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Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : V Landgräfin Karoline von Hessen Darmstadt; VI Der Oberstallmeister Graf Friedrich Albrecht Schwerin

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Noch vor ihrem Aufbruch ereignete sich ein ernster Zwischenfall. Die tandgr�fin erkrankte schwer, ein
heftiges Fieber befiel sie. Raum genesen, schrieb sie der Prinzessin Friederike 1*, �Der Tod h�tte mir einen sehr garstigen
Streich gespielt, w�rde er mir einen pas de deux in die andere Welt vorgeschlagen haben. Hein, ich habe noch gar
keine kust dazu; ich will Vich, liebes Rind, noch vorher sehen und Deine Schwestern ihrer Bestimmung zugef�hrt
haben." Schon zog sie m Erw�gung, da� ihre �lteste Tochter Karoline sie ersetzen sollte, falls sie selbst nach ihrem
Ausdruck �sich davon machte".
Unter dem Namen einer Gr�sin Lichtenberg, den sie nach der Grafschaft Hanau-tichtenberg w�hlte, trat sie
am 6. 2Nai die Reise an. 2 Nachdem sie am Abend des 53. mit ihren drei �G�ttinnen" inPotsdam angelangt war,
lud Friedrich sie zum folgenden Mittag nach seinem �Weinberg", nach Schlo� Sanssouci ein, �um mit ihr sich zu
unterhalten und vorauszusehen, was ihr gl�ckliches Geschick ihr verk�nde".^ Ueber diesen Sesuch berichtet sie tags
darauf in die Heimat: �Der A�nig hat meine T�chter viel betrachtet; er sagte, er wolle sich ihre Physiognomien
einpr�gen, da eine in Ru�land bleiben solle. Er sagte mir: die j�ngste ist es, ihr Alter pa�t am besten. Nach der
Tafel sagte er zu mir: die zweite wird es sein, ihre Stirn ist dazu gemacht, um mit einer Arone geschm�ckt zu
werden. Seine Majest�t sprach nach der Tafel lange mit mir, um mich �ber das kand, wohin ich gehe, und �ber
die Pers�nlichkeiten zu unterrichten." Ebenso hatte sie in den folgenden Tagen l�ngere Unterredungen mit dem Prinzen
Heinrich, der sie nach den w�hrend des winters in Petersburg von ihm gesammelten Erfahrungen in die
dortigen Verh�ltnisse einweihtet Offen war an der k�niglichen Tafel von ihrer gro�en Reift, wenn auch nicht vom
Ziel derselben, gesprochen worden; wenn Asseburg es h�rte, so meinte Aaroline, w�rde er dar�ber in Verzweiflung
geraten. Auf der anderen Seite verwunderte es sie, da� man sich �u�erte, als handle es sich nur um eine Fahrt
von Darmstadt nach Frankfurt oder um einen Ausstug nach Afchaffenburg.
Auch die Scheu der kandgr�fin vor der �ffentlichen Antik kam zur Er�rterung. Um einen �plausiblen Voi-
wand" f�r die Fortsetzung der Reise nach Petersburg zu haben, nahm man auf ihren Vorschlag zu einer kleinen
�Ariegslist" Zuflucht. Friedrich lie� den Grafen Panin bitten, es so hinzustellen, als ob die Wahl des Gro�f�rsten
Paul bereits getroffen fei und als ob die Schwestern die Erkorene begleiteten, um nicht allein daheim zur�ckzubleibend
Die F�rsorge des A�nigs erstreckte sich nach weiter; er lie� der tandgr�fin durch ihre Tochter Friederike einen Aredit-
brief im Vetrage von Talern zugehen. Auf ihr Dankesschreiben erkl�rte er f�r Freundesvfiicht, in der Not
zu helfen. Aber zartsinnig erhielt er die Fiktion aufrecht, da� die Prinzessin die Spenderin sei; sie denke ebenso wie
er, und er wolle ihr das Verdienst nicht rauben, ihre Anh�nglichkeit ihr bewiesen zu haben.� Endlich versah er sie
auch mit einem Briefe an Aatharina II.?, in welchem er seine �alte und gute Freundin", wie er Aaroline nannte,
dem Sch�tze der Kaiserin empfahl; er setzte hinzu: sie k�nne sicherlich jeder fremden Empfehlung entbehren, da sie ihre
Empfehlung in sich selber trage.
Man k�nne nicht liebensw�rdiger sein als der A�mg, bekannte r�hmend die kandgr�fin. Dennoch fand sein
Entgegenkommen eins Grenze, als sie die Gelegenheit wahrnahm, ihn um seine F�rsprache bei Gesterreich f�r alte
Geldforderungen des Darmst�dtischen Hofes zu bitten. Friedrich lehnte es ab, indem er erwiderte, man tue besser,
damit zu warten, bis die polnischen Angelegenheiten geordnet seien. So gebot es das preu�ische Interesse; denn da
die Verhandlungen der drei Teilungsm�chte �ber die endg�ltige Abtretung der im Herbste von ihnen okkupierten
1 Am 52. Februar (773: Walther I, [2(. � � F�r ihren Besuch bei dem K�nig vgl. P. (?. 33, 655; ferner ihre Briefe an ihre
Mutter, Pfalzgr�fin Caroline von Iweibrilcken, vom U- bis 28. Mai und an den landgrafen vom 22* Mai l?73: IValther I, 376�385;
H, 99f. � * vgl. Walther I, 52} P. C. 33, 530. � * Am 29- Juni schreibt Karolttic dem Prinzen Heinrich: �Votre Altesse Royale eu
a. agi avec moi dans toute cette affaire comme un fr?re"; ebenso an ihre Mutter (vgl. Wahrer I, {$6. H35). Durch ein von walther
(I, XH5) falsch angegebenes Zahresdatum ocrlettet, bezieht Aobeko (Ver C�sarewitsch Paul petrowitfch, deutsch �bersetzt von ?aurenty, 3. 69;
Verlin 568h) die Ratschl�ge Heinrichs f�r die Verm�hlung Fnederikens (vgl. oben 5. 52?) auf die Heirat d� Gro�f�rsten Paul.
�
5 Order an 5olms, (5. Mai 1773; panin erkl�rte sich dazu bereit. Au�erdem wurde Solms angewiesen, die ??tib<}raf?t? in jeder Weise
�ber die russischen Verh�ltnisse aufzukl�ren. Vgl.P.C. 33, 522f. 588 und 240. 533, 538,
� �
schreiben Karolmens vom ;5. und
Antwort Friedrichs vom ;?. Mai 5772: walther I, 52f.; P. C. 33, 538f, � 'vom 23, Mai u^3: P. 
    
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