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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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dem linken Fl�gel die Franzosen �ber den Haufen warf." hier, bei Ro�bach, ward er ebenso wie bas Jahr darauf
bei Zorndorf verwundet. Sei Torgau, an, 3. November *76O, erlitt er das Mi�geschick, gefangen genommen zu
werden, �als ihm das Pferd noch mit Ende der Bataille durch einen Kanonenschu� blefftret worden und er, als er
ein ander pfer� zu besteigen gesuchet, bei der gro�en Dunkelheit der Nacht in einem nahe belesenen Holze sich egariret
und unter einen Crupp �sterreichischer Kavallerie geraten".^
Die Zeit seiner Gefangenschaft m Vesterreich bildet eine merkw�rdige Episode in seinem (eben, kr forderte,
sogleich nach Wien gebracht und den� Kaiser und der Kaiserin vorgestellt zu werden. Er erlangte auch, wie der
Aammerherr Graf kehndorff, der bekannte Chronist des Verltner Hofes, erz�hlt', �durch vieles Vitten und mit H�lfe
seines Namens, der in Gesterreich von dem verstorbenen Marschall Schwerin her sehr geachtet ist, die Erlaubnis,
nach N)ien zu reisen". 5eine Vitte um Audienz indessen wurde von Maria-Theresia abgeschlagen, doch lie� sie ihn
sich im Vorbeigehen vorstellen und richtete einige verbindliche Worte an ihn. Bedeutsamer ist, da� er auch den
Staatskanzler Graf Aaunitz sprach und ihm, wie dieser nach f?aris meldete', verschiedene Er�ffnungen machte.
Danach erz�hlte ihm Schwerin, A�nig Friedrich habe ihm kurz vor seiner Gefangennahme sein Herz vertraulich aus-
gesch�ttet und gesagt, da� er aufrichtigst w�nsche, den Greueln des Krieges durch einen baldigen Frieden ein Ende
zu machen, unter billigen Bedingungen ihn abzuschlie�en und sich mit der Kaiserin zu vers�hnen, w�re er gewi�,
da� Maria-Theresia von der gleichen Anschauung beseelt sei, so w�rde ihr der ASnig annehmbare Vorschl�ge machen.
Zu dieser letzten Mitteilung freilich erkl�rte Schwerin, durchaus nicht f�rmlich beauftragt zu sein. Darauf er�rterte er
die Mittel, wie man zu gegenseitiger Verst�ndigung gelangen k�nne, wenn er derart den Friedensschlu� zur Sprache
brachte, so hat er ohne allen Zweifel aus eigene Faust gehandelt; denn nirgends findet sich eine Spur in Friedrichs
Briefen und Aeu�erungen, die den vom �sterreichischen Kanzler gehegten verdacht best�tigt, da� Schwerin seine
Gefangennahme mit Absicht herbeigef�hrt und auf Antrieb des K�nigs jene Er�ffnungen gemacht habe. Da Kaunitz
nicht n�her darauf einging, blieben sie ohne weitere Folge.
Doch eine zweite Frage r�hrte Schwerin noch an; er schlug vor, die Auswechselung der beiderseitigen Kriegs-
gefangenen nach dem zwischen beiden M�chten bestehenden Kartell von neuem in die Wege zu leiten. Denn den
Mitteilungen, die er nach seiner noch im Dezember 5 760 erfolgenden Heimkehr dem K�nige in teipzig machte ist
es wohl zuzuschreiben, da� Friedrich wie sein getreuer Sekret�r Eichel sich sofort mit gro�er Zuversicht �ber die Ein-
leitung der Auswechselungs-Verhandlungen �u�erten und da� diese dann auch demn�chst ihren Anfang nahmen/
Indessen entsprach ihr Fortgang nicht den Erwartungen des K�nigs und auch nicht Schwerins, wie sich aus einem
Briefe des ersteren ergibt Friedrich schreibt n�mlich am 2^.Mai an seinen Bruder strinz Heinrichs �Schwerin
ist sehr zornig auf die K�nigin von Ungarn und auf Daun; er sagt, sie h�tten sich mit ihrem Kartell �ber ihn lustig
gemacht. Er hat es etwas spat gemerkt, der gute Zunge; er sagt, da� er die Welt b�ser f�nde, als er geglaubt
h�tte. Mir scheint," so f�hrt er fort, �man braucht nicht erst H5 Jahre alt zu werden, um das zu merken, und diese
Erw�gung mu� sich allen, die in die Welt eintreten, ein Jahr nach dem Verlassen der Schulbank darbieten. Schwerin
mu� sich mit dem Spr�chwort tr�sten, das da besagt: Die sp�ten Fr�chte sind die besten."
In diesen Worten ist das Verh�ltnis Friedrichs zu Schwerin charakterisiert.
Eine der Huellen, aus denen wir neben ihrer Korrespondenz weitere interessante Mitteilungen dar�ber erhalten,
sind die Aufzeichnungen Heinrich de Catts, des k�niglichen Vorlesers. Als der K�nig diesen, bald nach seiner Ankunft
1Mitteilung des Kabinettsfefretars Eichel an den Minister Graf Flnckenstein Dom (8. November ;?�o (P.C., B�. 20, S.95f,).
Die Familiengeschichte (5, 2�) spricht noch Don Verdiensten Schwerins um den 3ieg bei Vurkersdorf am 2l-Juli (762. Die von Aalten"
boni (�Sriefe eines alten preu�ischen Officiers, verschiedene Chararterz�ge Friedrichs de5 Einzigen betreffend", yd. I, 2. S2ff.; Hohen-
zollern 1190) �berliefert� Anekdote, auf die fie sich daf�r beruft, betrifft aber weder Friedrich-Albrecht, noch kann sie auf historische Wahrheit
Anspruch erheben, da der K�nig schon am und 3n>ar durch den russischen General Tschernyschew selbst die Entthronung Zar Peters HI,
erfahren hatte Oigl. P. ?., Vd. 22, 5. 52). �
' Vgl. Graf lehndorff. Drei�ig Jahre am Hofe Friedrich� des Gro�en, herausgegeben von
K.Ed. Schmidt/ Nachtr�ge, Nd. I, ?. 293 und auch 28*. 288. 29* (Gotha 5950).
�
8 Aaunih an Graf Starhemberg, 1�, Dezember l?�o:
vgl. 21. 0. Artteth, Geschichte Maria- Theresias, Vd. b, 5. 2^f. lwien (875). � * vgl. ?eb,nborff, Nachtr�ge, Vd.I,S. 2B8 und 293. ��
vgl.P. C., Ad. 20, 5. (66 Anm. �, S. �s; und 670. � 8 Vgl.p. C., Vd. 20, 5. 4,5.
        
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