Path:
Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

172
Das wird Dir mehr Nutzen bringen als ailes andere. Will man etwas in der Welt werden, so mu� man das
N�tzliche vom Angenehmen, das Solide vom Frivolen unterscheiden. Das Vergn�gen darf Dich niemals hindern,
Dich mit den Dingen zu besch�ftigen, die tausendmal mehr Bedeutung f�r Dich haben als Deine Bagatellen.
Denke daran, ich bitte Dich darum." Nach diesen Ausf�hrungen, insbesondere nach den Selbstbekenntnissen- Friedrichs
weiden wir also nicht annehmen d�rfen, da� er in seiner fr�hen Jugend sich ernstlich und tiefgehend mit den Wissen-
schaften besch�ftigt hat. Dem widerspricht nicht, da� er eine 3775 B�nde umfassende Bibliotr/ef besa�. Denn der
von Friedl�nder in seinem Aufsatz �ber den verkauf dieser Bibliothek ldem K�nig unbeglaubigt zugeschriebene Aus-
spruch: �La biblioth?que c'est l'homme" hat doch nur dann seine Berechtigung, wenn wir ihn in dem Sinne auf-
fassen, da� die kekt�re den Menschen charakterisiert. Das tut sie, ebenso wie man aus dem Umgang eines Menschen
Schl�sse auf seine Wesensart und Sinnesrichtung ziehen k�nnen wird. Geselliger Verkehr und B�cher werden nicht
nur von Goethe in vergleich gezogen, der von einer faden Gesellschaft sagt: �w�ren's B�cher, ich w�rd' sie nicht
lesen," sondern auch von Friedrich dem Gro�en. Der Gedanke zieht sich durch sein ganzes Leben hindurch. Aus
Rheinsberg, wo die gro�en M�nner des Altertums und die Schriftsteller seiner eigenen Zeit �seine Gesellschaft bilden"
(Briefe an den Grafen Schaumburg-tippe vom September J738 und 15, Februar \73% schreibt er ratend und tr�stend
an den in Vraunschweig in der Verbannung lebenden Dul7an; er solle sich viel mit den B�chern und wenig mit den
Menschen abgeben; da man jene ancienne compagnie" �berall wiederfinde, lasse fie uns den Wechsel des (Drtes
weniger schmerzlich empfinden (^. August B�cher, Tinte und Denken lasse einen nie im Stich, in welcher
Lage man auch sei. (An Algarotti, aus B�hmen 29. Mai (7^2.) ?r selbst ziehe daher die Unterhaltung mit den Coten
der mit den (ebenden vor und k�nne, wenn er die guten B�cher jener lese, gern auf biefe verzichten. Mit den Menschen
der Zeit des Augustus verkehre er so eifrig, da� er seine Zeitgenossen bald nicht mehr kennen werde, wie der ver-
storbene 3 an die Stra�en von Berlin nicht kannte. �Xn Darget, 25. Februar \75^.) Der Verkehr mit den Menschen
hatte Friedrich gezeigt, da� die B�cher zuverl�ssigere Freunde seien, da� der pers�nliche Umgang mit den Gelehrten
oft weniger sch�tzenswert fei als das Genie�en ihrer B�cher, in denen sie die Quintessenz ihres Geistes und die
M�glichkeit eines Verkehrs geben, der durch ihre menschlichen Schw�chen nicht getr�bt wird, und da� man ein Buch
weglegen k�nne, wenn es einem behagt, die Unterhaltung mit Menschen aber auch ertragen m�sse, wenn sie einem
l�stig falle. Aus den Bibliotheken allein, also aus den V�cheroorr�ten, die ein Mensch besitzt, auf seine geistigen Inter-
essen schlie�en zu wollen, hat, zumal bei f�rstlichen Bibliotheksbesitzern, nicht immer feine Berechtigung. Aber auch
bei gew�hnlichen Menschenkindern ist in dieser Hinsicht Vorsicht geboten. So manche B�cherei, die in sch�nen B�nden
wohlgeordnet im Schranke steht, dient doch nur dekorativen Zwecken; sie ist nie des Besitzers geistiges Eigentum
geworden. ?s gibt eben Menschen, die den Ankauf von B�chern mit dem Aneignen ihres Inhalts verwechseln 2,
andere auch, die bei der Anschaffung des Buches die beste Absicht haben, es zu lesen, die aber des tebens Hast nicht
zu der dazu notwendigen Mu�e kommen l��t, vielfach sind V�chersch�tze vererbt, durch Sammlungen mehrerer vor-
fahren vereinigt. Auch diese k�nnen keinen Ma�stab f�r das lesebed�rfnis des augenblicklichen Besitzers abgeben*
Besonders vorsichtig aber werden wir, wie gesagt, bei Bibliotheken von regierenden F�rsten urteilen m�ssen. 3n ihren
Bibliotheken findet so vieles Aufnahme, was mit der Wesenheit und den Interessen der betreffenden Pers�nlichkeit nichts
zu tun hat, da� wir in ihnen keineswegs einen Spiegel ihres Geisteslebens sehen d�rfen. Das dem Besitzer Eigen-
t�mliche in solcher B�cherei wird erdr�ckt durch die Masse des unabh�ngig von feiner Auswahl durch Zusendungen
von Beh�rden, K�rperschaften und privaten hinzugekommenen Bestandes. Die B�cher, die seine geistige Nahrung
bilden, die ihm ans Herz gewachsen und Vegleitb�cher feines Gebens geworden sind, wird er in feiner unmittelbarsten
N�he zu einer Handbibliothek vereinigen.
wieder anders liegt die Sache bei der Iugendbibliothek Friedrichs des Gro�en, wir d�rfen weder aus ihrem
Umfang noch aus ihrem Inhalt schlie�en, da� sie �der Gediegenheit der Geistesrichtung des Aronprinzen das g�nstigste
1 Zeitschrift f�r preufj. Geschichte und lcmdeskunde �86?, VI, <.
�
a Schopenhauer, Parerga IT, 596.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.