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Zwei Gedichte Friedrichs des Großen in deutscher Übertragung

Full text: Zwei Gedichte Friedrichs des Großen in deutscher Übertragung

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Publikums, denen die Staatslenker auggesetzt sind, wird die Unzuverl�ssigkeit der franz�sischen Politik einseitig und
ausschlie�lich als Beweggrund f�r den Friedensschlu� hingestellt. Nach der strategischen Regel, die Friedrich seinen
Generalen oft eingesch�rft hat, da� die st�rkste Form der Defensive die Vffenswe sei, hat der Verfasser der Gde seinein
alten, ticfgeu>ur3elten Mi�trauen gegen den Kardinal Fleury hier noch einmal lebhaftesten Ausdruck gegeben.
Und das um so mehr, als eben jetzt Voltaire den Teiler der franz�sischen Politik als den Mann des Schicksals
angesungen hatte. Demi Voltaires Vde auf den Krieg von durch die der K�nig von Preu�en unmittelbar zu
feiner poetischen Behandlung desselben Gegenstandes veranla�t wurde, richtet sich nicht nur �an die K�nigin von
Ungarn, Mana
-Theresia von Vesterreich", wie die �berschrift desagt, sondern ebenso oder noch mehr an den "Kaxbinal
Fleury. Nur in den beiden ersten Strophen wird Maria-Theresia angeredet, die Tochter der Helden, die den:
Deutschen Reich Herren waren, die hochherzige Prinzessin, die der Achtung aller ihrer Feinde sich erfreut und die der
Franzose (�dont le go?t de la gloire est le seul go?t durable") bek�mpft und bewundert, anbetet und bedr�ngt.
Voltaires Gde enth�lt des weiteren das Verdammungsurteil �ber den Krieg der Koalition gegen diese F�rstin: das
stolze Deutschland ist durch befremdliche Vande, wider feinen willen, an das franz�sische Reich gekn�pft und gibt in
diesem Zustand f�r ganz (Europa einen Gegenstand des Vedauerns ab; der lange Kampf zwischen Deutschland und
Frankreich war hundertmal weniger grausam als jetzt ihre traurige Freundschaft. K�nige, die Wohlt�ter hei�en wollen,
geben den Vefehl zur Verheerung aus, k�nden die Ruhe an und entfesseln den Sturm; sie vermeinen die zitternden
V�lker zum Gl�ck zu f�hren auf den blutigen Pfaden des Unheils. Darum wird Fleury aufgefordert, mit seiner
aUgeachteten Hand die blutbefleckte Pforte des Janustempels zu schlie�en. Fleury, der verchrungsw�rdige Greis, dem
das Geschick die Jahre des gl�cklichen Nestors zuteilte, der Weise, den nichts beunruhigt und nichts �berrascht, er soll
die Welt des tiefen Friedens, der seine eigene Seele erf�llt, nicht berauben. Und endlich werden die K�nste, die T�chter
des Himmels, des Friedens und der Grazien, gepriesen, die K�nfte, deren Fortschritte das Pfand der Unsterblichkeit
sind, w�hrend alle jene Staatsv ertrage, die gebrochen werden und das Gemetzel nach sich ziehen, jene gepriesenen, aber
eitlen Eintagstnumphe vergehen und in die Nacht des Grabes sinken.
Voltaire mu�te sich sagen, da� diese seine Vde in mehr als einer Beziehung seinem erlauchten G�nner, dem
A�nige von Preu�en, nicht gefallen w�rde. Es galt also, eine unbefangene Miene anzunehmen. Der Abschlu� des
preu�ischen Friedens mit Vesterreich bietet eine Ankn�pfung, er�ffnet dem findigen Poeten eine Hintert�r. Der Augen-
blick ist g�nstig, dem K�nig diese stammende Deklamation gegen den Arieg, ehe sie ihm von dritter Hand zugetragen
wird, zu �berreichen. �Hier eine Gde," schreibt ihm Voltaire Anfang Juli, �die ich gegen Euch Monarchen hinkritzelte,
die Ihr damals darauf versessen schient, meine Mitbr�der, die Menschen, zu vernichten." Voltaire erw�hnt dann, da�
er unmittelbar nach der Abfassung seiner Vde die Nachricht von dem Abschlu� des Vreslauer Friedens erhalten habe,
und f�hrt fort: �Ein sehr guter Vertrag. Sehr gut f�r Sie ohne Zweifel; denn Eure Majest�t hat Ihren tugendhaften
Geist geschult, auch sehr politisch zu sein. Aber ob dieser Vertrag gut f�r uns Franzosen ist, dar�ber zweifelt man in
Paris. Die eine Halft? schreit, da� Ihr unsere keute dem Velieben des Waffengottes preisgebt, die andere H�lfte schreit
auch, und wei� nicht, worum es sich handelt; ein paar Abbes von Saint-Pierre segnen Euch inmitten der Schreierei.
Ich bin einer dieser Philosophen, ich glaube, da� Sie alle M�chte zwingen werden, Frieden zu schlie�en, und da� der
Held des Jahrhunderts der Friedenspender f�r Deutschland und Europa sein wird. Achill ist geschickter gewesen als
Nestor; gl�ckliche Geschicklichkeit, wenn fie zum Gl�ck der N)elt beitr�gt."
A�'nig Friedrich also blieb die Antwort auf diese Gde und diesen Begleitbrief keinen Augenblick schuldig.
�Mein lieber Voltaire," schreibt er an, 25. Juli 5?H2, �ich bezahle Sie nach Art der gro�en Herren, d.h. ich gebe
Ihnen eine sehr schlechte Gde f�r die gute, die Sie mir geschickt haben, und noch mehr, ich verdamme Sie dazu, sie
zu korrigieren, um sie besser zu machen ... Die K�nigin von Ungarn ist h�chst gl�cklich, einen Sachwalter gefunden
zu haben, der sich so trefflich wie Sie auf die Spitzfindigkeit und die Verf�hrungsk�nste der Sprache versteht. Ich
begl�ckw�nsche mich, da� unsere H�ndel nicht vor Gericht geschlichtet weiden; denn in Anbetracht Ihrer Gesinnungen
f�r diese K�nigin und in Anbetracht Ihrer Talente h�tte ich gegen Apoll und Venus nicht stichhalten k�nnen."
        
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