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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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Und der K�nig h�lt den Musen fein Versprechen. � Am 5. TN�rz (.759 schreibt er an d'Argens, er lebe im Winter-
quartier zu Breslau mie ein Rarth�userni�nch, esse allein zu Mittag, verbringe seine {Tage mit lesen und esse nicht
einmal zu Abend, und an denselben aus Breslau im Winter \?6\, die B�cher, die er aus Berlin erhalten, seien ihm
Trost zugleich und Unterhaltung, er lebe mit ihnen und verkehre sonst mit niemandem (J3. Dezember). 3n Dresden
sagte er \758 zu de Catt 1, der K�nig von Sachsen werde sich bei' seiner R�ckkehr in seine Residenz sehr wundern,
wenn die Mauern von den Kl�ngen der Athalic Racines widerhallen, die er de Catt dort vorgelesen habe, Sein
Minister Graf Br�h! habe wohl Geist und Calent, aber es wolle ihm scheinen, als besch�ftige er sich mehr mit seiner
Garderobe als mit seiner Vibliothek, die allerdings sehr gro� fei. Der K�nig bedauert, da� man sie gepl�ndert hat.
Auch in Mei�en klagt er �ber die Unbildung und bas mangelnde geistige Interesse der ?eute von Stande. Au�er
Almanachen kenne man nichts, und er sei �berzeugt, viele Menschen st�rben dort, ohne zu wissen, ob man in Frank-
reich und ?)oUaubB�cf)er drucke. Auch mit seinem �sterreichischen Gegner, dem Feldmarschall Daun, vergleicht er sich
in seinem kesebed�rfnis und meint, dieser w�rde wohl nicht wie er den ganzen Vor- und Nachmittag seine Nase in
die ?ogif von 'sGravesande gesteckt haben. 2 Des K�nigs Zelt gleicht in solcher Zeit noch mehr der Wohnung
eines Philosophen als die Tonne des Diogenes oder die Kammer von ?eibnis. {Un Jordan, 5. Juni 5?H2.) Nur
nach den sch�nen und friedlichen Vuchen von Rheinsberg, nach den pr�chtigen ?inben Charlottenburgs empfindet er
schmerzliche Sehnsucht, und es bedurfte wohl des Eindrucks der �res bene gesta", wie am Tage nach der Schlacht bei
Zorndorf, an dem er zu de Tatt scherzend sagen konnte: �Vous me voyez log� ici comme je le suis ? Pose-dam 3
avec mes livres, mes papiers et tout ce qu'il faut pour barbouiller; mes cartes font ma tenture et cette tenture-l?
vaut mieux que celle de brocard.'* Lineh�bsche Illustration zu den Worten des K�nigs an d'Argens nom M�rz \76\x
�j'�tudie ma campagne et j'�tudie mes livres." 3n solchen stunden mochte wohl die behagliche Stimmung �ber
ihn kommen, in der ihn d'Argens w�hnt, wenn er ihm schreibt: �W��te ich nicht seit 20 Jahren, da� Sie im Felde
und �Daffenlarm ebenso ruhig sind wie in Ihrer Bibliothek in Sanssouci, dann k�nnte ich nicht begreifen, wie Sie den
Auszug aus Gassendi machen konnten" {\% Juli 5?6^). D'Argens vermittelt ihm die literarischen Reuigkeiten, und
der K�nig bittet ihn, sich in feinen Briefen auf die Mitteilung dieser zu beschr�nken, wenn er Vesorgms habe, da�
der Brief in falsche H�nde kommen oder abgefangen werden k�nnte. Bekannt ist, da� in der Schlacht bei Soor am
30. September 17^5 mit dem Handgep�ck des K�nigs auch seine gesamte Feldbibliothek verloren ging. Zwei Cage
sp�ter bittet et Duhan, ihm die folgenden B�cher umgehend zu schicken: eine gute Gktavausgabe von Boileau mit
Anmerkungen, Vossuets Discours sur l'histoire universelle, die Cusfulanen und Aatilmarien von Cicero, die
philippischen Reden des Demosthenes, den Cuctan in der Uebersetzung von d'Ablancourt, die letzte Voltaire-Ausgabe
in f�nf V�nden, eine Sonder -Ausgabe der Henriade vom Jahre oder 1.7324, den horaz in der Uebersetzung
von pellegrin, 2 B�nbe der Dichtungen �on �reffet, die gute letzte Chaulieu-Ausgabe in Gro�-3", eine ebensolche
von Rousseau auf gutem papier, Feuquieres, � gemeint sind wohl die M�moires sur la guerre oder die M�moires
historiques et militaires � die Schilderung der Feldz�ge von Curenne, IlTontesquieus Lettres Persanes und Le po?me
de Fontenoy; gemeint ist die Bataille de Fontenoy von Voltaire. Er w�rde die meisten der B?cher wohl in der
Vibliothek seines lieben Jordan finden. Dieser war wenige Monate vorher, am 2^. Mai (7^5, zum gro�en Schmerze
des K�nigs gestorben. Aurze Zeit darauf verlor Friedrich den zweiten Herzensfreund, Aeyserlingk. �Das war
meine Familie," klagt er Duhan, �ich glaube jetzt verwitwet und verwaist zu fein." Die Vibliothek Jordans stand
nach der Absicht ihres Besitzers, wie die Unterschrift feines auf Seite \S\ wiedergegebenen Exlibris �C. S. Jordani et
amicorum" zeigt, au zur Verf�gung seiner Freunde. Sie spielt in dem Briefwechsel bis K�nigs mit Jordan oft
eine Rolle. .Ma biblioth?que fait mes d�lices," sagt Jordan; der K�nig wei� das und sieht in ihr seine
1 A. a, G., S. 213.
� 3 Der K�nig meint die franz�sische Uebcrfc^ung von Introductio ad philosophiam, metaphysicam et logicam
contins, die durch die von Eue de Joncourt besorgte franz�sische Bearbeitung und Uebersetzung eine gro�e Verbreitung fand. �
" Mit der
gedehnten Aussprache von Potsdam ahmte der K�nig den Marquis d'Argens nach, der den Namen nicht richtig aussprechen tonnte. �* Vie Ausgabe ist in london (728 erschienen. . " v
        
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