Path:
Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

182
In den Friedensjahren zwischen den Schleichen und 6�m Siebenj�hrigen Kriege war die Zeit f�r das Erscheinen
des Vorlesers die stunde von 6�7 Uhr abends oder auch etwas fr�her vor dem Konzert. Hm Feldzug wechselt
die Zeit f�r die kekt�re und die literarischen Besprechungen je nach den Verh�ltnissen. Nur sehr selten kommt der
K�nig noch vor Tisch dazu, allein etwas kekt�re vorzunehmen. Nachmittags um H U??r soll sich de Catt einfinden
und bis 6 bleiben, oft aber wird es auch sp�ter. 3m Winterquartier in Dresden \758 l��t er ihn um 6 Nhr kommen
und beh�lt ihn gew�hnlich bis JO Uhr bei sich, in Breslau im Anfang des n�chsten Jahres von 5�7, in Freiberg
im Winter \?6O las er von H�5 allein, lie� de Catt dann zur Unterhaltung kommen und las am Abend von
7� Uhr allein weiter. Es ist ganz nat�rlich, da� sich eine Regelm��igkeit nur in stillen Winterszeiten durchf�hren
lie�. Sehr schmerzlich ist es dem K�nig, da� er w�hrend des Gebrauches der V�der in tandeck so wenig zur
tekt�re kommt; er kann dort t�glich nur vier Stunden lefen. Wenn er dagegen recht viel gelesen hat, ist er zufrieden wie
ein K�nig.1 Inseinen letzten Lebensjahren J78^�^786, �ber die wir hinsichtlich feines Lesestoffes durch die Schrift feines
Vorlesers Dantal Les d�lassemens litt�raires ou heures de lectures de Fr�d�ric II,Elbing (79^, bestens unterrichtet
find, mu�te der Vorleser im Winter um 6, ? oder 8, im Sommer um H, 5 oder 6 Uhr erscheinen. Die Zeitdauer der
?eft�re war ganz unbestimmt, manchmal mu�te Dantal drei Stunden hintereinander vorlesen, besonders w�hrend der
Zeit des Karnevals im Jahre 1786, den Friedrich nicht mehr in Berlin mitmachte, waren durch Revuen oder
Inspizierungsreisen l�ngere Unterbrechungen der tekt�re 'vorauszusehen, so wurden nur V�cher von geringem Umfang
vorgenommen, wie tustspiele von Moli?re oder die Dialoge des tucian. Vom Ende Juli I,786 ab wurden die Cefepaufcn
infolge der sehr geschw�chten Gesundheit des K�nigs immer gr��er. Dantal kam zwar zu ihm, las aber nicht und
wartete, wenn der K�nig einschlief, bis \O Uhr. Das letzte Vuch, das er ihm vorgelesen hat, waren die beiden
historischen Schriften von Voltaire: Le si?cle de Louis XIV und Le pr�cis du si?cle de Louis XV, Als
er bei der Schilderung der Schlacht bei Ro�bach an die Worte kam: �Friedrich fa�te, von so viel Feinden umgeben,
den Entschlu�, mit den Waffen in der Hand in den Reihen der Armee des Prinzen von Soubise zu sterben,"
rief der K�nig, so krank er war, mit lauter Stimme: �GH, oh, da war noch kein Grund zu sterben." Am
30. Juli \ 7&6 hat Dantal zum letzten TNale vorgelesen. Er war � wir werden �ber ihn und die anderen
�lecteurs" des K�nigs in einem sp�teren Aufsatz noch ausf�hrlich zu sprechen haben � der einzige von den in diese
Stelle Berufenen, der ausschlie�lich zum Vorlesen angestellt wurde. Die anderen lasen nur feiten. Ihre Aufgabe war
mehr die, den� K�nig die M�glichkeit zu bieten, sich �ber literarische Erscheinungen und oft auch �ber andere Dinge
auszusprechen. ?r las gern selbst, so da� de Catt einmal nicht ohne berechtigten Grund sagen konnte, nicht er sei
des K�nigs, sondern der K�nig fein Vorleser gewesen. Der Vorleser mu�te langsam lesen, ohne den Cou sinken zu
lassen und ohne zu deklamierend Friedrich selbst las mit gro�er pers�nlicher Anteilnahme und bisweilen mit solcher
inneren (Erregung, da� er bis zu Thranen ger�hrt wurde. Fand er aber einen Vers oder eine Prosastelle nicht gut
und wollte er deswegen beim Vorlesen den Gindruck mindern, so las er �modo singulari", wie Catt sich einmal
ausdr�ckt, und schikanierte" dann den Schriftsteller, indem er die Worte auseinander zog oder den Zusammenhang
aufl�ste.' Als er einmal de ri6ates vorliest, bittet er, zwischen jedem Akt eine Prise Tabak
nehmen zu d�rfen. Oft unterbrach er das Vorlesen aber auch durch Rezitationen. Durch Auswendiglernen von
Jugend an, durch m�ndliche Wiederholung und Besprechung des Gelesenen und durch feine Ausz�ge hatte er den
gr��ten Teil dessen, was er gelesen hatte, sich zum geistigen (Eigentum gemacht. �Ich lerne oft auswendig, was nur
in Prosa oder in Versen besonders aufst��t, und wenn ich besonders zur Zeit, wo ich mich in die Winterquartiere
begebe, im wagen fahre, dann pr�ge ich mir manche hundert Verfe von Racine oder Voltaire und verschiedene Seiten
von Flschier oder Vossuet ein", erz�hlt er de Catt im Siebenj�hrigen Kriege und schreibt von gleicher Ged�chtnis�bung
noch im Jahre (775 an Voltaire, aus dessen !Nerope und Mahomet er sich seine kieblingsstellen hersagte, wenn der
1Unterhaltungen mit de ?ait. Archivpublikatlonen XXII,295,
� * tombais, Schilderung Friedrichs des Gro�en. Setiin 1788,
5. (53. � B A.a. 0)., 23, 4?, 65, 97, <\l\.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.