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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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w�hrend feit dem Code Friedrichs die Anekdolenllteratur
�ber ihn, in gesch�ftige legendenbildung ausartend, Dichtung und
Wahrheit verschmelzend, zu einem wilden Chaos anschwillt, tritt
SdjSning als K�mpfer f�r die Wahrheit auf. Ausdr�cklich erkl�rt
er auch in dem Manuskript von 1,795, es feien �die tm Pilblico
ausgestreute Anekdoten gr��tenteils mit Erdichtungen und l�gen
angef�llt, die tt>en?j[en] echten aber doch unrichtig vorgetragen; sie
alle hier anzuf�hren, 311 widerlegen �der gar zu rectifie! ren, w�re zu
weitl�ufig"/ taufen wir daher in der brausenden ,flut der 2ItieF*
boten Gefahr zu versinken, so stehen wir bei den Sch�ningschen Mit�
teilungen auf dem festen Voden geschichtlicher Wahrheit; denn sie
bilden den Niederschlag der aufmerksamen Veobachtunaen eines
Augen- �nb Ghrenzeugen, eines Mannes, der lange Jahre in
Friedrichs unmittelbarster Umgebung geweilt hat und, wie erw�hnt,
ans lebendig �frischer (Erinnerung berichtet.
Berichten sich selbst gang im Hintergr�nde h�lt. Denn nicht dr�ngt
ihn literarischer Ehrgeiz, feine Erinnerungen an Friedrich nieder-
zuschreiben; diese sollen Fein Memoirenwerk sein. Nur darauf
kommt es ihm an, Falsches zu berichtigen, bas Andenken seines
Herrn Dot Entstellung zu schlitzen. So wahrt er ihm die Treue
auch �ber den Cod hinaus, und so wird auch bas vielberufene wort
an ihm zu Nichte, da� es keinen Helden f�r seinen Kammerdiener
gibt; denn nicht mit den Augen eines Kammerdieners hat er ihn
gesehen.
Der Inhalt der Sch�ningfchen Anekdoten beschr�nkt sich im
wesentlichen auf die Erz�hlung einzelner Z�ge und Ausspr�che K�nig
Friedrichs, die in seiner i.��8 ver�ffentlichten Schrift im Rahmen
eines Charakterbildes zusammengefa�t sind. Dazu treten, gleichsam
als Erg�nzung, Schilderungen einzelner Episoden, Verichtigungen
falscher Anekdoten und endlich die Wiedergabe kleiner Geschichtchen,
wie sie der K�nig an der Tafel zu erz�hlen liebte; denn Friedrich
besa�, so berichtet 5ch�ning in seiner meb.rerwab.nten schrift', �eine
Sammlung von Anekdoten, welche Kaiser, K�nige, F�rsten und andere
particulier� betrafen; diese erz�hlte er sehr oft und wiederholte sie
best�ndig, besonders wenn Fremde dazu kamen, die in diesen Con
noch nicht eingeweiht waren".
Ueber die Pers�nlichkeit Ich�mngZ ist nur wenig bekannt,
was er fr�her gewesen, wissen wir nicht. Im September ("66 Farn
er als lakai in des K�nigs Dienst, wo et brei Jahre sp�ter, im
Herbste (769/ zum Kammerhusaren aufr�ckte.* Aus dieser bescheidenen
Sph�re trat er gegen bas Ende der Regierung Friedrichs hervor.
W�hrend der Krankheit des Monarchen ist er dauernd �m ihn ge>
wesen. �3chVning ist van Allem unterrichtet" � mit diesen Worten
entlie� Friedrich nach seiner ersten Audienz den Ritter von Zimmer-
mann, Don dem Kammerhusaren vernahm dieser denn auch die
ganze Krankheitsgeschichte des K�nigs. Aus Zimmermanns Auf-
Zeichnungen erfahren wir ferner, da� 5ch�ning mit dem Professor
Seile, der Friedrich bisher behandelt hatte, �beinahe in t�glicher
*Ic�rrefi>onben3 w stand, gleichwie er den Briefwechsel zwischen Telle
und Cothenius, dem Leibarzt, verwahrte. 3 3ch�ninZ hat dann den
K�nig bis zum (Tobe gepflegt, er war bei ihm � nur Seile und
der Kammerhufar Neumann waren au�erdem noch zugegen �,
als Friedrich seinen letzten Atemzug tat. (Er gab auch das Sterbe^
Hemde her, mit dem der keichnam bekleidet wurde, �weil", wie
V�fching, wohl auch hier wie f�r die Darstellung der letzten Tage
Friedrichs aus 5cb,5mngs Mitteilungen sch�pfend, erz�hlt, �unter den
Hemden des verstorbenen K�nigs keine gute sondern alle zerrissen
waren".^ 3n Anerkennung feiner treuen Dienste hat Friedrich.
Wilhelm II.ihm darauf den litel als Geheimer Kriegsrat verliehen.
Eine bunte Zusammenstellung aus allen diesen Kategorien,
Altes und Neues, enth�lt auch das Manuskript von I,?Y5, von dem
wir im folgenden eine Auslese zum Abdruck bringen. Diese umfa�t
Erz�hlungen des Kammerhusaren, die ganz oder zum Tel! noch un-
bekannt sind oder einer besonderen Erl�uterung bed�rfen.
wir lassen zun�chst die Erl�uterungen folgen:
Zu I.[Kriegslifinach der Schlacht bei ?iegni^]:Dem Angriff
der (D�fierreifer zuvorkommend, veut der K�nig durch den Sieg �ber
taudon bei tiegnitz am 1,5. August (760 der Gefahr entronnen,
von seinen Gegnern, Vesterreichern und Russen, die dies� und jenseits
der Vder standen, erdr�ckt zu werden. Er eilte, die Verbindung mit
Breslau und dem Heere des Prinzen Heinrich daselbst herzustellen.
Allein ein russisches Korps unter dem General Cschern^schew war
bereits �ber die �ber gegangen, und wiederum liefen die Preu�en
Gefahr, zwischen bas Feuer der Vesterreicher und Russen zu geraten.
In diesem �u�erst kritischen Momente griffder K�nig zu einer Kriegs�
list: er spielte dem General Cschernyschew ein an den Prinzen
Heinrich adressiertes schreiben in die H�nde, in welchem er diesem
feine Absicht er�ffnete, �ber die Russen herzufallen. Allein der
Kriegslist bedurfte es nicht mehr; denn kaum hatte Cfdfernvfdjero
von der Niederlage taudons erfahren, als er selbst eilends �ber die
Gder zur�ckkehrt�. iDieses ganz eigenh�ndige schreiben des K�nigs
an den Prinzen Heinrich, das sich im �sterreichischen Privatbesitz be>
findet, lautet:
Einsichtsvoll, aufmerksam und redlich, so nennen ihn einige
Gew�hrsm�nner, die ihn pers�nlich gekannt. Ausf�hrlicher charak-
terisiert ihn Zimmermann als �Mann von verstand, Gef�hl und
Klugheit, der mit gro�er Ueberlegung, aber wahr und sehr gut
sprach"." Veredter als diese anerkennenden Worte zeuge� f�r
Tch�ning seine eigene� Aufzeichnungen; er bew�hrt sich darin als
ein Mann von Kenntnissen, er gebraucht lateinische Wendungen,
zeigt sich als des Franz�sischen kundig, er wei� geschickt die
Pointe in den Erz�hlungen zuzuspitzen. Jedoch schwerer noch
wiegt die Hingabe an den K�nig, die Vewunderung, die aller
niedrigen schmeichele! ebenso fern bleibt, wie allem hohlen lieber-
schwang, und die pers�nliche Vescheidenheit, mit der er in seinen
ce 15, ? ?archwitz.
Mon cher Fr?re. Mes troupes viennent de remporter
une grande victoire sur les Autrichiens, ils ont perdu
15 000 hommes, nous avons 6000 prisonniers, 3 g�n�raux,
102 canons, 30 drapeaux etc. Laudon est bless� ? mort.
Je profiterai de cet avantage pour passer l'Oder et tomber
sur le corps des Russes que, s'il pla�t au ciel, nous ex-
terminerons. Je n'ai pas le temps de vous en dire davan-
tage; je souhaite seulement que cette lettre voua parvienne
promptement. Votre fid?le fr?re
1Aelml'ch schreibt Neumann (S- 3?): �)ch mu� ,.,versichern, t��tz mir bei
tefung f� oielti linefbottn, die auf Hiiedlich d�, <&tv$*n erschien,� stn>, �fl�� d�
Ungeduld angekommen ist. mich mil den ??erfaf�rrn zu schlagen, dir durch so ungcrtlnitp*
Zeug in Wahrheit dle Majefl�t bflrWtgfti."
�
2 nach im Riditiungm der �ofjlattt�:
faffi imK�nig[.Hausorchw zu Charlotten b�rg. Sein V�haltbetrug j�hilich tot)laier. �
� vgl, Zimmermann. Untnhall>mg�n , 5. 26, 2�. Auch seil� beruf! sich in sein�
Schrlft ��r�mlhrit5ge1ch�chte de, Y�chstseligen K�nigs von pieu�m Ftledrlch� U,
Majest�t" {S. Pat Schreib�� nach b�ni Abdruck bei non Arneil,,
�ei^ld�K marirt.?^trrflas, S�, 6, S. 449 �NXen 1875).
        
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