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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Noch einige lOorte �ber Friedrichs Stellung zu feiner Richte.
Wir sahen, da� er ihre Interessen und w�nsche bei den (E?jcDerrtanb*
lungen vertrat und mit seinen Ratschl�gen ihr zur Seite stand. Und
wir erfahren, bog er, a?s sie vor der Abreise in die neue Heimat
ernstlich erkrankte, mit Teilnahme ihr Geschick begleitete 1,da� er si�
im Sommer (775 in Potsdam mit ihren Schwestern bei sich 311
Gaste sah. Aber dar�ber hinaus verband ihn mit ihr keinerlei
pers�nliches Verh�ltnis wie mit seiner Nichte Wilhelm�!� von
Vranien, mit der er bis an sein Lebensende in dauerndem schrift-
lichem Gedankenaustausch stand.
Landgrafen bis zur Ersch�pfung tanzen; ? ober 8 V�lle hat es �lach�
einander gegeben. Die alten Knasterb�rte und die ehrV�rdigen
Greise sind nicht dabei gewesen, wenn man sich aber mit 52 Jahren
verheiratet, mu� man den J�ngling spielen, wie es der landgraf
tut." Endlich am 50. Januar meldet Friedrich seiner Nichte nach
dem Haag: �Heute ist soeben der landgraf abgereist. M�chtest Hu,
liebes Kind, wohl glauben, da� niemand mehr tanzen wollte, und
da� selbst die jungen leute alle es satt hatten? Jetzt bin ich wieder
allein." Und er schlo�, im R�ckblick auf die Zahl der von ihm seit
(765 verheirateten Neffen und Nichten, mit den Worten, die gleich"
fom den Epilog zur verm�hlungsfeier Philippinens bilden: �Ich
glaube, mit allen Hochzeiten am ?nbe zu fein; denn der Kampf
erlischt aus Mangel an Streitern." 1
was ihre ferneren lebensschicksale betrifft, so fehlen uns
dar�ber genauere Nachrichten. Ihre Ehe mit lanograf Friedrich
blieb kinderlos. Als er am 3!., (Oktober IT85 starb, kehrte sie wieder
nach Berlin zur�ck, wo sie am 5. Mai *8oo dem Gemahl im Code
nachfolgte.1VerK�nig an Henrich, 16. und Dcj*mt>er; an Wilhelm,!� non 0)t�nien,
22. T>titmbti �772, \\. t \. 33, 5, (.T3, 452.
Jl*?, 20l. 229. lvgl. p.C., �b. 33, S. 358, 3fiOf� 370.
Friedrich der Gro�e und sein Kammerdiener
5(^�ttiTig, Ein Veitiag zur Anekdotenliteiatur. Von
Gustav Verthold Volz.
Friedrich II.Don Preu�en", die der bekannte Berliner Schriftsteller
Friedrich Nicolai in 6 Heften von (789 bis (792 ver�ffentlichte.
Um ein m�glichst vielseitiges 23il�> von dem K�nig zu geben, hat
Ungei alles aufgenommen, wa5 nur irgend auf Friedlich NeZug hatte.
Aus gedruckten Werken wiederholt er vieles, aus den Schriften �nb
Korrespondenzen des K�nigs bringt er eine Anzahl von St�den in
deutscher Uebcrfe^ung. Dazu f�gt er die F�lle neu� Mitteilungen,
ohne indessen feine Gew�hrsm�nner 311 nennen. So braut er ein
seltsames Ragout zusammen, in welchem selbst die l�cherlichsten
Absurdit�ten nicht fehlen. Im ganzen sind die von ihm mit'
geteilten Anekdoten nur wenig glaubw�rdig, und mit Recht hat
Nicolai an ihnen scharfe Kritik ge�bt. Nicolai seinerseits befa� gute
Verbindungen, er kannte eine Reihe ma�gebender Pers�nlichkeiten
und lie� sich bei seinen Nachforschungen keine Muhe verdrie�en.
Daher verdient auch fein Werk vor den Ungerschen �Sammlungen"
den unbedingten Vorzug, wenngleich auch feine Angaben keineswegs
alle �ber jeden Zweifel erhaben sind.
ImJahre fso� erschien im Verlage de? Verliner Buchh�ndlers
Ferdinand Gehmigke des kelteren eine kleine Schrift mit dem Titel:
..Friedrich II., K�nig von Preu�en. Heber feine Person und fein
Privatleben." Als Verfasser war Friedrichs letzter Kammerhusar,
Sch�ning, genannt, der sie, laut Mitteilung in der �Vorrede des
Herausgebers", diesem mehrere Jahre vor seinem Tode �zum be-
liebigen Gebrauch" �bergeben hatte. Einfach und schlicht ist bas
Vnchlein geschrieben: Sdj�ning schildert zun�chst die �u�ere Erscheinung
des K�nigs, seine Tages- und Iahreseinteiluna, um dann seine Ge-
wohnheiten und pers�nlichen Neigungen, Ton und Art im Umgang,
seine Anschauungen, im besonderen die religi�sen, darzustellen.
Die Aufzeichnungen beginnen mit den Worten: �was indieser
Schrift �ber den gro�en K�nig mit aller Treue und Wahrheitsliebe
gesagt wird, soll vorz�glich dazu dienen, vorgefa�te Meinungen zu
berichtigen und dem leser ein treues Vildvon dem Privatleben dieses
au�erordentlichen Mannes darzubieten." Damit charakterisiert sich das
N�chlein als Verteidigungsschrift.
Noch zwei weitere Schriften, die beide ;?ys erschienen, sind
in diesem Zusammenhang zu erm�hnen. Die erste stammt von den,
ber�hmten hannoverschen Arzte, Ritter von Zimmermann, der im
Sommer i.?86 nach Potsdam berufen war, und der nun �ber seinen
Aufenthalt bei dem todkranken K�nig Vericht erstattet. Das Auch
f�hrt den Titel: �Ueber Friedrich den Gro�en und meine Unter'
redungen mit ihm kurz vor seinem Tode." Die Schrift enth�lt
mehr, als der Titel besagt, da sie in der zweiten H�lfte eine
Charakterschilderung Friedrichs bringt; Zimmermann erweiterte sie
darauf zu einem dreib�ndigen Werke (�Fragmente �ber Friedrich den
Gro�en zur Geschichte seines lebens, seiner Regierung und seines
Charakters"), das !?yo ver�ffentlicht wurde.' Hatte Zimmermann
kein Vedenken gelragen, in seinen Schriften eine Reihe von Anek'
Voten aus den Ungerschen �Sammlungen" zu wiederholen, so �ahm
der Oberkonststorialrat V�fching in der Vorrede zu seiner Schrift �ber
den �Charakter Friedrichs II., K�nigs von Preu�en"' ihnen gegen�'
�ber einen schroff ablehnenden Standpunkt ein, der noch, wie wir
sehen werden, zu einer besondere� Auseinandersetzung mit dein
Herausgeber der Ungerschen �Sammlungen" f�hrte. Gleichwie
Zimmermanns Vericht �ber seine Unterredungen mit K�nig Friedrich,
Um seine Bedeutung recht zu verstehen, m�ssen wirkurz einen
Vlick auf die Friderizianische Anekdotenliteratur weifen.
Kaum hatte der K�nig am August 4?86 die Augen ge�
schloffen, da ergo� sich eine Flut von Schriften auf den �ffentlichen
Markt. Dir goldenen Tage der Friderizianischen Anekdote brachen
an. Denn nicht nur in den zahllosen jetzt erscheinenden Darstellungen
von dem leben des K�nigs bildeten sie, mitten eingestreut oder am
Schl�sse angeh�ngt, einen Hauptbestandteil, fondern sie wurden auch
zu gr��eren, selbst�ndigen Sammlunge� vereint. Altes und Neues
wurde in ihnen zusammengefa�t, in wirrem Durcheinander, eine
bunte Heerschau von Anekdoten.
Zwei Werke sind es, die hier an erster Stelle stehen, die fast
s�mtliche landl�ufige Geschichtchen umfassen und bis auf den heutigen
Tag noch von den Anetdotensammlern ausgesch�pft werden: Die
�Anekdoten und Charakterz�ge aus dem keben Friedrichs U.", die
in l,y N�ndchen oder �Zammlungen", wie es auf dem Titel hei�t,
w�hrend der Jahre l?8s bis II89 von dem Verliner Verleger
Johann-Friednch Ung� herausgegeben wurden (im folgenden zitiert:
Ungersche Sammlung)', und sodann die �Anekdoten von K�nig
1�Stqtn diese� Vuch wandten sich mit schaif� Kritif d� bereits jrnanntP
Nicola! und SlanrfenbHtrg in dn anonymen S(()tlft: �Freim�tige Anmerkungen �b� tieft
?)errn Rittet� non Zimmermann Fragmente �b�r Friedlich den Gro�en von einigen
br�nl)PnbHtglf(tf�i Patriot?�" (2 Hefte, 33eilin und Sttttin 1791/92).
� 'Sie erschien
als S, Tel! t�rr �Beitr�ge zu der t�l>tn�K�sch!chte bfnfiP?rCigfr perlenen' (Emilie I?��)!jltiert: Vllsching, Friedrich II,
� Vies� sainmlun, bildet den Grundstock d� 1198 gl�ichf<,U� im Ung�fchen
verleg rricWnifnni brribdnWfl*� �Ctforaffrii�if Jtirt�rid)i n. K�nigs von Preu�en',
all deren r>ifasser sich Im PoriPort ?. G. V. Stein ntnrit.
        
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