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Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

Full text: Lektüre und Bibliotheken Friedrichs des Großen

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einige Zeugnisse daf�r aus sp�terer Zeit. Aus Hofften schreibt er am 29.Mai \7^2 an Algarotti, von allen ?ebens*
berufen mache bas Studium am gl�cklichsten. Nur darin findet er wirkliches Gl�ck. (An Maupertuis, 3. Juli 1755.)
Mehr als je tummelt er sich auf allen Gebieten geistiger T�tigkeit, die dem Verstand zur Zierde und Erleuchtung
dienen k�nnen. (Un d'Argens, 25. V. (762.) Und in einem Briefe an Grimm vom 26. September {770 lesen wir:
�Von Jugend an habe ich die K�nste, die titeratur und die Wissenschaften geliebt und, seitdem ich in der Lage dazu
war, mich ihrer Verbreitung mit allem denkbaren (Eifer zugewandt; denn kein wahres Gl�ck gibt es in dieser Welt
ohne sie." �VW zur Tollheit liebe ich die Wissenschaften," schreibt er am 25. November 4?6<) an Voltaire; �sie sind
das einzige, was meiner Mu�e Reiz gibt und mir Vergn�gen macht." �Sie sind das einzig w�rdige Vergn�gen f�r
Menschen, die einigen Anspruch auf Vernunft machen." (An d'Alembert, 19. Juni (775.) Und schlie�lich mag auch
die zeitlich fr�here und nur auf Me Sch�pfungen der Dichtkunst sich beziehende Acu�erung Friedrichs am Schl�sse
seiner R�flexions des g�om?tres sur la po�sie hier angef�hrt werden, eine Apotheose, wie fte nie aus begeisterterem
Herzen und �berzeugter� Vrust gekommen ist: �F�r meine Person erkl�re ich, da� ich, so alt ich bin, die Dichtkunst
noch ebenso leidenschaftlich liebe wie in meiner fugend, und ich bitte Apollo, er m�ge mich kraft seiner wirkenden
Gnade in dieser unersch�tterlichen und wahrhaft poetischen Treue erhalten, die Homer uns gelehrt, vergil verbreitet,
Hora; erl�utert hat, deren A�nder Tasso, Petrarca, Ariost, Milton, Voileau, Racine, Corneille, Voltaire und pope
gewesen sind, die in ununterbrochener Ueberlieferung auf uns gekommen ist und in der ich leben und sterben
will, damit nach meinem Tode meine Seele mit dieser erhabenen und g�ttlichen Geisterschar im �klysium, bas sie
beherbergt, sich vereinigen kann." So war dem K�nige die Wissenschaft und titeratur �die hohe, die himmlische
G�ttin" sowohl wie die �milchende Ruh", die feinem Geiste Nahrung gab.
Aber auch Trost fand er in der Eeft�re. w�hrend er noch im 3a*?rc ;?Z6 (23. X.) an Suhm, ankn�pfend
an Me Empfehlung von Senecas Schrift �ber die Verachtung des Reichtums, schreibt, er w�nsche ihm besseren Trost
zu geben als den, den man aus B�chern sch�pfen k�nne, so �ndert er bald feine Ansicht �ber diese Trostspender
und Linderer der Sorge, wenn sich seine politische oder milit�rische tage verschlimmert oder Todesf�lle in seiner
Familie und unter feineu Freunden seine Seele niederdr�cken, wenn die Wolken sich verdichten und traurige Gedanken
ihn nicht loslassen, dann ist ihm tesen und Schreiben eine Ablenkung und Erholung. �Sie sehen mich", sagte er
im Juli 759 zu de Catt, �ganz mit tesen und Schreiben besch�ftigt; ich brauche diese Ablenkung gegen die traurigen
Gedanken, die mich erf�llen." 1 Vie V�cher werden ihm zu einer erfrischenden Quelle, deren St�rkung er oft erprobt
und die ihm hilft, gegenw�rtiges Ceib zu ertragen, Sorgen um die Zukunft zu zerstreuen. (An d'Argens,
59. Februar Reinen anderen Trost findet er, des tebens k�st zu tragen, als den in dem Verkehr mit den
Musen, und w�re er Herr seines Geschickes, so h�tte weder die verlockende H�he des Thrones noch das stolze
Kommanbo �ber die Armee noch die Freude an den Zerstreuungen des Gebens ihn der dauernden Gemeinschaft mit
diesen entziehen k�nnen. (An de Catt, August \778.) Wenn ihn: Tag f�r Tag so viele ernste und langweilige
Sachen durch den Kopf und durch die Finger gehen, bann benutzt er gern jeden Augenblick, sich zum' �d�lassement
de l'esprit" an den B�dnern schadlos zu halten. . (An d'Alembert, 7. Januar 1-768.) �Zetzt will ich lesen," schreibt
er am J8. November 1?6!( aus dem tager von Streben an de Tatt, �um meine Unruhe und meinen Schmerz,
die nur �berallhin folgen, einzuwiegen und einzuschlafern." H�tte er feine B�cher nicht, so f�rchtet er, feine
Hypochondrie k�nnte leicht zur Geisteskrankheit ausarten. (An d'Argens, \8. Januar 5?6^.) ' Nur feiten versagt dieses
Trostmittcl. Dann mag er sich noch fo sehr in seine V�chersch�tze eingraben und die lieblingsschriftsteller hervorholen,
�tout cela n'aide plus ? rien" 2,und ,�malgr� toutes mes lectures je ne saurais apaiser l'inqui�tude de mon
esprit', la crise, dans laquelle je me trouve, dure trop longtemps." (An Duhan, J5. Mai \?6{.)
Es ist gttn; nat�rlich, da� Friedrich bei der gro�en Bedeutung, die die lekt�re f�r ihn hatte, ihr sein ganzes leben
hindurch viel Zeit gewidmet hat. Das f�ngt in Ruppin an, wenn auch das Exerzieren und immer wieder Exerzieren
'Unterhaltungen mit de Lalt, S. 242.
�
' A.a. G., 3. 2UH.
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