Path:
Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

152
um ein Aulturstaat zu werden, so bilde Ru�land das einzige Beispiel, wo sich diese Metamorphose in wenigen
Menschenaltern vollzogen h�tte; aber dieser Erfolg w�re wohl nimmer in so kurzer Frist errungen worden, wenn nicht
dank gn�diger Schicksalsf�gung drei Frauen hintereinander die Z�gel des Reiches mit Festigkeit gef�hrt hallend
Geschah es mit oder ohne vorwissen Friedrichs, Karoline teilte seine Briefe der Kaiserin mit. 5ie mache ihr damit
ihren Hof, berichtete sie dein 'K�nig; �sie ist empf�nglich f�r die Zeichen der Freundschaft und Achtung, die Sie ihr
geben, Sire", Aatharina f�hle sichtlich sich geschmeichelt, aber sie erwidere stets, sie verdiene dieses tob nichts Zur
Widerlegung des Vorwurfs, da� blinde Voreingenommenheit ihn beherrsche, sandte Friedrich der landgr�fin� seine
�Apologie", wie er.es nennt: �wenn ich eine Frau sehe, die sich nach einem "Kriege mit mir verb�ndet, den ihre
Vorg�ngerin aus H�ndelsucht gegen mich gef�hrt, so liebe ich sie; wenn ich diese Frau ihren Untertanen weise Gesetze
geben sehe, so bewundere und segne ich sie; wenn ich sie den Sarmaten Toleranz predigen sehe, so erkenne ich ihre
Weisheit an; wenn ich sehe, wie sie die C�rken zur�ckjagt, aus den hyperbor�ischen Meeren Flotten in den Archipel
entsendet, ebensoviel schlachten zu tande wie zu Wasser gewinnt, so schreibe ich diese (Erfolge zum gro�en Teil ihrer
Klugheit zu, den �brigen Rest der Tapferfett ihrer Truppen; wenn ich so viele bewunderungsw�rdige Einrichtungen f�r
die Erziehung des k�nftigen Ru�lands sehe, so rufe ich Beifall, weil diese F�rstin so trefflich die Pflichten der Herrscher
erf�llt, unter denen meiner Ansicht nach die Erziehung einen der vornehmsten Teile ausmacht; wenn nun aber eine gro�e
F�rstin sich nicht allein auf diese gro�en Taten beschr�nkt, sondern sogar noch liebensw�rdig ist, so werde ich, wofern
Sie mir mein ?eben lassen, ihr Beifall zollen." Entsprach auch bas, was Friedrich �ber die Gesetzesreform, �bet die
Erziehung der Jugend sagte, durchaus seiner innersten Ueberzeugung, der ausschlaggebende Gesichtspunkt blieb f�r ihn
der politische. Er huldigte der Kaiserin Katharina als der Beherrscherin des mit ihm verb�ndeten russischen Staates.
Mit verdoppelter Spannung aber richtete er in: Sommer als Raroline am Petersburger Hofe weilte,
seine Vlicke dorthin. Innere A�mpfe ersch�tterten Ru�land. Der gro�e Gegensatz zwischen Gregor Grlow, dein
G�nstling Aatharinas, und ihrem leitenden Minister, dem Grafen panm, war zum offenen Ausbruch gekommen.
Die Grlowsche Partei arbeitete am Sturze des Ministers, dessen Stellung ersch�ttert schien. panin war der Anwalt
der Allianz mit Preu�en, sie war zum guten Teil sein Werk, und wenn er fiel, so drohte die Gefahr, da� sein Werk
ihm folgte; denn Grlow neigte zu Gesterreich. In aufstammendem Zorn erkl�rte Friedrichs er w�nsche diesen mit
Aorah, Dathan und Abiram in die H�lle.
Diese Verh�ltnisse bilden den Hintergrund f�r eine kleine seltsame Episode, die die kandgr�fin und ihre T�chter
betraf, panin glaubte, da� Gregor Grlow ein Auge auf die j�ngste darmst�dtische Prinzessin geworfen habe; er
f�rchtete, sie k�nne sich umgarnen lassen, und sah ernste Folgen f�r die sp�tere Zukunft voraus. So vertraute er sich
dem A�nige an und bat ihn um einige warnende Zeilen an die tandgr�sin. Mit gr��ter Ueberraschung vernahm
Friedrich dieses Ansinnen; als leere Hirngespinste verwarf er die Vesorgmsse des Ministers: man kenne die kandgr�fin
schlecht, wollte man glauben, ba� sie auf die Schliche eines Vrlow hineinfallen k�nnte; sie denke zu erhaben, uni
jemals ihre Zustimmung zu solchen Pl�nen zu geben. Und so lehnte er rundweg ab, den verlangten Vrief an sie zu
richten, mit den Worten: �Diese F�rstin w�rde mich, und zwar mit Recht, f�r einen Narren halten, wollte ich ihr
Verdienst in solchem Grade verkennen und annehmen, da� sie auch nur in, geringsten geneigt sei, die Absichten Grlows
auf ihre Prinzessin-Tochter zu beg�nstigen, und ich w�rde verzweifelt sein, hielte sie in ihrem Geiste mich solcher Gedanken
auch nur f�r f�hig." � Panin mu�te dann auch dem A�nige recht gebend
1Friedrich an Caroline, 50. Juni, 7. September \1751 walther I, 55. 63; p.C. 35, 626; 34, ;38.
� '
vgl. lvalther I, 5?.
bo. �H. 67, ��Am 5. �ftobpr 4775; Walter l, 66; p. ?. 34, [90.
� * An Heinrich, 2.^11(1 ;??3: p. C 3$, t,� E Solm�' Beriet
vom 5. und Antwort des K�nigs vom 20, 3�Ii *773; p, (?, 3t, An Heinrich schreibt Friedrich am 23. dar�ber: ,J'ii honte de
vous rendre les b?tises que Solms m'�crit" (ebenda, S. 50). Ver So?tlts'frf?C Vericht ohne die Antwort des K�nigs ist auch abgedruckt Im
Sbornif, Vd. 12, S. 366ff. (Petersburg 1890* Daraufhin nimmt Mor�ne (,,Paul I� de Russie avant l'av?nement", 5, \Q<$\ parts (907)
irrig an, da� Friedrich tats�chlich in dem gewimschten Sinne an Karoline geschrieben habe. Auch feine Schilderung des Aufenthalts der
tandgr�fin in Petersburg ist schief und unzutreffend, da er fie v�llig auf den unzuverl�ssigen Sendeten des dortigen franz�sische� Vertreter?
Xiuranb aufbaut. � * Vericht von So(ms, 6. August {775: p. C. 3t, U? Anm. 2 und Sbornif, &b,72, 5. 382.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.