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Zwei Gedichte Friedrichs des Großen in deutscher Übertragung

Full text: Zwei Gedichte Friedrichs des Großen in deutscher Übertragung

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sichern, obgleich bei Veginn des Kampfes das franz�sische Kriegsmamfest verk�ndet hatte, da� K�nig Ludwig keine
vorteile f�r sich begehre, sondern lediglich f�r die Freiheit der polnischen K�nigswahl zugunsten des Plasten Stanislaus
gegen den von Ru�land und Gesterreich unterst�tzten s�chsischen Kurf�rsten die Waffen erhebe.
Friedrich bezeichnete damals in einem vertraulichen Vrief an einen der Staatsm�nner seines Vaters, den
General Grumbkow, diesen Friedensschlu� des Kardinals Fleury als eine Probe der feinsten Hinterlift, zu der je
ein Minister gegriffen habe; denn Frankreich habe seine Erkl�rung zugunsten der polnischen IVahlfreiheit nur als
Deckmantel f�r seine Umtriebe und seine uners�ttliche Vergr��erungsgier benutzt. Der Kardinal Fleury aber hie�
ihm seitdem der Machiavel! in der Kutte, der Machiavel! in der Mitra, der geweihte Machiavel!, der �dem
Himmel dient und die Welt betr�gt".
Diesem Staatsmanns also, der ihm als der Typus des falschen Freundes und unzuverl�ssigen Verb�ndeten galt,
sah der junge F�rst sich gegen�bergestellt, als er am 3^.Mai 4?H0 den preu�ischen Thron bestieg. /,wer wird sich
k�nftig diesen teuten anvertrauen d�rfen!" so hatte er vor f�nf Jahren emp�rt ausgerufen. Jetzt sah er sich von eben
diesen Franzosen umworben. Man versteht, da� er nur z�gernd die ihm zum V�ndnis dargebotene Hand ergriff und
schnell sie wieder loslie�. Ghne einen Verb�ndeten in den Kampf gegen Gesterreich eingetreten, w�re er doch bereit
gewesen, an Vesterreichs und Englands Seite seine Waffen gegen Frankreich zu kehren, wenn ihm unter englischer
vermittelung Niederschlesien abgetreten worden w�re; noch nach der ersten Schlacht kam er auf diesen Vorschlag zur�ck.
Die starr ablehnende Haltung des Wiener Hofes veranla�t dann den K�nig von Preu�en, sich auf die entgegengesetzte
Leite zu stellen. Aber noch kurz vor Unterzeichnung des preu�isch-franz�sischen V�ndnisses vom 5.Juni ;?<^ sagte er
zu dem franz�sischen Gesandten im R�ckblick auf den Frieden �Mein Freund, ich habe immer den K�nig von
Sardinien vor Augen, dem Frankreich Mailand versprochen hatte, und der nichts bekommen hat." Er war entschlossen,
sich nicht in derselben weise �bervorteilen zu lassen.
Ver franz�sische Marschall Velle-Isle hat nachmals in einer f�r K�nig tudwig XV. bestimmten Denkschrift
einen wesentlichen Faktor in dem ZersetzungKproze� des preu�isch-franz�sischen V�ndnisses selber scharf hervorgehoben: die
langsamkeit und die Fehler der Kriegf�hrung auf feiten der Verb�ndelen Preu�ens � die alte und ewig neue Ursache
des Mi�erfolgs und der Aufl�sung der Koalitionen. Die milit�rischen Leistungen der einen Partei entsprachen nicht
dem, was die andere erwartete und was ihr versprochen war. wenn man nicht alles erf�lle, was man verhei�e, so
hatte der K�nig von Preu�en bald nach Unterzeichnung des V�ntmiffes dem franz�sischen Gesandten in erregter Rede
erkl�rt, so k�nne man sich auf ihn nicht mehr verlassen als auf das Taub imNovember. Er hatte mit d�rren Worten
hinzugesetzt: Lin langer Krieg kann mir nicht zusagen. Darin lag der Schl�ssel seines Handelns. Er vermochte
angesichts der schlaffen und wirkungslosen Kriegf�hrung Frankreichs die Besorgnis nicht zu �berwinden, da� er in dem
allgemeinen Schiffbruch der Koalition seinen bereits gesicherten, mit den eigenen Waffen erftrittenen Gewinn wieder
verlieren k�nne. In solchen Erw�gungen hat er unter Benutzung britischer Dienstwilligkeit die F�hlung mit dem
wiener Hofe nie ganz aufgegeben. Die Ende April ihm zugehende Meldung seines Vertreters am Hof des
neuerw�hlten wittelsbachischen Kaisers, da� ein franz�sischer Agent Largis seit vier bis f�nf Wochen wegen des Friedens
in Wien verhandle, lie� ihn in jenem Augenblick den Vorsatz aussprechen, um jeden preis den Franzosen zuvorzukommen.
Doch bedurft� es noch des Sieges von Chotusitz, um die Abneigung Maria-Theresias gegen einen Frieden mit dem
Verlust von Schlesien zu �berwinden.
Der Kardinal Fleury hat immer beteuert, da� die Nachricht von der Sendung jenes Fargis nach Wien des
Grundes entbehre, auf einem Mi�verst�ndnis beruhe, und wir werden in der Tat anzunehmen haben, da� Fargis eine
mythische Gestalt gewesen ist. Der K�nig von Preu�en hatte an seinem Teile alle Veranlassung, mit der durch einen
seiner diplomatischen Verichterstatter ihm zugehenden, so weittragenden Meldung politisch zu rechnen. Immerhin ist
diese Meldung f�r seinen Friedensschlu� nur ein Grund unter vielen gewesen und nicht der entscheidende geblieben.
Da� er diesen Grund bei Abwehr der ung�nstigen Veurteilungen, die der Vreslauer Friede fand, in das vordertreffen
f�hrte, war unter dem publizistischen Gesichtspunkt das Gegebene; denn in unserer Ode �ber die unbilligen Urteile des
        
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