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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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Der K�nig frag ihm nach der Itrfad}, und da ihm Schwerin die unangenehme Stelle im patent gewiesen, sagte der
K�nig: ,G, das ist ein Schreibfehler; es ist die Schuld meiner Secr�taires, ich werde sie die K�pfe daf�r waschen/ �
,3a > wollen Sic bas?' versetzte Schwerin, ,mm, denn ist es gut�."
Viese von Sch�ning berichtete Anekdote fallt in das Fr�hjahr Hn dem f>atent, durch das Schwerin
zum wirklichen Geheimen Staatsminister ernannt wurde, hat Friedrich tats�chlich jenen Scherz gemacht. Doch irrt
Sch�ning mit der Behauptung, da� es bei der m�ndlichen Aussprache sein Vewenden hatte. Vielmehr richtete Schwerin
noch eine f�rmliche schriftliche Eingabe an den A�nig, und dieser beschied ihn unter dem 29. M�rz: �Ich erkenne
Euch vor einen w�rklichen Staats-Mmister, und vor keinen Stall-Minister, und k�nnen daher meine leute Luch auch
daf�r erkennen; welches ich Euch auf Eure heutige Anzeige hierdurch in Antwort melden wollen." Dieser Scherz
scheint seine Antezedentien gehabt zu haben, wenigstens findet sich ein Erla� Friedrichs an seinen Gberstallmeister
vom 29. September in welchem schon genau die gleiche Tonart angeschlagen ist. Dieser Erla� lautet: �Es ist
mir Euer Schreiben vom 23. dieses zugekommen; ich wei� weder voni Stall noch vom Staat, aber das wei� ich
wohl, da� Ihr ein Mensch seid, der zum Staat geh�ret, und unentbehrlich seid; also k�nnet Ihr auch dabei ganz
geruhig sein. Und was Ihr wegen der Patenten erw�hnet, das ist mir alles unbewu�t, welches Euch also zur
Antwort ertheilen wollen."
Rehren wir zu Sch�ning zur�ck. Er beschlie�t seine Erz�hlung mit folgender Anekdote:
�Schwerin h�tte gerne noch den Schwarzen Adlerorden gehabt, und wenn er auch �fters sagte: Je suis si
heureux, il ne me manque rien, ? l'exception de quelque bagatelle' � hier machte er einen Griff nach seiner
Brust und Schulter �, so wollte ihm der K�nig doch nicht verstehen. Endlich sagte er dem K�nig: er habe ihm so
lange gedient, die (Sensbarmes hatten sich nie bei einer Affaire befunden, die verloren gegangen w�re; er h�tte aber
nicht das geringste Andenken von St. Majest�t aufzuweisen, er b�te um bas Portr�t Sr. Majest�t. Der K�nig
antwortete: ,Junge h�bsche M�dchens lassen sich wohl malen, aber kein alter Kerl wie ich/ � ,Nun, so schenken
mir Ew.- Majest�t eine tabati?re, damit ich nur ein Andenken habe. Sie braucht nicht von gro�em wert zu sein;
ich will sie zum Fideicommi� machen, damit sie nie aus den H�nden meiner Familie kommt/ � ,Dazu kann Rat
werden/ Der K�nig suchte darauf eine ganz ordin�re goldene Tabati?re hervor, schickte sie nach Berlin und lie�
anstatt seinen� portrait einen Pickelhering hineinsetzen, und so gab er sie dem Grafen. Schwerin lie� barauf das
portrait des K�nigs hineinsetzen, und suchte diese Verwandlung dem K�nig zu Gesicht, zu bringen. Der K�nig nahm
es gut, schenkte aber deswegen (wie allgemein in den Anekdoten erz�hlt wird 2) den' Grafen keine brillantene Tabati?re."
Die Dosengeschichte mu� vor Ausgang des Jahres 5 780 gespielt haben; denn wie Catts Nachfolger, der
Marquis tucchesini, unter dem Dezember ;?80 vermerkt, machte der A�nig an diesem Tage dem Vberftallmeister
ein Porzellanservice zum Geschenks w�hrend der sehnlich begehrte Schwarze Adlerorden ihm erst von Friedrichs
Nachfolger und zwar am 30. Dezember 5?86 verliehen worden ist.
1Unter demselben Datum ergeht die gleichlautende Mitteilung an das Generaldirektorium.
� 'Gemeint sind die von Ungrr
in Berlin herausgegebenen �Anekdoten und Charakterz�ge aus dem teben Friedrichs II." (vgl. �Sammlung" VII, 5, 95f.;Berlin i?8?),
die ebenso wie de la Veaux (IV,57<*f.) die pointe mit freier Erfindung weiter ausschm�cken; nach jenen stellt bas Vild in der Dose einen
Affen, nach de la Veaux einen Esel dar. Eine kurze Berichtigung nach Sch�ning gab schon V�sching in dem �Historischen Anhang", S. 33,
zu feinen �Zuverl�ssigen Bettr�gen 311 der RegierungZgeschichte K�nig Friedrichs II.von Preu�en" (Hamburg !?90). Die von Zimmermann
(�Fragmente �ber Friedrich den Gro�en zur Geschichte feines tebens, feiner Regierung und seine� Charakters", Ob, III,5, 33Of.; leivzig Uyo)
berichtete und darauf von Chiebault (�Mes souvenirs de vingt ans de s�jour ? Berlin", V�.I,S. 2?; f.; Paris *8O^) mit geschmackloser
�bertreibung wiederholte Anekdote, da� der "K�nig bei einem Spaziergang imPark von Sanssouci dem Grafen Schwerin eine Portechaise aus
dem Schlo� habe holen lassen, als dieser ihm endlose Komplimente �ber sein schnelles Gehen machte, ist ebenfalls von V�sching (�Historischer
Anhang", 5. 2?) und darauf auch vonNicolai und Vlanckendurg (�Freim�tige Anmerkungen �ber des Herrn Ritters von Zimmermann Frag-
mente �ber Friedrich den Gro�en von einige� brandenburgischen Patrioten", Heft II, 5. 2�5; Berlin und Stettin ;?y;) ins Reich der Fabel
verwiesen worden. � 8 Tgl. Vifchoff, Gespr�che Friedrichs des Gro�en mit Catt und lucchesini, 3. 169 (Leipzig ;�85). Die Angabe der
Familiengeschichte, da� der K�nig dem Gberstallmeister ein Relief mit einer allegorischen Darstellung des Todes des Feldmarfchalls Schwerin
bei pr�g geschenkt habe, beruht auf Irrtum; denn als Friedrich-Albrecht am 9.3"'* 783 dem K�nig anzeigte, er habe das Relief mit
einem anonymen Vrief, der die Allegorien erkl�re, empfangen, und ihm daraufhin als dem vermeintlichen Spender feinen Dank aussprach,
        
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