geborene Preu�e sein Teilan der Glorie des
Gro�en K�nigs sich zueignete und als neben �T�chtigkeit, Strenge, Sch�rfe, T�tigkeit und Ausdauer" auch �wert. W�rde
und Starrsinn" die hervorstechenden Z�ge des preu�ischen Nationalcharakters wurden. Da� die Preu�en sich seitdem als ein
Volk, ein einheitliches Volk, ein ruhmvolles Volk f�hlen, hat Ernst Moritz Arndt, dessen Urteil �ber die Pers�nlichkeit
Friedrichs so befangen war, in unbefangenster weise anerkannt, wenn er den Preu�en nachr�hmte, da� sie nach dem tiefen
Fall von im Gegensatz zu den �brigen Deutschen, �den B�rgern kleiner Staaten und Teilnehmern kleiner Verh�ltnisse",
ohne Ehre nicht mehr gl�cklich sein konnten, weil sie einen unsterblichen Namen, einen gro�en Ruhm wiederemzul�sen hatten.
So ist der Gro�e A�nig seinem Volk ein Erzieher gewesen. Was aber wei� uns dieser Erzieher noch heut'
zu lehren und zu raten?
deutsche Geist sich in ihnen unzertrennlich verm�hlten", und H. non Creitschke hat in feiner Deutschen Geschichte diesen Gedanken der Ver-
s�hnung des Preu�ischen Staates mit de�� Reichtum deutscher Vildung n�her ausgef�hrt. Dabei aber darf nicht �bersehe� werden, da� die
deutsche Stttiiing de? Aufkl�rungszeitalters, d. h. eine geistige Bewegung, wie nach 2l.HarnackZ Urteil (Geschichte der Kgl. preu�. Akal�. d.
wiff.I, H2^) keine seit der Reformation �inNorddeutschland tiefer eingegriffen und kraftvoller umgebildet" hatte, sich mit dem Geist des
Preu�ischen Staates in bewu�ter Nielse verwandt f�llte. Vgl. auch lenz, a. a. �,, I,5; Haym, Wilhelm von Humboldt, 5. 260; Dilthey
in der Deutschen Rundschau XXVI,Heft (0, S. \\8.' Theodore Roosevclt, American Ideals and other essays (1904), p. 25 ff. ��Houston Stewart Chamberlain, Die preu�ische Rasse.
        
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