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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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und Wahrheiten", schreibt Friedrich von Rheinsberg aus seinem Lehrer Duhan. Auch in poetischen Worten bereut
er in der an ihn gerichteten Epistel seine fr�here Abneigung gegen ernste Arbeit. Sie lauten in der Uebersetzung:
,,!va'r' ich immer den kehren der himmlischen Weisheit gefolget!
Doch mit Sirenengesang bezaubert das Herz die Zerstreuung,
Die uns in tausend Gestalten umgaukelt, und et}' wir es merken,
)st all unser Vem�hn und bas eifrigste Streben vereitelt.
Ach, sie verlockte auch mich im Alter der fr�hlichen Zugend;
St�rmische Neigungen f�gten mich bald vom richtigen weg ab/"
Neben Duhan war es Friedrichs �ltere Schwester wilhelmine, die ihn zur kekt�re anspornte. Er selbst neigte
zum Umherschweifen und Nichtstun. �U?issen Sie," fragte der A�nig seinen Vorleser de Catt am 21.. Mai �wem
ich diesen Geschmack an den Studien, der mehr als alles andere den Reiz meines tebens ausmacht, verdanke? Meiner
Schwester wilhelmine. Da sie sah, da� ich niemals den Versuch machte, mich zu besch�ftigen und zu lesen, und da� ich
nur Freude daran hatte umherzulaufen, sagte sie mir eines Tages: ,Aber, lieber Vruder, sch�men Sie sich denn nicht, sich
fortw�hrend herumzutreiben? Ich sehe Sie nie mit einem Vuch in der Hand. Sie vernachl�ssigen Ihre Talente, und
welche Rolle werden 'Sie spielen, wenn Sie einst zu einer solchen berufen werden?' Diese Ansprache und einige Tr�nen,
die ihr folgten, r�hrte mich sehr, ich machte mich an die tekt�re, begann aber mit Romanen." Bei einer anderen
Unterredung mit de Catt am Gklober l.?58, kurze Zeit vor dem Tode der schon kranken Schwester, ber�hrt Friedrich
noch einmal ihre Verdienste um seine geistige Ausbildung-. �Sie hat mich zur Arbeit angeregt, sie lie� mich erkennen,
da� jeder Mensch, jeder sirinz, besonders aber einer, der einmal zur Regierung berufen ist, sich rechtzeitig an die Arbeit
gew�hnen mu�, da� er alle seine Geistesgaben und Ar�fte anwenden mu�, um sich gediegene Aenntnisse zu erwerben,
um sich mit ihrer Hilfe in den Stand zu setzen, einst gut zu regieren." Der Arinz kam nun, wie IVilhelmine in
ihren Denkw�rdigkeiten erzahlt, jeden Nachmittag zu ihr, und sie lasen dann zusammen. Sie versorgte ihn mit V�chern,
die er in die Tasche steckte, wenn er in Wusterhausen auf die Jagd ging oder wenn er nachts im Vett lesen wollte.
Sein Vater halte den strengen Vefehl ausgegeben, ihn am kesen zu hindern. �Ich mu�te also meine Ma�nahmen
ergreifen," so erz�hlt er de Tatt in demselben Gespr�ch, �um mich beim kestn nicht ertappen zu lassen. Wenn mein
Gouverneur, der General Fink, und mein Kammerdiener schliefen, kletterte ich �ber das Vett meines Kammerdieners
und ging ganz ganz leise in ein anderes Zimmer, in dem am Aamin eine Nachtlampe stand. Vei dieser kamve kauerte
ich mich nieder und las den f)eter von der Provence 2 und andere B�cher, die meine Schwester und einige andere
zuverl�ssige teute mir verschafften. Diese n�chtliche tekt�re hielt eine weile lang an. Als aber der General eines
Nachts husten mu�te, fa�te er, da er mich nebenan nicht h�rte, nach meinem Vett und rief, als er mich nicht fand:
,Mein Prinz, mein Prinz, wo seid Ihr?' Alles kam in Bewegung, ich h�rte Ger�usch, lief schnell in mein Vett
und sagte, ich h�tte ein Bed�rfnis gehabt. Man glaubte mir, aber ich wagte es nicht wieder, mich auf solche Sachen
einzulassen; es h�tte gef�hrlich werden k�nnen." Der A�nig kannte die Neigungen seines Sohnes und schrieb ihm noch
nach A�strin s28. August 5?3^: �Du hast allezeit gesuchet Dich zu schonen und lieber ein franz�sisch Vuch, 6e5 dons
mot� oder ein Aom�dienbuch oder das Fl�tenspiel gesuchet als den Dienst oder Fatiguen." Bratuscheck sucht es in
dem bereits erw�hnten Buch (S. 2?) wahrscheinlich zu machen, da� Friedrich in seinem zehnten Lebensjahr auch Fsnelons
Telemach gelesen habe. Er selbst kommt in einem durch ein Gedicht eingeleiteten Brief an d'Argens vom 22.Oktober 1.762
auf seine Iugendlekt�re zu sprechen: �Inder Vl�te meiner Jahre besch�ftigte ich mich mit Gvid oder ich folgte Rinaldo
in den Palast der Armida 2, und als ein Flaum mein Ainn beschattete, fand ich an Sophokles, Horaz und Cicero
1 Vratuscheck, a. a. 
    
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